Astrid Berz

Wettingerin betreibt Surfschule in Italien: «Die Touristen kommen mit Maske zu uns»

Astrid Berz (r.) und Rahel Holliger: Seit 2009 verbringen sie den Sommer in ihrer Surfschule an der italienischen Adriaküste.

Astrid Berz (r.) und Rahel Holliger: Seit 2009 verbringen sie den Sommer in ihrer Surfschule an der italienischen Adriaküste.

Astrid Berz betreibt eine Surfschule an der italienischen Adriaküste. Für die ehemalige Weltmeisterin ist es ein ungewöhnlicher Sommer.

Im Sommer in Italien, im Winter in der Schweiz. So sieht das Leben der ehemaligen Kitesurf-Weltmeisterin Astrid Berz seit einigen Jahren aus. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Rahel Holliger betreibt die Wettingerin seit 2009 eine Kite- und Windsurfschule in Vieste.

Vieste, das ist eine Gemeinde an der italienischen Adriaküste. «Dort, wo der Stiefel den Sporn hat», erklärt Berz. Das Städtchen zählt rund 14000 Einwohner, ist stark vom Tourismus geprägt, bietet Naturschutzgebiete und ist in der Szene als Windsportmekka bekannt.

In der Regel zieht es Berz und Holliger bereits im April in ihr Paradies. Ihre Schule Garganosurf hat zwei Standorte, die in Ferienanlagen integriert sind. Rund drei Kilometer voneinander entfernt liegen sie. Doch ob Berz und Holliger ihre Kite- und Windsurfschule auch in diesem Jahr öffnen würden, war lange Zeit unklar.

«Zu Beginn hielt ich die Coronapandemie für einen Hype», sagt Berz. Doch je länger es dauerte, desto unruhiger wurde die 47-Jährige. Abklärungen mit Mitarbeitenden und den Hotelanlagen mussten getroffen werden. «Noch Mitte Mai sagten uns die Hotels, dass sie nicht öffnen», sagt Berz. Noch heute seien einige der Anlagen geschlossen.

«Man merkt, dass die Leute noch Angst haben»

Dann kam die Meldung, dass zumindest eines der Hotels mit ihrer Schule öffnen würde. Ende Mai, noch bevor die Grenze offiziell öffnete, machten sich Berz und Holliger auf den Weg nach Vieste. «Weil wir ein registriertes Geschäft haben, hätten wir ohnehin jederzeit einreisen können», sagt Berz.

Aber solange die Leute in Quarantäne waren, war der Reiz des Südens nicht vorhanden. «Auch in Vieste mussten sich alle zwei Monate lang einsperren, obwohl es im Ort keine Coronafälle gibt», sagt die Weltmeisterin von 2014. Als Anfang Juni Garganosurf öffnete, meldeten die beiden Frauen auf Instagram: «Die Grenzen sind offen und es ist kein Problem, einzureisen.

In Vieste gab es noch nie einen Fall. Also einen sichereren und schöneren Ort gibt es nicht.» Viele Stammkunden rufen an und fragen, wie es vor Ort aussehe, sagt Berz, «man merkt, dass die Leute noch Angst haben».

Doch inzwischen sei das öffentliche Leben in Italien wieder erwacht und auch der zweite Standort der Kite- und Windsurfschule ist geöffnet. «Der Umgang der Süditaliener mit der Pandemie ist relativ locker», sagt Berz. «Aber die Touristen kommen mit Maske zu uns.» Auch in den Geschäften ist das Maskentragen Pflicht.

Die Surfschule hält sich an die gültigen Coronaregeln, die Anzüge werden desinfiziert, im Hotel wird Fieber gemessen. Jeder gehe mit der Gefahr anders um, sagt die Wettingerin. «Deshalb sind unsere Angestellten angewiesen, die Bedürfnisse der Kunden abzuklären und individuell darauf zu reagieren.»

Seit Juli läuft das Geschäft besser als erwartet

Im Juni lief das Geschäft schlecht. Etwa 30 Prozent der normalen Zahlen wurden erreicht. Inzwischen laufe es aber besser als erwartet. «Im Juli liegen wir bei etwa 60 bis 70 Prozent der normalen Kundschaft.» Alle Angestellten, sechs an der Zahl, haben Arbeit. Und die Vorbuchungen für die Hotelanlage im August stimmen optimistisch. «Das Management sagt, dass man etwa 30 Prozent unter dem Wert der Vorjahre liegt.»

Bis im Oktober, etwas länger als üblich, wollen die beiden Schweizerinnen in Vieste bleiben. Angst um die Zukunft ihres Geschäfts haben sie nicht. Fast mehr Kopfzerbrechen bereitet der Winter. Berz arbeitet dann jeweils als Aushilfslehrerin für Werken und Textiles Werken.

«Ich hoffe, dass der Schulbetrieb dann einigermassen normal läuft», sagt sie. «Irgendetwas findet sich immer.» Auf materiellen Luxus haben die beiden Lebenskünstlerinnen noch nie viel Wert gelegt.

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