Wettingen/Baden
Wohnen ohne Auto wird modern: Mehrfamilienhaus ohne Garagen geplant

Immer mehr Leute besitzen kein Auto und sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Deshalb will die Baugenossenschaft «Lägern Wohnen» in Wettingen ein Mehrfamilienhaus bauen, explizit ohne Autogarage.

Dieter Minder
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Das geplante Haus an der Gartenstrasse. ZVG

Das geplante Haus an der Gartenstrasse. ZVG

Autogaragen oder zumindest Autoabstellplätze gehören unverzichtbar zu einem Wohnhaus. Nach diesem Grundsatz werden seit Jahrzenten Baubewilligungen erteilt, doch die zunehmende Verkehrsbelastung führte zu einem Umdenken.

Immer mehr Menschen besitzen kein Auto, beanspruchen also keinen Abstellplatz. Diesem Trend folgt die Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lägern («Lägern Wohnen») mit ihrem Projekt an der Gartenstrasse in Baden.

Dabei will sie ausdrücklich auf eine Tiefgarage verzichten. Voraussetzung ist jedoch, dass die Stadt noch die rechtlichen Voraussetzungen dafür schafft.

Die Genossenschaft 2013

«Lägern Wohnen» besitzt Siedlungen in: Baden, Büblikon, Ehrendingen, Kirchdorf, Neuenhof und Wettingen.

Anzahl Wohnungen 885
Mietzinseinnahmen 12 403 700
Personalaufwand 963 500
Betrieb und Unterhalt 2 970 000
Abschreibungen 2 228 000
Rückstellungen 3 380 000
Aktiven/Passiven 128 829 000
davon:
• Immobilien 122 523 000
• Hypotheken 106 508 000
• Eigenkapital 4 993 000
Versicherungswert 235 672 000

Dies soll mit der Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der Stadt Baden geschehen. Momentan laufen das Mitwirkungs- und das Auflageverfahren für die entsprechenden Regelungen.

«Es ist unser Ziel, dass sie noch dieses Jahr in Kraft treten», sagt Jarl Olesen, Leiter Planung und Bau der Stadt Baden. Ob dieses Ziel erreicht werden kann, hängt aber von den Einwendungsverfahren zur BNO-Revision ab.

7,75 Millionen Franken will «Lägern Wohnen» an der Gartenstrasse investieren. Geplant ist ein Haus mit 19 Wohnungen auf vier Etagen und im Attikageschoss.

Mit dem Verzicht auf ein Parkgeschoss kann die Genossenschaft rund 1 Million Franken einsparen. «Die Genossenschaft will preisgünstigen Wohnraum anbieten», betont Genossenschaftspräsident Patrick Bürgi.

Das von der Badener Rolf Meier Martin Leder Architekten AG erstellte Projekt hatte die Genossenschaft in einem Wettbewerb auserkoren.

Nun müssen die Genossenschafterinnen und Genossenschafter an der Generalversammlung neben anderen Geschäften dem Vorhaben zustimmen und den Baukredit bewilligen.

Kommt es zu keinen Verzögerungen, möchte «Lägern wohnen» im Frühjahr 2015 mit den Bauarbeiten beginnen. Frühestens Ende 2016 sollten die Wohnungen bezugsbereit sein.

Bereits bezogen sind die 35 Wohnungen in der Siedlung Allmendstrasse in Baden. Dort hatte die Genossenschaft die Altbauten abgebrochen und durch die Neubauten ersetzt. Der Investitionskredit kann mit 17,5 Millionen Franken abgerechnet werden.

«Lägern wohnen» ist mit einem Bestand von 885 Wohnungen die grösste Wohnbaugenossenschaft in der Region (siehe Box).

In ihren Siedlungen wohnen rund 2500 Personen. Seit Jahren ist sie daran, ihren Wohnungsbestand zu sanieren oder zu ersetzen. Bereits saniert ist die Siedlung Stockmattstrasse in Baden.

Das grösste anstehende Vorhaben ist der Ersatz der 127 Wohnungen umfassenden Siedlung Klosterbrühl in Wettingen. Sie wurde kurz nach der 1946 erfolgten Gründung der Genossenschaft erstellt.