Sexy oder sexistisch - zwei Wörter, deren Bedeutung für SP-Nationalrätin Yvonne Feri aus Wettingen bei der Werbung unterschieden werden müssen. Vor einem Monat hat sie beim Bundesrat eine Interpellation eingereicht, in der sie fragt, ob er sexistische Werbung auf Bundesebene zu verbieten gedenkt (die az Aargauer Zeitung berichtete).

Dabei geht es ihr nicht darum, keine nackte Haut oder knapp bekleidete Männer und Frauen zu zeigen: «Gegen sexy Werbung - wie es bei Frauenunterwäsche der Fall ist - habe ich nichts einzuwenden. Sexistische Werbung hingegen, die Geschlechter diskriminiert oder Unterwerfung und Ausbeutung darstellt, muss verboten werden.»

Doch wo liegt die Grenze zwischen sexy und sexistisch und wie präsent sind solche Plakate überhaupt? Die az wollte es wissen und fuhr durch das Freiamt und durch die Bezirke Baden, Brugg und Zurzach.

Feri: 5 von 10 Plakaten sexistisch

Ganz einfach war es nicht, sexistische Werbung zu finden. Dies vor allem, weil bei der Beurteilung von Werbung das subjektive Empfinden von «sexistisch» mitspielt. Also wurden alle verdächtigen Plakate fotografiert und danach Yvonne Feri zur Beurteilung vorgelegt. Das Ergebnis: Von 10 Plakaten wurden 5 von Feri als sexistisch eingestuft. Die Kriterien? «In 5 Fällen werden die Geschlechter diskriminiert; ihre Gleichwertigkeit wird infrage gestellt. Die Bilder sind zweideutig, teils lasziv und haben überhaupt nichts mit dem Produkt zu tun.»

Doch wer legt fest, welche Werbung sexistisch ist? Die Lauterkeitskommission habe Grundsätze für die Bewertung von geschlechterdiskriminierender Werbung festgelegt, erklärt Feri. Diese Grundsätze habe sie als Anlehnung in ihrer Interpellation aufgeführt. «Die Verstösse gegen die Lauterkeit in der Werbung werden aber nur auf Klage von Konsumenten geprüft» , gibt sie zu bedenken.

Keine entwürdigenden Bilder

Wo liegt die Grenze zwischen sexy und sexistisch? «Das ist die Schwierigkeit an dem ganzen Thema. Die Grenze ist schwammig und von der subjektiven Wahrnehmung abhängig.» Sie fordere stärkere Richtlinien für Werbung und ein Aufzeigen von Grenzen für sexistische Werbung. Als sexistisch erachte sie nebst den erwähnten Kriterien auch Werbung, die Männer und Frauen mit stereotypischen Eigenschaften zeige. «Eine Frau als Hausmütterchen hinzustellen, ist stereotypisch.» Weiter frage sie sich, was eine Frau von hinten mit Strapsen auf einer Autowerbung zu suchen habe oder eine Frau auf einem Spieltisch, die lasziv auf einem Delfin reitet.

Nationalrätin Yvonne Feri will sexistische Werbung verbieten.

Nationalrätin Yvonne Feri will sexistische Werbung verbieten.

Sie wünsche sich, dass die Lauterkeitskommission die Werbung genauer kontrolliere. «Für meinen Geschmack gibt es noch zu viel sexistische Werbung.» Leider seien Frauen öfters davon betroffen. Die Darstellung der Frau in der Werbung sei ein Puzzleteil in der Gleichberechtigung. «Kinder und Jugendliche können diese Bilder sehen. Wir müssen aufpassen, was ihnen vermittelt wird.» Sie wolle verhindern, dass Frauen und Männer in ein Muster gedrängt oder entwürdigend dargestellt werden.

Wie soll das Problem gelöst werden? «Das Problem könnte gelöst werden, in dem der Lauterkeitskommission klarere Kompetenzen und Kriterien für die Beurteilung von Werbung gegeben werden.» Eine andere Möglichkeit wäre für Feri eine Ombudsstelle auf Bundesebene, die sich der Kontrolle von sexistischer Werbung annimmt, ähnlich dem Preisüberwacher. So könne der Geschlechterdiskriminierung entgegengewirkt werden, «was mir ein grosses Anliegen ist». Grundlage der Interpellation an den Bundesrat seien nicht vereinzelte Plakate in der Region, sondern ein Waadtländer Parlamentsentscheid, der ein Verbot sexistischer Werbung fordere. Zudem knüpfe sie an die Arbeit der ehemaligen SP-Nationalrätin Doris Stump aus Wettingen an. Stump reichte 2006 eine Motion in gleicher Sache ein, blitzte aber ab.

Für die Gleichstellung kämpfen

«Wenn wir Frauen aufhören, uns für Frauen einzusetzen, gehen wir in der Gleichstellung rückwärts.» Die junge Frau von heute denke anders. «Die neue Generation hat den Kampf um die Gleichstellung der Frau nicht miterlebt. Heute ärgern sich Frauen lediglich über Missstände bei den Löhnen.» Dementsprechend habe sie auch Rückmeldungen erhalten: «Einige finden meine Interpellation übertrieben, andere schätzen meinen Einsatz.»

Wird Yvonne Feri als Emanze betitelt? «Das geschieht schnell, wenn man sich als Frau für Frauen einsetzt», sagt Feri und lacht. Sie sei keine Emanze und auch keine Feministin im klassischen Sinn. «Ich setze mich für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Männer und Frauen sollen das Recht haben, zu tun, was sie wollen.» Was, falls ihre Interpellation negativ beantwortet wird? «Ich wäre nicht überrascht aber enttäuscht.» Ob sie weitere Schritte auf politischer Ebene mache, «das lasse ich noch offen».