Widerstand

Wettingen und Neuenhof sammeln 700 Unterschriften gegen Limmattalbahn

Bewohner von Neuenhof und Wettingen wehren sich gegen geplante Linienführung und schreiben Regierungsrat Stephan Attiger offenen Brief.

Derzeit läuft der Bau der zweiten Etappe der Limmattalbahn zwischen Schlieren und Killwangen. Doch geht es nach den Plänen des Kantons Aargau, soll die Strecke dereinst von Killwangen über Neuenhof und Wettingen bis nach Baden führen. Noch gut eine Woche dauert die öffentliche Anhörung. Die Idee, die Limmattalbahn über Killwangen hinaus weiterzuführen, existiert schon länger.

Im Sommer 2018 kristallisierte sich schliesslich heraus, wo die Linie zwischen Killwangen und Baden durchführen soll – nämlich über Neuenhof und das Wettinger Tägi. Susanne Voser, damals Gemeindeammann von Neuenhof, zeigte sich angetan von den Plänen: «Die Limmattalbahn ist nicht nur für Neuenhof, sondern für das ganze Limmattal eine grosse Chance.»

Doch in der Zwischenzeit scheint der Wind gedreht zu haben. So wurden bereits Mitte November Stimmen laut, welche die Streckenführung durch Neuenhof – aber auch das Verkehrskonzept Oase (siehe unten) – scharf kritisierten.

Der Grundtenor: Die Bahn brauche zu viel Platz, teile das Dorf – entgegen den Plänen des Gemeinderates – in zwei Hälften und nicht zuletzt gebe es für das rund 500 Mio. Franken teure Teilstück schlicht keinen Bedarf. So würde die geplante Verlängerung der Limmattalbahn zwischen Killwangen und Baden 20 Haltestellen bedienen – 19 davon seien identisch mit bereits bestehenden Haltestellen, die von den RVBW bedient würden.

Erste Limmattalbahn-Testfahrt nach Schlieren:

Kritiker: «Gemeinde hat uns nicht miteinbezogen»

In den letzten Wochen hat sich dieser Widerstand noch weiter akzentuiert. So wurden in Neuenhof über 600 Unterschriften gegen die geplante Linienführung gesammelt. Federführend bei der Unterschriftensammlung sind die Neuenhofer Margrit Pfister und Toni Benz. «Wir sind der Ansicht, dass wir in Neuenhof in der Sache Limmattalbahn übergangen werden», sagt Margrit Pfister.

Sie und ihre Mitstreiter hätten erwartet, dass der Gemeinderat Neuenhof die Bevölkerung in den Entscheid miteinbezieht, in einer ordentlichen oder ausserordentlichen Gemeindeversammlung. «Der Gemeinderat hat die Pflicht, die Interessen der Gemeindebevölkerung zu vertreten, auch gegenüber dem Regierungsrat in Aarau», so Pfister.

So habe etwa die Gemeinde Würenlos die Weiterführung der Limmattalbahn über ihr Gemeindegebiet abgelehnt. «Die Weiterführung der Limmattalbahn von Killwangen über Neuenhof und Tägerhard Wettingen nach Baden kostet mit rund einer halben Milliarde Franken enorm viel. Umgekehrt dazu ist die Einbusse der Wohnlichkeit an der Zürcherstrasse in Neuenhof enorm gross.» Denn für die Bahn müsste die Zürcherstrasse um rund 6,5 Meter verbreitert werden; bei den Haltestellen wären es laut Pfisters Berechnungen gar 10,5 Meter.

Margrit Pfister ruft alle Neuenhofer auf, sich mit der Limmattalbahn zu befassen und sich online bis zum 17. Januar 2020 einzubringen auf dem Portal des Kantons Aargau.

Zum ersten Mal mit dem Tram über das neue Limmattalbahn-Trassee: die Testfahrt im Video

Zum ersten Mal mit dem Tram über das neue Limmattalbahn-Trassee: die Testfahrt im Video

Erstmals seit über 60 Jahren ist heute ein Tram von der Zürcher Stadtgrenze nach Schlieren gefahren. Die Limmattaler Zeitung war bei der Testfahrt mit dabei. (20. August 2019)

Bahnlinie soll Mitten über Erdbeerfeld führen

Aber nicht nur in Neuenhof formiert sich Widerstand gegen die geplante Weiterführung, sondern neu auch in Wettingen, wo über 100 Unterschriften gesammelt wurden. Die geplante Linienführung würde nicht nur das Gebiet Tägerhard, sondern auch das noch zu entwickelnde Gebiet Geisswies erschliessen. Doch genau das ist Landwirt Tobias Lüscher ein Dorn im Auge.

Er hat von seinem Vater Ueli letztes Jahr den Betrieb übernommen, der im Sommer vor allem wegen seiner Erdbeeren bekannt ist. Die Bahn soll eines Tages quer über sein Land führen. «Wenn die Bahn wirklich wie geplant kommt, dann würde mein Betrieb noch weiter eingeschränkt», so Lüscher. «Noch weiter» deshalb, weil er auch Land für die Lugibach-Renaturierung hergeben muss. «Insgesamt geht es um rund 60 Aren, was eineinhalb Fussballfeldern entspricht.»

Trotz der gesammelten Unterschriften mache er sich keine Illusionen. «Wenn der Kanton die Bahn so realisieren will, dann wird er dies auch versuchen, trotz einigen Unterschriften.» Dass Lüscher hierfür entschädigt würde, sei ein schwacher Trost.

«Für das Land bekommen wir rund 8 Franken pro Quadratmeter. Doch wir wollen kein Geld, sondern lieber Realersatz», so Lüscher. Jedoch haben schon die Verhandlungen bei dem Lugibach-Renaturierungsprojekt gezeigt, dass der Kanton nicht gewillt sei, Ersatzland zu geben, sondern auf eine Enteignung abziele.

Vor Weihnachten wurden die total 700 Unterschriften wurden Regierungsrat und Verkehrsminister Stephan Attiger zusammen mit einem offen Brief kurz vor Weihnachten geschickt.

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