In der «Schweiz am Wochenende» vom 2. März 2019 rätseln Forscher und Fischer über den Verbleib der eingesetzten Jungfische in der Limmat. Forellen und Aeschen werden kaum mehr gefangen.

Auch mich, den ehemaligen Chronengässler, bewegt diese Frage seit Jahren: Wo sind sie geblieben? Es gibt noch andere Spezies, die kaum mehr
gesichtet werden, und kein Hahn kräht danach.

Da sind zum Beispiel die Fischer an der Promenade in Baden. Lange bevor die Sommerbeiz beim Tränenbrünneli installiert wurde, haben sie sich verflüchtigt. Es wird wohl die mangelnde Tranksame oder der fehlende Käsenachschub für den Fischköder gewesen sein, der sie vertrieben hat.

Auch der Wasserstand der Limmat hat sich über Jahre kaum verändert. Es gab doch nichts Beruhigenderes, als stundenlang dem Fischer zuzusehen, wie er Käse oder Würmli badete.

Wie er mit geduldigem Drehen viertelstündlich die Angel einzog, den Köder wechselte, um darauf mit elegantem Schwung seine Lauer auf den Fisch fortsetzte. Hatte er endlich etwas gefangen, so waren es weder Forellen noch Aeschen.

Weissfische aller Art landeten meist im bereitgestellten Kübel. Ob sie beim Fischer zu Hause über die Bratpfanne auf den Tisch kamen, war oft fraglich.

Ich kannte bei den «Bräusivögeln» den Sohn eines Fischers, der nur schon bei der Erwähnung eines solchen Schuppentieres auf der Speisekarte in Eile das Weite suchte.

Auch auf der Terrasse beim Landvogteischloss wurde seit Jahren kein Würmlibader mehr gesichtet. Von dort aus konnte man aber stets einen Schwarm kreischender Möwen beobachten.

Unaufhörlich liessen die Vögel sich ins Wasser fallen, kopfüber in den Wellen nach Futter suchend, um dann auf dem Giebel der Holzbrücke, in wohlabgemessenen Abständen die nächste Flugrunde abzuwarten.

Abends verschwand die ganze weissgeflüggte Schar. Wir rätselten lange über deren Verbleib, bis wir herausfanden, dass sie ihre Nachtruhe aus Sicherheitsgründen auf dem Wettinger-Stausee oder sogar auf dem Zürichsee verbrachten. Doch wo sind sie nun geblieben? Hat sich ihre Zahl so vermindert, dass sie in Baden nicht mehr auffallen?

Meine persönliche Beobachtung zeigt einen anderen Grund. Das Limmat-Wasser ist zu sauber! Streckten wir einst einen Arm ins Wasser, so konnten wir die Hand darunter nicht mehr erkennen. Auch ohne starke Regenfälle war das Flusswasser trübe, und die algenüberzogenen Steine waren kaum zu erkennen.

Dank den durchgezogenen Abwasserkanälen und den angeschlossenen Reinigungsanlagen fehlt den Fischen und Möwen heute die Nahrungsgrundlage. Die Kronengassbuben könnten jetzt ungefährdet in der Limmat schwimmen. Aber auch diese gibt es nicht mehr. Wo sind sie geblieben?