Letzten November war Köbi (alle Namen geändert) in Baden von Einzelrichter Daniel Peyer wegen Beschimpfungen und Verschicken eines Sex-Videos zu 2500 Franken Geldstrafe bedingt und 500 Franken Busse verurteilt worden: Ein gutes nachbarschaftliches Einvernehmen war – aus nicht näher bekannten Gründen – zu einer erbitterten Feindschaft geworden. Nun sass Köbi wieder vor dem Richter – diesmal als Kläger. Beschuldigt der Tätlichkeit, Beschimpfung und Drohung war Köbis Nachbar Guschti.

Beide Mannsbilder sind einiges über 60 Jahre alt, aber von Altersweisheit ist weit und breit keine Spur zu sehen oder zu hören: Was Muhammad Ali und George Foreman 1974 bei ihrem «Rumble in the Jungle» über acht Runden mit ihren Fäusten austrugen, das tun Köbi und Guschti seit Monaten mit Verbalinjurien und körperlichen Attacken. Aktuell wurden vor Richter Daniel Peyer feindnachbarlichen Szenen verhandelt, die sich im November 2017 zugetragen haben sollen. Da IV-Rentner Guschti – schlohweiss und bestens erholt zurück aus seiner üblichen Überwinterung in Spanien – lediglich eingestand, seine Kontrahenten mit «blödi Sieche» tituliert zu haben und sämtliche anderen Vorwürfe meilenweit von sich wies, musste Conny in den Zeugenstand.

Guschti warf Stein nach Köbi

Conny ist Köbis Ex-Freundin, wohnt im selben Haus und ist längst ins Kriegsgetümmel involviert. An besagtem Samstag im November 2017 habe sie mittags eine lautstarke «Chiflete» zwischen Köbi und Guschti mitbekommen: «Dann sah ich, wie Guschti vom Küchenfenster aus einen Stein nach Köbi warf, der diesen am Kopf traf.» «Nicht am Kopf», korrigierte Köbi sie, «am Schulterblatt». Jedenfalls, so Conny, habe sie den Stein fliegen sehen. Guschti lachte kurz: «Ich war am Kochen, hatte das Fenster offen, weil ich keinen Dampfabzug habe. Woher sollte ich einen Stein haben, vielleicht von einer Sammlung auf dem Küchentisch?», bemerkte er höhnisch und fügte an, «überdies ist das Küchenfenster so schmal, dass so ein Wurf gar nicht möglich wäre.»

Am selben Samstag sei sie, so Conny weiter, gegen 20 Uhr dem Guschti begegnet, als dieser auf dem Weg zur Kellertreppe war. Er habe, sagte dieser vor Gericht, Ausstechförmli holen wollen. «Abends um 20 Uhr?», wunderte sich der Richter. «Ich hatte den ganzen Tag gebacken und nun war noch ein Teig ausgewallt». Conny aber will keine Förmli gesehen haben: «Er hatte eine Art Machete in der Hand und ‹i stich di abe› gerufen». «Es war eine Taschenlampe. Die Polizei hat bei mir ja auch keine Machete oder so gefunden», konterte Guschti. Köbi war Conny zu Hilfe geeilt. «Da ist Guschti kurz in seine Wohnung gegangen und dann mit so einem Hackebeilchen in der Hand und den Worten ‹ich schloh der de Chopf ab› auf mich zugekommen.» «Das ist alles erstunken und erlogen», warf Guschti sauer ein. Tatsache ist, dass die Polizei in seiner Küche im Messerblock ein Hackebeilchen fand.

Ungefragt musste Conny noch loswerden, dass Guschti am Stammtisch herumerzähle, sie sei die «Dorfmatratze». «Das ist nicht gerade angenehm.» Köbi seinerseits hielt – ebenfalls ungefragt – fest, dass nicht nur er, sondern auch der Guschti schon mal im Knast gesessen habe. Laut Strafbefehl sollte Guschti zu 2500 Franken Geldstrafe unbedingt und 300 Franken Busse verurteilt werden. Angesichts der von Gift und Galle geschwängerten Luft mit Explosionsgefahr im oder vor dem Verhandlungsraum entschied Richter Peyer, dass das Urteil schriftlich zugestellt wird.