Das Projekt Limmattalbahn hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Gestern wurde bekannt, dass die BDWM Transport AG mit Sitz in Bremgarten als Betreiberin der Stadtbahn ausgewählt wurde. In einer gemeinsamen Medienmitteilung schreiben die Kantone Zürich und Aargau sowie das Bundesamt für Verkehr (BAV), dass die Offerte in finanzieller und qualitativer Hinsicht überzeugt habe. Das Unternehmen betreibt im Bezirk Dietikon bereits die Bremgarten-Dietikon-Bahn sowie die acht Linien der Limmatbus AG. Für den Betrieb der Limmattalbahn hatten sich auch die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) und die Sihltal Zürich Üetliberg Bahn (SZU AG) beworben.

In der Mitteilung heisst es weiter, dass alle Bewerber aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung für einen zuverlässigen Betrieb der Stadtbahn geeignet gewesen wären. Wichtig sei den Bestellern gewesen, dass die Arbeitsbedingungen der Branche in der Region berücksichtigt werden. «Dies wurde durch die Einhaltung von Gesamt- und Firmenarbeitsverträgen gewährleistet.» Was den Ausschlag zugunsten der BDWM (Bremgarten-Dietikon-Wohlen-Meisterschwanden) Transport AG gegeben hat, bleibt aber geheim. Wie Stefan Kaufmann, Mediensprecher des vonseiten des Kantons Zürich mit dem Auswahlverfahren betrauten ZVV, auf Anfrage sagt, könne man zu den Gründen für die Wahl keine genaueren Angaben machen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Die Redaktoren der Limmattalerzeitung sind die künftige Strecke schone einmal abgefahren, respektive abgelaufen.

Voraussichtlich ab 2022 wird die Limmattalbahn, ein Gemeinschaftsprojekt der Kantone Zürich und Aargau, zwischen den Bahnhöfen Zürich Altstetten und Killwangen-Spreitenbach auf einer Strecke von 13,4 Kilometern an insgesamt 27 Haltestellen verkehren. Die nötigen Kredite in der Höhe von gesamthaft 755 Millionen Franken wurden im vergangenen Jahr vom Aargauer Grossen Rat und vom Zürcher Stimmvolk gesprochen.

Mitbestimmung bei Rollmaterial

Direktor der BDWM Transport AG, Severin Rangosch, erfuhr erst am Donnerstagabend vom Entscheid der Kantone und des BAV. Warum sein Unternehmen den Zuschlag erhielt, wurde ihm noch nicht im Detail kommuniziert. «Wir warten nun den begründeten Entscheid zum Offertenverfahren ab. Ich denke aber, wir hatten ein attraktives Gesamtpaket.» Von Beginn weg sei offen gewesen, wer das Rennen machen würde. «Dass wir uns aber gegen eine so starke Konkurrenz durchsetzen konnten, freut uns natürlich.»

In ihrer Mitteilung schreiben die Kantone und das BAV, dass der erkorene Betreiber der Bahn im Vorfeld zur Inbetriebnahme bei wichtigen Entscheidungen einbezogen werde. ZVV-Sprecher Kaufmann präzisiert: «Eines dieser Themen wird sicher die Rollmaterialbeschaffung sein. Dass der Betreiber bei diesem Auswahlverfahren der voraussichtlich acht Zweirichtungsfahrzeuge dabei ist, ist sehr wichtig.» In einem nächsten Schritt würden aber erst die in der Offerte enthaltenen Bedingungen vertraglich festgehalten.

Bis sich die BDWM Transport AG jedoch an die Arbeit machen kann, muss noch die Einsprachefrist abgewartet werden. Die unterlegenen Anbieter haben nämlich noch die Möglichkeit, Rechtsmittel zu ergreifen. Ob diese davon Gebrauch machen werden, ist derzeit noch schwierig abzuschätzen. Andreas Uhl, Sprecher der unterlegenen VBZ, sagt auf Anfrage, dass man ebenfalls erst kürzlich über den Entscheid unterrichtet wurde und nun das Gespräch mit den kantonalen Stellen suchen werde. «Wir wollen wissen, in welchen Bereichen unsere Offerte besser hätte sein können», sagt er. Ob die VBZ die Vergabe anfechten werden, weiss Uhl noch nicht. «Um dies zu entscheiden, ist es noch zu früh». Auch Armin Hehli, Direktor der SZU AG, wartet erst das Eintreffen des detaillierten Berichtes ab, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

BDWM wird nun personell wachsen

Es ist vorgesehen, dass die BDWM Transport AG den Betrieb der Limmattalbahn voraussichtlich ab 2022 für die ersten zehn Jahre übernimmt. Dazu benötigt das Unternehmen jedoch eine Personenbeförderungskonzession des Bundes. «Dieses Gesuch kann frühestens zehn Monate vor Aufnahme des Betriebs eingereicht werden», heisst es in der gestrigen Mitteilung. Dass dies für die BDWM Transport AG noch zum Stolperstein werden könnte, ist gemäss Rangosch nicht zu erwarten: «Wir sind etablierte öV-Anbieter in der Region und bringen über 100 Jahre Erfahrung mit. Solche Konzessionsverfahren sind ein Routineprozess», sagt er.

Für die BDWM Transport AG bedeutet der gestrige Entscheid in erster Linie ein grosses Wachstum: «Die Strecke der Limmattalbahn ist in etwa doppelt so lange wie jene der BDWM-Bahn», sagt er. Personell werde das Unternehmen also sicherlich wachsen. Auch können diesbezüglich Synergien genutzt werden. «Die ersten Planungsschritte werden nun mit dem vorhandenen Personal der Direktion gemacht», so Rangosch. Wohl werde in absehbarer Zeit ein Projektleiter, der sich der Entwicklung der Limmattalbahn widmet, einsetzen werden.