Weinbauern

Wettinger Wein im Umbruch: Wohin mit den vielen Trauben?

Nicht alle Wettinger Weinbauern machen bei der neu gegründeten Weinstern AG mit - das stellt sie vor neue Herausforderungen.

Während die einen Weinbauern als Hauptaktionäre die Gründung der Aktiengesellschaft Weinstern und das neue Logo des Wettinger Weins feiern, gibt es andere, die nicht mit an Bord sind. Einer davon ist Hubert Egloff vom «Grafeguet». Er hätte sich gerne an der Aktiengesellschaft beteiligt und wie andere ehemalige Genossenschafter der liquidierten Weinbaugenossenschaft seine Trauben abgeliefert, sagt er. Aber: «Ich habe offenbar eine zu grosse Fläche an Reben, also zu viele Trauben», äussert sich Egloff konsterniert. Ihm sei «nebenbei» mitgeteilt worden, dass er bei der Aktiengesellschaft nicht dabei sein könne. «So fällt mir nun ein wichtiger Abnehmer der Trauben weg. Ich weiss überhaupt nicht wohin mit ihnen.»

Das Geschäft mit einheimischem Wein sei sowieso schwieriger geworden: «Der Weinbau befindet sich ganz allgemein in der Krise», so Egloff. «Ich bin nur einer von vielen, auch andere in der Region haben es schwer, ihre Trauben loszuwerden. Es harzt.» Er sei drauf und dran, einen Teil der Weinreben auf seiner zwei Hektaren grossen Fläche auszureissen. «Da hat man so viel Arbeit das ganze Jahr über und dann bringt man die Trauben nicht weg.» Deshalb beabsichtigen er und seine Geschwister, die ihm im Betrieb helfen, nächstes Jahr weniger Trauben zu produzieren und deshalb die Fläche an Weinreben drastisch zu verkleinern. So würden im Wettinger Rebberg grosse Lücken entstehen: «Ich hoffe aber, dass es eine bessere Lösung gibt.» Egloff sucht nun potenzielle Abnehmer, ohne die er einen Grossteil seiner Ernte vernichten müsste.

Der Präsident der Weinstern AG, Roland Michel, ist überrascht ob gewisser Aussagen Egloffs: «Wir haben mehrere Gespräche mit ihm geführt. Innerhalb der Aktiengesellschaft haben wir aber gewisse Anforderungen, die nicht mit seinen Vorstellungen harmoniert haben.» So müssen sich die Hauptaktionäre zu 100 Prozent der neuen Firma verpflichten. Man habe Egloff trotzdem angeboten, obwohl kein Aktionär, einen Teil seiner Trauben abzunehmen: «Dieses Angebot gilt auch heute noch», sagt er.

Michel bekräftigt, dass sich die meisten der früheren Genossenschafter sehr gerne am neuen Projekt zum Wettinger Wein beteiligt hätten, das nach vielen Jahren und Gesprächen letzte Woche in der Gründung der Weinstern AG gipfelte.

Einer, der ebenfalls nicht dabei ist, ist Christian Steimer von Steimer Weinbau. Er übernahm Anfang 2018 den Betrieb seiner Eltern und hätte ebenfalls gerne bei einem gemeinsamen Projekt der Wettinger Weinbauern mitgemacht, sagt er. Deshalb hatte er bei ersten Gesprächen vor dreieinhalb Jahren angeboten, die Kelterei zu übernehmen, also das Pressen der Trauben und deren Verarbeitung zu Wein. Den Verkauf allerdings wollte er nicht komplett übernehmen. Doch die Verantwortlichen der heutigen Aktiengesellschaft suchten eine Lösung, die von der Weinverarbeitung über die Logistik bis hin zur Vermarktung die ganze Produktionskette unter einem Dach vereint und ein Gesamtpaket bot. Dieses fand sie bei Andreas Meier & Co. in Würenlingen. Letzteres war für Christian Steimer nie eine Option: «Ich habe nicht Winzer gelernt, um nachher meinen Wein nicht selbst herstellen zu können. Zudem will ich in Wettingen produzieren.» Das bringt neue Herausforderungen mit sich: Aktuell keltert er «einige tausend Liter» seiner Trauben zwar in der Roten Trotte, die seit langem in Familienbesitz ist, den fertigen Wein aber füllt inzwischen ein mobiler Dienstleistungsbetrieb in der Trotte ab. Bis vor kurzem lief der Traubensaft unter der Strasse hindurch in den Keller von Meinrad Steimer, der diesen dann zum fertigen Wein ausbaute, also filtrierte, abfüllte und etikettierte. Kellermeister Meinrad Steimer hat nun aber seine Firma in die neue Aktiengesellschaft integriert und lässt seine Trauben neu nach Würenlingen bringen.

Eigener Keller geplant

Weiterhin so zu produzieren wie heute, sei auf Dauer nicht möglich, sagt Christian Steimer, dazu sei die Rote Trotte einfach auch zu klein. «Zudem hat es zu wenig Parkplätze und die Zufahrt ist ungünstig gelegen.» Eine neue Lösung muss her, doch die Standortsuche gestaltet sich schwierig, ist doch die Rote Trotte die einzige verbliebene Kelterei in Wettingen. Es gibt keine Alternative. Für Christian Steimer wäre deshalb ein eigener Keller ideal: «Den hätten wir gerne hier bei uns am Lindenplatz gebaut.» Aber das Gebäude, in dem sich Steimer Weinbau befindet, steht unter Ortsbildschutz, was den ganzen Bauprozess erschweren würde: «Wir müssten zweistöckig untergeschossig bauen. Auf mehreren Stöcken zu produzieren, macht aber keinen Sinn», erklärt er. Zudem sei ein Keller im Wohnquartier ungünstig, weshalb er einen solchen etwas ausserhalb der Wohnzone, aber immer noch in Wettingen, bevorzugen würde. «Diese Investition wird wohl nötig sein, auch wenn es finanziell etwas viel wird, habe ich doch den Betrieb erst vor kurzem übernommen und auch noch andere Pläne.»

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