Wettingen
Trotz Tägi-Minus fällt die Rechnung 2020 positiv aus – doch die Schuldenlast steigt

Die Tägi AG belastet die Rechnung 2020 der Gemeinde Wettingen mit zusätzlichen 1,4 Millionen Franken. Doch obwohl Stimmbevölkerung und Kanton die Steuerfusserhöhung abgelehnt hatten, bleibt am Ende ein Ertragsüberschuss von 1,14 Millionen Franken. Sorgen bereitet nach wie vor die Verschuldung der Gemeinde.

Andreas Fretz
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Die Coronapandemie traf den Betrieb des frisch sanierten Freizeit-, Sport- und Eventzentrums Tägi mit voller Wucht.

Die Coronapandemie traf den Betrieb des frisch sanierten Freizeit-, Sport- und Eventzentrums Tägi mit voller Wucht.

Zvg

Die Rechnung 2020 der Einwohnergemeinde Wettingen war durchaus mit Spannung erwartet worden. Denn das ihr zugrundeliegende Budget war mit reichlich Turbulenzen behaftet. Stimmbevölkerung und Kanton verweigerten der Steuerfusserhöhung ihre Zustimmung. Die Folge: Wettingen war bis im April 2020 ohne reguläres Budget unterwegs und der Steuerfuss blieb schliesslich bei 95 Prozent.

«Erfreuliche Ergebnis»: Finanzvorsteher Markus Maibach.

«Erfreuliche Ergebnis»: Finanzvorsteher Markus Maibach.

Bild: Alex Spichale

«Erstmals in der jüngeren Geschichte sah unser Budget ein negatives operatives Ergebnis vor», sagte Finanzvorsteher und Vizeammann Markus Maibach (SP) bei der Präsentation der Zahlen, «umso grösser ist nun die Freude über das erfreuliche Ergebnis». Das Budget sah noch ein Minus von 300'000 Franken vor. Die Jahresrechnung 2020 schliesst aber mit einem positiven operativen Ergebnis von 300'000 Franken und einem Gesamtergebnis von 1,14 Mio. Franken Ertragsüberschuss ab.

«Die Tägi AG hatte ein Ausnahmejahr zu bewältigen»

In diesen Zahlen ist bereits eine Rückstellung von 1,4 Mio. Franken für die Deckung des coronabedingten Defizits der Tägi AG enthalten. «Die Tägi AG ist zu 100 Prozent im Besitz der Gemeinde. Sie hatte, bedingt durch die Pandemie, ein Ausnahmejahr zu bewältigen, das unweigerlich zu einem hohen Defizit führte», sagte Maibach. Ohne die Berücksichtigung dieses Defizitbeitrags läge das operative Ergebnis der Gemeinde 1,7 Mio. Franken im Plus.

Pro-Kopf-Schuld steigt auf 5803 Franken

Sorgenkind ist und bleibt die hohe Verschuldung. Die Nettoschuld pro Einwohner stieg im letzten Jahr von 5457 auf 5803 Franken und beträgt gesamthaft über 120 Millionen Franken. Zum Vergleich: 2016 lag die Nettoschuld pro Einwohner noch bei 3134 Franken. Grund für den Anstieg ist die niedrige Selbstfinanzierung. Maibach sagt dazu:

«Die Finanzkennzahlen sind mehrheitlich positiv, kritisch ist nach wie vor die ungenügende Selbstfinanzierung unserer Investitionen.»

Mit 43 Prozent war der Selbstfinanzierungsgrad 2020 allerdings weit höher als noch in den Vorjahren. Von den 15,2 Mio. Franken Nettoinvestitionen (davon zehn Mio. für die Sanierung des Tägi) wurden 6,5 Mio. Fr. selbst getragen.

Die steuerbaren Kosten (Personal- und Sachaufwand) habe die Gemeinde im Griff, betont Maibach. Die 0,8 Mio. Franken Mehraufwand in den nicht beeinflussbaren Bereichen Pflegefinanzierung, Spitex sowie Kinderhorte und Tagesstätten konnten durch die Verbesserung des Sozialhilfeergebnisses mehr als kompensiert werden.

Mehr Steuererträge als budgetiert

Der Mehrertrag von 2,8 Mio. Franken bei den Einkommens- und Gemeindesteuern ist vor allem auf unerwartete Handänderungen und hohe Grundstückgewinnsteuern zurückzuführen. Ohne diese würden die Steuererträge dem budgetierten Wert von 52,1 Mio. Franken entsprechen. «Auf der Ertragsseite erweist sich das Steuersubstrat als solide», sagt Maibach. Ebenfalls wurden Buchgewinne aus Finanzanlagen realisiert.

Verschuldung steuert auf Höchststand zu

Der Blick in die Zukunft zeigt: Offen bleibt die Auswirkung der Pandemie. Neben dem Tägi wird sie auch das Sozialhilfeergebnis und die Steuereinnahmen im Budget 2021 und 2022 negativ beeinflussen, so die Befürchtung. Zudem wird die Verschuldung durch Investitionen weiter zunehmen und gemäss aktuellem Finanzplan in den Jahren 2023 und 2024 den Höchststand erreichen.

Steuererhöhung nicht vor 2023

Der Gemeinderat ist nach wie vor gewillt, die Schulden mittelfristig abzubauen. Dafür wäre eine Steuerfusserhöhung zwingend erforderlich. Doch nach dem negativen Volksentscheid zum Budget 2020 und bis zum Vorliegen der genauen Erkenntnisse über die Auswirkungen der Coronapandemie wird der Gemeinderat mit diesem Schritt bis zum Budget 2023 zuwarten. So ist es auch im Finanzplan vorgesehen.