Kino Royal
Wie aus dem Parkplatz-Thriller ein Happy-End wurde

Das Kino Royal ist fertig umgebaut. Wo früher Filme über die Leinwand flimmerten, öffnet ab dem kommenden Wochenende ein Kulturlokal der besonderen Art seine Türen.

Erna Lang-JOnsdottir
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Im Schlussspurt: Tine Mudri, Andi Hofmann, Albert Kuhn und Marc Angst. elj

Im Schlussspurt: Tine Mudri, Andi Hofmann, Albert Kuhn und Marc Angst. elj

Zwei feuerrote Tonnen stehen im schwarz-weissen Eingangsbereich des Kino Royal. Alfred Hitchcock und Greta Garbo auf der Tapete erinnern an Filmklassiker. Im knapp hundertjährigen Kinosaal brennt schwaches Licht. An der linken Wand flimmert die Videojukebox.

Kino Royal

Am 1. Juni 1913 eröffnete das erste Kino der Stadt Baden unter dem Namen Radium seine Tore. Doch der Obrigkeit des katholischen Städtchens war die verrufene neue Unterhaltung ein Dorn im Auge, weshalb der Stadtrat ein generelles Kinoverbot erliess.

Es ist einer Frau namens Madame Marie Antoine aus Paris-Clichy zu verdanken, dass der Aargauer Regierungsrat das Kinoverbot aufhob. Das Kino Radium mit seinen 400 Sitzplätzen wurde in Royal umbenannt, als Eugen Sterk, Neffe des Stadtzürcher Kinopioniers Jean Speck, den Saal übernahm. Das Kino blieb bis zur Eröffnung des sanierten und umgebauten Kino Sterk im Jahre 2008
in Betrieb. In den letzten Jahren diente es als Studiokino mit rund 160 Sitzplätzen. Das Royal konnte bis zum Verkauf an die F. Aeschbach AG im Februar 2010 für Anlässe gemietet werden. Es wurde unter anderem für Kulturfestivals genutzt - etwa für das Animationsfilmfestival Fantoche. Ende November 2010 entdeckte ein Mitglied des heutigen Vereins «Mon Royal» im Internet das Abrissgesuch - es sollte 13 Parkplätzen weichen. Die auf Facebook gegründete Gruppe «Kino Royal - Unser liebstes Kino lassen wir uns nicht nehmen» zählte innert Wochenfrist um die 200 Mitglieder.

Ein Teil dieser Gruppe formierte sich zur IG Royal. Am 22. Februar wurde der Verein «Kulturbetrieb Royal» gegründet, der den Erhalt, die Entwicklung und den Betrieb einer nicht gewinnorientierten Kulturstätte im ehemaligen Kino Royal bezweckt. (ELJ)

Tine Mudri, Andi Hofmann, Albert Kuhn und Marc Angst vom Verein Kulturbetrieb Mon Royal sind in den letzten Vorbereitungen für das Eröffnungswochenende des neuen Badener Kulturhauses. Ein Kulturhaus, das sich durch sein Interieur und mit seinem Programm von anderen Lokalen abhebt.

Auf der Suche nach Nischen

Der Kulturbetrieb Royal eröffnet am Freitag mit seiner Opening Gala und am Samstag mit seinem Royal Halloween eine multimediale Kulturbühne. «Wir wollen nichts machen, was es in Baden bereits gibt», betont Andi Hofmann, der selber Filmemacher ist. Und es gebe bereits ein gutes Kulturangebot in der Stadt. «Deshalb haben wir nach Nischen gesucht», fügt er hinzu.

Es gebe viele Schweizer Filmemacher, deren Produktionen es nicht einmal annähernd auf die Leinwände der Kinos schaffen. Die Lokalität mit der grossen Leinwand rufe förmlich danach, einen Treffpunkt zu schaffen, der unter anderem Platz für Trash-Movies, Lesungen, Discos und Konzerte hat. «Das Royal soll zu einem Ort der Begegnung und zu einem experimentellen Lokal werden. Das Bild steht immer im Zentrum», sagt Angst.

Dabei deutet er auf die Videojukebox, die selbst gedrehte Filmproduktionen zeigt. Wie Angst betont, wird es Anlässe für jedes Alter geben, immer mit einem passenden Rahmenprogramm. Zudem werden andere Badener Veranstalter, wie zum Beispiel Stoffwechsel mit dem Poetry-Slammer Simon Libsig, hier Anlässe organisieren.

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