«Im Gemeinderat sind zwei Sitze frei, die auf dem überparteilichen Plakat durch die beiden Stühle symbolisiert werden.» Mit diesem Satz begrüsste Marco Kaufmann vom Forum 5430 rund 100 Personen zur Podiumsdiskussion im Wettinger Rathaussaal. Auf dem Podium sassen die sechs Personen, die in den Gemeinderat gewählt werden wollen. «Für viele sind diese Kandidatinnen und Kandidaten noch etwas abstrakt, sie sollen heute Abend etwas Farbe bekommen.»

Moderiert wurde der Anlass von az-Autor Hans Fahrländer. «Ihr seid die Angreifer, also hoffe ich auf eine lebendige Diskussion», sagte er eingangs. Es stünden nicht nur die beiden durch die Rücktritte von Heiner Studer (EVP) und Felix Feiner (SP) frei werdenden Sitze zur Diskussion, sondern: «Es geht um alle sieben Sitze.»

SP und EVP wollen Sitze behalten

«Ist ihre Kandidatur auch ein Angriff auf Gemeinderat Daniel Huser, der wie sie aus der Baubranche ist», fragte Fahrländer Baumann (SVP). Dieser verneinte: «Ich sehe keine Gefahr, dass ich Huser verdränge.» Die SVP strebt einen zweiten Sitz im Gemeinderat an. Ihren zweiten Sitz behalten will die SP mit Maibach. Suter, die den Sitz von Studer halten soll, sieht sich nicht ausschliesslich auf dessen Linie: «In Umweltfragen sehe ich mich eher links, bei der Asylfrage eher rechts.» Er achte nicht auf das rechts-links Raster, sagte Merkli.

Scheier sieht ihre Erfahrung im Grossen Rat als Argument für die Wahl. Auf die Frage «wer hat sie portiert, wo stehen sie», antwortete Rey: «Ich schaue nach vorne, ich bin parteilos, Freunde unterstützen mich», ohne konkret zu werden. Dank dem kantonalen «Gesetz über die politischen Rechte» dürfen die Wettingerinnen und Wettinger in der Gemeindekanzlei die Liste mit den Unterschriften ansehen, mit der Rey für die Gemeinderatskandidatur angemeldet wurde.

Für die Zukunft investieren

Das bewegende Thema waren dann die Finanzen. Baumann sagte, dass in den letzten Jahren vernünftig investiert worden sei. Maibach betonte: «Investieren heisst Mehrwert schaffen.» Wettingen sei lange nur verwaltet worden: «Jetzt wird wieder gestaltet.» Er verwies auf die Broschüre mit den wichtigen Projekten und Absichten des Gemeinderates, wie beispielsweise die Neugestaltung der Landstrasse. Wichtig sei, dass der Substanzerhalt fortgeführt werde. Weiter verwies er auf den Investitionsstau, im Tägi, bei den Schulen und auf der Landstrasse. Für Suter ist die frühere geringe Investition in den Strassenunterhalt ein Grund für die angespannte Finanzlage. Scheier betrachtet die Wettinger Finanzen als sehr stabil.

Rey ist der Ansicht, Wettingen haben einen zu geringen Stellenwert. Dem widersprach Suter: «Wettingen geniesst Ansehen.» Merkli ergänzte, dass Wettingen einen anderen Stellenwert als Baden habe. Maibach bestätigte: «Wir haben einen sehr guten Ruf als Wohnort.» Er forderte, dass das Standortmarketing Identität für die Wirtschaft schaffen müsse. Mögliche Firmenstandorte seien die Areale Bahnhof und Tägerhard. «Dazu muss es perfekt erschlossen werden», sagte Baumann.»

Ohne Fusionen wachsen

Eine weitere Diskussionsrunde war der Grösse Wettingens gewidmet. Der Gemeinderat hat das Ziel, die Gemeinde um rund 5000 Einwohner zu vergrössern. Wer das wolle, müsse auch bereit sein, die Schule auszubauen, sagte Suter. Baumann will Wohnraum mit innerer Verdichtung schaffen. Merkli fragte sich: «Welche Leute wollen wir anziehen?» Regeln könne die Gemeinde dies nur über die Bau- und Nutzungsordnung. Wachstum durch Fusionen lehnten alle Kandidaten ab, sie votierten für Kooperationen mit den Nachbarn.

Die Kandidaten

Bisherige: Markus Dieth (CVP), Antoinette Eckert (FDP), Daniel Huser (SVP), Yvonne Feri (SP), Roland Kuster (CVP).

Neue: Markus Maibach (SP), Helen Suter (EVP), Jürg Baumann (SVP), Ruth Jo Scheier (GLP), Michael Merkli (BDP), Philippe Rey (parteilos). (DM)