Forderung

Wettingen soll grüner werden: Petitionäre und Einwohnerräte wollen «Förderung der Gartenstadt»

Die Gemeinde Wettingen positioniert sich in ihrem Leitbild als Gartenstadt.

Die Gemeinde Wettingen positioniert sich in ihrem Leitbild als Gartenstadt.

Die selbst ernannte Gartenstadt soll ihrem Ruf endlich gerecht werden, fordern Petitionäre und Einwohnerräte. Dank dem Vorstoss «Erhaltung der Gartenstadt Wettingen» soll eine grüne und abwechslungsreiche Gemeinde entstehen.

Als Ursula Moor vor gut 20 Jahren nach Wettingen zog, erhielt sie das Buch «Vom Klosterdorf zur Gartenstadt» überreicht. Seit geraumer Zeit positioniert sich die Gemeinde als Sport-, Generationen- und eben Gartenstadt. Auch als der Gemeinderat im Jahr 2015 die Leitsätze und -ziele überarbeitete, tauchte der Begriff wieder auf. Der «etablierte und unbestrittene Begriff Gartenstadt wird als Marke beibehalten», heisst es darin. Präzisierend wird vermerkt, dass sich das Label Gartenstadt auch künftig niederschlagen werde «in Planungen und Projekten im Siedlungsgebiet, im Freiraum, im Naherholungsgebiet sowie Naturraum».

«Die Gartenstadt wird von der Gemeinde aktiv beworben», hält Moor fest, wendet aber ein: «Sie darf nicht eine hohle These oder ein blosses Marketinginstrument bleiben.» Deshalb hat die Informatikerin zusammen mit Christian Vogelbacher auf der Plattform petitio.ch einen Vorstoss mit dem Titel «Erhaltung der Gartenstadt Wettingen» eingereicht.

In diesem halten sie fest: «Im Siedlungsgebiet ist seit Jahren eine Uniformierung des Bauens zu beobachten, die für attraktive Freiräume geschweige denn abwechslungsreiche Gärten keinen Platz mehr lässt.» Neu- und Ersatzbauten weisen oft eine massive Klotzform auf mit maximaler Grundstücksnutzung und wenig Sensibilität betreffend Naturraum, so die Kritik. Monotonie mache sich breit.

Konkrete Lösungsvorschläge sind vorhanden

Dennoch würden in raschem Tempo ältere, teils auch historisch bedeutsame Bauten dem Abbruch und der Neubebauung preisgegeben. «Es ist inkonsequent, mit Strukturen zu werben, die ohne Gegenmassnahmen laufend weiter zerstört werden», so der Vorwurf.

  • Moor und Vogelbacher unterbreiten in ihrer Petition auch konkrete Lösungsvorschläge:
  • Die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) sowie die Leitsätze und -ziele von Wettingen sollen unter Mitwirkung der Bevölkerung gründlich aufeinander abgestimmt werden.
  • In die Beurteilung von Bauprojekten ab der Grösse eines Mehrfamilienhauses soll zwingend eine unabhängige Fachplanungsperson und, falls vorhanden, eine Delegation des jeweiligen Quartiervereins einbezogen werden.
  • Die Gemeinde soll künftig bei Bewilligungen von Grossüberbauungen vor der Bevölkerung dazu Stellung nehmen, wie sich das Projekt mit den Leitsätzen und -zielen von Wettingen vereinbaren lässt.
  • Die Ortsbildkommission soll neu der Volkswahl unterstehen, um die Meinungsvielfalt der Einwohner zu diesem Thema besser abzubilden.

Am Leuchtturmprojekt Gartenstadt wird festgehalten

Auf die Frage, was der Gemeinderat derzeit unternehme, um dem Label Gartenstadt gerecht zu werden, antwortet dieser: «Mit seinem Legislaturprogramm 2019/2022 hat der Gemeinderat bekräftigt, an seinem schon 2015 formulierten Leuchtturmprojekt Gartenstadt festzuhalten. Er nutzt heute dazu die bestehenden Planungsgrund­lagen wie BNO oder Freiraumkonzept. Diese Grundlagen ­befinden sich in einem Erneuerungsprozess.» Wie in den vorhergehenden Revisionsschritten werde die Bevölkerung wiederum in den Prozess eingebunden. Der Gemeinderat beachte auch die vom Einwohnerrat überwiesenen Vorstösse.

Mit ihrem Anliegen, dass Wettingen eine grüne und abwechslungsreiche Gemeinde bleibt, stehen die Petitionäre nicht alleine da. Im Einwohnerrat sind für kommende Woche drei Vorstösse von Leo Kleiner (Wetti­Grüen) und Marie Louise Reinert (EVP) traktandiert.

Ihre Postulate lassen sich unter dem Motto «Förderung der Gartenstadt» zusammenfassen. Die beiden Einwohnerräte schreiben: «Die Gartenstadt als Aushängeschild braucht einen realen Grund: real existierende Gärten.»

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