Wettingen
Weil der Hundepark nicht kommt: IG Hundehalter nimmt erneut Leinenpflicht ins Visier

Die Hoffnung auf eine eingezäunte Hundewiese war bei der IG Hundehalter Wettingen gross. Nach dem Aus macht sie nun einen ungewöhnlichen Aufruf.

Claudia Laube
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2016 verfügte Wettingen über eine Hundeleinenpflicht über das gesamte Gemeindegebiet, 2018 wurde die Bestimmung etwas gelockert. Das reicht der IG Wettingen ohne Hundepark nicht.

2016 verfügte Wettingen über eine Hundeleinenpflicht über das gesamte Gemeindegebiet, 2018 wurde die Bestimmung etwas gelockert. Das reicht der IG Wettingen ohne Hundepark nicht.

Chris Iseli

Nach längerer Planungszeit im Gebiet Chlosterschür sprang die Eigentümerin einer Wiese, die dort für einen Hundepark in Frage kam, wieder ab. Deshalb kann die Gemeinde das Bedürfnis von Wettinger Hundehalterinnen und Hundehaltern nach einer eingezäunten Wiese vorläufig nicht stillen. Das Projekt wurde auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Das will die IG Hundehalter Wettingen nicht einfach hinnehmen: «Ein Projekt ohne Termin wird in der Versenkung verschwinden. Wir brauchen einen Zeitrahmen», sagt Präsident Leonardo Curcuruto. Er würde gerne etwas unternehmen, doch seien ihm die Hände gebunden.

Lange hatten er und seine Mitstreiter darauf gehofft, dass der vor drei Jahren eingereichte Vorstoss von Mitte-Einwohnerrätin Simona Nicodet zu einem Hundepark führt. Dass das Projekt nicht zu Stande kommt, hätten sie aus der AZ erfahren. Das gipfelte in einem Facebook-Post der IG: «Während der ganzen Zeit wurden wir nie einbezogen, mussten immer nachfragen, wie der Stand ist, und wurden dabei immer vertröstet», steht da. Das sei eine sackschwache Kommunikation der Gemeinde: «Oder war es schlicht Taktik, um uns Direktbetroffene nicht zu involvieren?», so die IG rhetorisch. Es handle sich um ein «komplettes Behördenversagen gegenüber allen Hundehalterinnen und Hundehaltern und deren Hunden.» Als Schnellschuss verbiete man zuerst – mit einer flächendeckenden Einführung der Leinenpflicht – den Tieren den Freilauf und habe dann keine Lösung parat.

«Geht man so mit dem Tierrecht um? Hundehalterinnen und Hundehalter sind auch Steuerzahler und Wähler!»

Am Telefon klingt IG-Präsident Curcuruto versöhnlicher: «Ich mache der Gemeinde keinen Vorwurf. Ich weiss, dass es schwierig ist, für unser Anliegen eine geeignete Stelle zu finden. Die Abklärungen sind korrekt gelaufen und haben leider nicht zu einem Ergebnis geführt.»

Diese Fläche in der Chlosterschür an der Limmat war eine von fünf geprüften Standorten für eine Hundewiese. Die Eigentümerin zog sich kurz vor dem Mitwirkungsverfahren zurück.

Diese Fläche in der Chlosterschür an der Limmat war eine von fünf geprüften Standorten für eine Hundewiese. Die Eigentümerin zog sich kurz vor dem Mitwirkungsverfahren zurück.

Claudia Laube

Zur Erinnerung: Insgesamt fünf Standorte waren einer näheren Betrachtung unterzogen worden. Die Fläche in der Chlosterschür an der Limmat, wo auf einem Teil der Fläche rund 120 Familiengärten bewirtschaftet werden, stand kurz vor einem öffentlichen Mitwirkungsverfahren. Bis der Ortsbürgerverein als Eigentümer einen Rückzieher machte, weil dem Pächter keine Ersatzfläche zur Verfügung gestellt werden konnte.

Von 2016 bis 2018 galt Leinenpflicht über das gesamte Gemeindegebiet

Trotzdem: «Wir brauchen eine Lösung. In Wettingen gibt es 743 Hunde, die nur an wenigen Orten wirklich frei herumtoben können», so Curcuruto. Die IG wurde ins Leben gerufen, als vor fünf Jahren in Wettingen die flächendeckende Leinenpflicht eingeführt wurde. Diese hatte bei Wettinger Hundehalterinnen und Hundehaltern Empörung ausgelöst. Die IG legte mit dem Argument Einsprache ein, dass eine artgerechte Haltung nach dem Tierschutzgesetz so nicht möglich sei.

Im Juli 2018 dann eine gewisse Erleichterung: Wettingen hiess die Einsprache der IG teilweise gut und lockerte die Bestimmungen. Es wurden Leinenpflicht-Zonen ausgewiesen. Dennoch legte Curcuruto Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Er sagte damals zur AZ, dass er grundsätzlich Mühe mit flächendeckenden «Leinenzonen» habe, und appellierte an die Eigenverantwortung der Hundehalter. Doch seine Beschwerde wurde teilweise abgewiesen.

Er verfolgte das nicht weiter, weil er inzwischen sicher war, dass es bald eine Hundewiese geben würde. Doch nun ist diese in weite Ferne gerückt. Deshalb bleibe der IG nur eine Lösung, sagt Curcuruto:

«Wer eine Busse erhält, weil er oder sie sich nicht an die Leinenpflicht hält, soll sich an uns wenden.»

Die Busse könne dann mit Unterstützung der IG angefochten werden. Auch wenn es ihm nicht gefällt: «Das ist leider der einzige Weg, damit unsere Hunde wieder mehr Freiheit erhalten könnten.»

Auf Anfrage weist die Gemeinde den Vorwurf der IG zurück, nicht über den aktuellen Stand des Hundeparks informiert gewesen zu sein. Curcuruto sei im regelmässigen telefonischen Austausch mit zwei Mitarbeiterinnen gestanden und auch darüber informiert worden, dass das Geschäft am 2. September im Einwohnerrat behandelt werde. Er sei darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Ausführungen zum Vorstoss von Simona Nicodet unter den Traktanden auf der Website einsichtbar seien.

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