Badenfahrt

Wie Albert Einstein von Baden nach Aarau und zurück wanderte

Badenfahrt 2007, Theaterplatz: Albert Einstein auf dem «Bistro de la Presse» (rechts) und Dagobert Duck (l.)

Badenfahrt 2007, Theaterplatz: Albert Einstein auf dem «Bistro de la Presse» (rechts) und Dagobert Duck (l.)

Von Baden nach Aarau und zurück: Die wechselvolle Geschichte der Einstein-Skulptur.

Es war eine bewegende Geschichte vor zehn Jahren, diejenige der legendären Skulptur des Albert Einstein. Mehr als ein Jahr nach der Badenfahrt 2007, Anfang Oktober 2008, kam es zum Happy End: Die Skulptur wurde von Aarau zurück nach Baden ins BBB-Areal der Berufsfachschule gebracht und auf dem Liftturm platziert. «Dort sitzt und sinniert Albert Einstein seither, blickt auf das Industriegebiet Baden, das frühere BBC-Areal, und begrüsst tagtäglich die Berufsschülerinnen und -schüler», erzählt Ruedi Siegrist, Rektor der Berufsschule und schmunzelt dabei.

Er war seinerzeit die treibende Kraft, die den Physiker und Nobelpreisträger nach Baden geholt hatte. Ihm und dem Hauswartteam ist es nun zu verdanken, dass Einstein dieser Tage einer Schönheits-Operation unterzogen wird. Schliesslich soll er in einstiger Pracht die Badenfahrt 2017 wenigstens aus der Distanz miterleben dürfen.

Einstein wiegt 350 Kilogramm und ist 5,6 Meter gross. Er besteht aus festem Styropor, überzogen mit Polyester. Gegen zehn Jahre würde – Wind und Wetter ausgesetzt – die Lebensdauer dauern, die mit einfacher Restaurierung verlängert werden könne, erklärt der inzwischen verstorbene Badener Festgestalter Marco Squarise, und sollte recht bekommen. Gestaltet wurde die Skulptur vom deutschen Bildhauer und Künstler Frank Schulze (Kulissengestalter der Bregenzer Festspiele).

Einstein im «Bistro de la Presse»

Die Badenfahrt 2007 machte Baden zur «Weltstadt Baden». Dazu brauchte es gebührende Persönlichkeiten wie Napoleon, Dagobert Duck sowie Albert Einstein, der zwar nicht in Baden, sondern in Aarau in den Jahren 1895/96 die Kantonsschule besucht haben soll. So entschieden sich Festgestalter Marco Squarise und die Aargauer Zeitung, deren Verleger Peter Wanner mit dem gleichnamigen Restaurant eine besondere Affinität zu Einstein hatte, den sitzenden Nobelpreisträger mit verschränkten Armen auf das «Bistro de la Presse» zu setzen. Er war auf dem Theaterplatz inmitten der Festbeizen der Publikumsliebling. Wie gerne lehnten sich Bar-Besucher im ersten Stock des Bistros neben Einstein übers Geländer und schauten dem Festtreiben zu.

Als letzte Skulptur wurde Einstein nach dem Fest dann nach Aarau transportiert, wo er auf einem Stapel Bahn-Paletten beim Restaurant und beim Radio Argovia als Zwischenlösung Gastrecht erhielt. Im Hintergrund liefen die Gespräche für eine definitive Bleibe in Aarau. Sogar grosszügige Angebote privater Interessenten wurden ausgeschlagen, denn es war klar: «Einstein gehört in Aarau an einen öffentlichen Ort.» Zum Beispiel bei der alten Kantonsschule, beim ehemaligen AVA-Gebäude, auf Behmen II oder auf das Eingangsportal des Sauerländertunnels.

Aarau zeigt Einstein kalte Schulter

Dem Stadtrat lag eine Anfrage für ein Übernahme-Angebot der Skulptur vor. Die Verhandlungen liefen. Doch zeigte die Stadtregierung nach Rücksprache mit der Kulturkommission Einstein die kalte Schulter. Zu trivial sei die Skulptur, man habe kein Interesse und sehe auch keinen Verwendungszweck. Anfang Dezember gelangte der ablehnende Entscheid zum «Bistro de la Presse»-Verantwortlichen.

Inzwischen wurde Einstein Vorzeigeort bei Stadtführungen, und mit Stolz wurde beim Kunstwerk auf die Aarauer Schulzeit des Physikers hingewiesen. Der Aarauer Stadtredaktor schrieb über Einstein: «Ich werde zwar immer wieder bewundert und täglich mehrmals fotografiert von Proletariern aus aller Welt. Die Aarauer Prominenz jedoch dreht regelmässig den Kopf auf die andere Seite, wenn sie an mir vorüber schreitet. Ich will weg», soll er kürzlich seiner Besitzerin (Badenfahrt Bistro de la Presse SA) sein Leid geklagt haben.

Eine Zwischenlösung bahnte sich dann dank einem andern Badener an. Philip Funk, Verwaltungsratspräsident des Kantonspitals Aarau, sorgte dafür, dass Einstein noch vor einem städtischen Ultimatum, ein Aufenthalts- respektive Baugesuch einzureichen, am 18. Mai 2008 auf das Portal der Notaufnahme des KSA verlegt werden konnte. Grund war also nicht der havarierte Fuss, den man ihm (Einstein) zuvor operieren musste.

Zurück nach Baden

Bei der Bistro de la Presse SA wurde klar, dass längerfristig alles auf eine Repatriierung Einsteins – von Aarau zurück nach Baden – hinauslaufen würde. Dann meldete Ruedi Siegrist, Rektor der Berufsfachschule Baden, definitives Interesse an der Skultpur an. Kurze Zeit nach dem Handschlag wurde Einstein im Oktober 2008 nach Baden und im BBB-Areal auf den Liftturm gesetzt.

Es brauche ein Bagatell-Baugesuch, liess der damalige Bauvorsteher der Stadt verlauten, nahm dann aber die Drohung zurück. Nachdem auch der für das BBB verantwortliche Architekt mit wenig Begeisterung zur «Kunst am Bau» nickte, konnte auf Einsteins neue Bleibe angestossen werden. Über den Kaufpreis schweigen sich die Parteien nach wie vor aus. Er dürfte im niedrigen vierstelligen Bereich gelegen haben – jedenfalls nicht bei 20 000 Franken, wie in Aarau behauptet wurde.

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