Hochwasserschutz

Wohlenschwil bekommt einen Stausee

Die Idylle täuscht: 2016 verursachte der Laubisbach enorme Schäden.

Die Idylle täuscht: 2016 verursachte der Laubisbach enorme Schäden.

Die Gemeinde will am Laubisbach Massnahmen für den Hochwasserschutz treffen, damit sich ein Ereignis wie 2016 nicht wiederholt.

In einem heissen Sommer würden sich die Kinder bestimmt über einen Stausee oberhalb von Wohlenschwil freuen. Was lustig klingt, hat einen sehr ernsten Hintergrund: Der Laubisbach in Wohlenschwil ist ein wunderschönes, kleines Bächlein, das zu einer Wanderung zur Quelle in Hägglingen oder zu einem Spaziergang mit dem Hund einlädt. Doch im Sommer 2016 wuchsen der Laubisbach und der Höhlebach rasend schnell zu tosenden Gewässern an, die das Umland, Keller, Häuser und auch die Kantonstrasse massiv überfluteten. Seitdem ist die Gemeinde dran, den Hochwasserschutz zu verbessern.

Rückhaltebecken ausserhalb der Bauzone

Bei den Abklärungen und der Analyse der bestehenden Situation zeigte sich, dass die Abflusskapazität im Dorf erhöht werden muss. Es stellte sich ebenfalls heraus, dass es nicht reicht, nur die Steilstrecke im Dorf zu sanieren. Es braucht zusätzlich ein Rückhaltebecken ausserhalb der Bauzone oberhalb Wohlenschwils im Gebiet Bergmatten. Doch alleine schon den Standort für dieses Rückhaltebecken zu finden, war nicht einfach: Zum einen gilt es, Fragen des Gewässerschutzes zu berücksichtigen, zudem müssen für den Bau des 4800 Kubikmeter fassenden Beckens knapp 400 Quadratmeter Wald gerodet werden. Für diese Fläche erfolgt in unmittelbarer Nähe eine Ersatzaufforstung. Zudem sind ökologische Ersatzmassnahmen vorgesehen.

Ursprünglich war geplant, den Erddamm für das Rückhaltebecken bereits im Sommer 2020 zu erstellen. Dieser natürliche Damm soll dafür sorgen, dass nur so viel Wasser im Dorf ankommt, wie das Bachbett zu schlucken vermag. Deshalb entschied man sich auch, das Rückhaltebecken und die Sanierung der Steilstrecke in zwei Projekte zu unterteilen. Denn die Landbesitzer entlang der Steilstrecke im Dorf parallel zur Kantonsstrasse müssen jeweils einige Quadratmeter dem Kanton abtreten. Zudem gibt es während der Bauphase weiteren Platzbedarf für die nötigen Maschinen und Geräte. Es geht hier nicht nur um die abzutretende Fläche, sondern auch um den Erhalt von bereits bestehenden Bäumen. Dieses Landerwerbsverfahren ist zweistufig und deshalb ziemlich langwierig.

Der ursprüngliche Zeitplan ist längst Vergangenheit. «Wenn alles glatt läuft, können wir im Mai 2022 beginnen», erklären die Vertreter des Kantons sowie des Planungsbüros. Doch eigentlich drängt die Zeit. Natürlich hoffen alle Beteiligten, dass es kein weiteres Hochwasser gibt. Denn bei einem weiteren Hochwasser würde es mit den Wasserschäden deutlich komplizierter als beim ersten Mal, da in der Zwischenzeit keine baulichen Massnahmen getroffen wurden und die Versicherungen entsprechende Vorbehalte machen würden. Und die Schäden beim ersten Hochwasser waren enorm, alleine an der untersten Liegenschaft entlang der Steilstrecke entstand beispielsweise ein Sachschaden von 250000 Franken.

Das Retentionsbecken wurde mit 900000 Franken veranschlagt, die Bauausführungen an der Steilstrecke belaufen sich auf 625000 Franken. Zusammen mit den Vorabklärungen und den Studien belaufen sich die gesamten Kosten auf 1,675 Millionen Franken. Davon übernimmt Wohlenschwil 603000 Franken. Den Rest teilen sich Bund, Kanton und Aargauische Gebäudeversicherung auf. Kosten für Bauten, bei denen alle hoffen, dass sie nie «benötigt» werden, aber die sich beim nächsten Hochwasser alleweil lohnen. Die Projektpläne, der Landerwerbsplan und die Landerwerbstabelle liegen noch bis zum 3. November auf.

Es bleibt nur zu wünschen, dass bis zur Umsetzung der baulichen Massnahmen in und oberhalb Wohlenschwils der Laubisbach weiterhin nur zum gemütlichen Spazieren einlädt und sich nicht wieder wie im Juni 2016 in ein reissendes Gewässer verwandelt.

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