Baden

«Wir brauchen mehr Publikum» – die Rechnung des Wochenmarkts geht bis jetzt nicht auf

Der Badener Wochenmarkt wurde auf die neue Cordulapassage erweitert – doch oft herrscht dort gähnende Leere.

Der Badener Wochenmarkt wurde auf die neue Cordulapassage erweitert – doch oft herrscht dort gähnende Leere.

Die Stände des Badener Wochenmarkts in der Cordulapassage laufen schlecht – Gespräche mit Standbetreibern.

Es brummt jeweils am Samstag auf dem Badener Wochenmarkt. In der Weiten Gasse und Badstrasse tummeln sich kauffreudige Menschen vor den Gemüse-, Blumen- und Delikatess-Ständen. In der Cordulapassage gibt es seit 2019 eine Fortsetzung mit weiteren Marktfahrerinnen und Marktfahrern – aber dort sieht die Lage anders aus. Kaum Passanten – gähnende Leere. Und zwar nicht erst seit Corona.

Die Marktverantwortliche Erika Albert von der Badener Gewerbepolizei: «Unsere Idee war, den Wochenmarkt bis zur Cordulapassage durchzuziehen und damit ein Bindeglied in die Oberstadt zu schaffen. Davon würden auch die Geschäfte in der neuen Unterführung profitieren.»

«Die Leute wissen nicht, dass es hier Stände gibt»

Bis jetzt geht die Rechnung nicht auf. «Es läuft viel zu wenig. Wir brauchen mehr Publikum», ist sich Albert im Klaren. Trotzdem sieht sie am neuen Standort des Wochenmarktes auch Vorteile. «Er ist gedeckt bei Regen und im Sommer angenehm kühl.» Man habe zudem extra Anbieter mit viel Stehvermögen und einem speziellen Angebot ausgesucht.

Eine davon ist Doris Panagiotakis aus Würenlos. Sie verkauft selbst gemachtes Olivenöl aus ihrer griechischen Heimat und ganz spezielle Konfitüren. «Wir haben Gott sei dank seit langem eine gute Stammkundschaft», meint sie, «aber es dürfte wesentlich mehr laufen als jetzt.» Panagiotakis ist überzeugt: «Die Leute wissen immer noch nicht, dass es auch in der Cordulapassage Marktstände gibt.»

Auch die getrockneten Früchte des Persers Safar Ghorbani finden nicht den gewünschten Absatz. Verkäufer Reza: «Es läuft schlecht. Ich habe bis jetzt erst ein paar Datteln verkauft.» Standmiete muss am neuen Ort bis jetzt keine bezahlt werden.

Aufgabe nur «schweren Herzens»

«Wenn es besser läuft, wären 120 Franken pro Jahr vorgesehen», bekundet Albert. Ein eher symbolischer Beitrag. Trotzdem würde die mobile Floristin Solange Santoleri aus Luzern irgendwann aufgeben, wenn ihre nach einer alten japanischen Technik bepflanzten Mooskugeln keine Käuferschaft finden: «Sollte sich die Situation hier nicht ändern, macht es keinen Sinn mehr, zu bleiben.»

Am besten läuft der Stand von Nathalie Müller, die mit ihrem Mann einen Bauernhof in Oberwenigen betreibt. Ihre 70 verschiedenen Bio-Gemüsesorten sind begehrt. «Wir sind seit dem Juni 2019 in der Cordulapassage. Das spricht sich langsam herum. Aber es hat kaum Laufkundschaft. Und die findet ihren Weg bisher leider kaum hierher», konstatiert Müller.

Was, wenn die Stände in der Unterführung auch zukünftig nicht laufen? «Dann würde ich schweren Herzens aufgeben», gesteht Albert, «denn alles steht und fällt mit den Marktfahrerinnen und Marktfahrern, die vor Ort sind. Wenn sie weggehen, rekrutiere ich keine neuen mehr.»

Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Seit dem 5. September bereichert ein fünfter Stand mit Honig aus Sulz das Angebot. Albert ist immer noch überzeugt, dass die Erweiterung des Wochenmarkts in der Cordulapassage bald besser frequentiert wird. «Es braucht einfach Geduld und Durchhaltevermögen», sagt sie.

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