Viele junge Sportler und Sportlerinnen träumen von einer Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Im Rampenlicht stehen, seine Nation vertreten und sich mit den Besten der Welt messen. Für viele bleibt es beim grossen Traum. Für die Wohlenschwilerin Jessica Lang geht er in rund einem Monat in Erfüllung. Sie wird an der Rhönrad-WM im amerikanischen Cincinnati teilnehmen.

Rhönrad ist eine Randsportart. 1926 feierte die Sportart in Deutschland ihre Geburtsstunde. In der Schweiz bieten immer mehr Schulen Rhönrad als Schulsport an.

Jessica Lang am Rhönrad

Jessica Lang am Rhönrad

Die Qualifikation für die letzte WM verpasste Lang nur knapp. Die 24-Jährige war zwar im Nati-Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Auch in diesem Jahr musste die gebürtige Badenerin lange zittern. Drei Monate vor den entscheidenden Schweizer Meisterschaften brach sich Lang im Training den Fuss. «Ich musste acht Wochen pausieren. In der ersten Woche war es schwierig, die Verletzung zu akzeptieren», sagt sie.

Nach dem ersten Frust hat sie den Schlag weggesteckt und den Blick nach vorne gerichtet. Akribisch ging sie täglich den Ablauf ihrer Vorführung im Kopf durch und bereitet sich mental auf den Wettbewerb vor.

Mit nur vier Trainingseinheiten reiste Lang im April an die Schweizer Meisterschaften. «Ich konnte eine gute Leistung abrufen», sagt sie stolz. Als Fünftplatzierte sicherte sich die Turnerin vom STV Untersiggenthal den letzten Platz im WM-Kader. «Während der Verkündung bin ich vor Freude in Tränen ausgebrochen», sagt sie.

Neben ihrer grossen Leidenschaft absolviert Lang eine Ausbildung als Rettungssanitäterin. Für sie ist die alltägliche Arbeit ein wichtiger Ausgleich. Ihr Arbeitgeber hat Verständnis für ihr zeitintensives Hobby. So muss Lang auf fast keine Trainingseinheit verzichten.

Mutter kommt mit Kuhglocken

An die WM nach Cincinnati muss sie nicht alleine reisen. Neben ihren Nati-Kolleginnen wird Lang auch von ihren Eltern und Kollegen begleitet. Ihre Mutter wird sie sogar mit Kuhglocken unterstützen.

Die Reise und Teilnahme am grössten Rhönrad-Wettkampf der Welt ist für die junge Aargauerin aber keineswegs gratis. 500 Franken übernimmt der Schweizerische Turnverband. Die restlichen 2500 Franken muss Lang selber berappen. Doch auch finanziell erhält sie Unterstützung von ihrem Umfeld. Lang erzählt stolz: «30 Freunde haben mir kürzlich eine wunderschöne Karte geschrieben und 1000 Franken gespendet.»

In Cincinnati will Lang ihrem Umfeld mit einer neuen persönlichen Bestleistung etwas zurückgeben. Sie will sich aber nicht auf eine bestimmte Platzierung festlegen: «Ich werde einfach mein Bestes geben und schauen, was dabei rauskommt.»