Wettingen
Die Sanität Wettingen-Limmattal zieht eine positive Bilanz und freut sich auf das Kantonalturnfest

Der Verein Sanität Wettingen-Limmattal konnte mit neuem Namen, errungener Selbstständigkeit und trotz Corona recht erfolgreich sein erstes Vereinsjahr abschliessen und blickt zuversichtlich in die Zukunft.

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Die Einsatzfahrzeuge der Sanität Wettingen-Limmattal sind mit dem neuen Logo unterwegs.

Die Einsatzfahrzeuge der Sanität Wettingen-Limmattal sind mit dem neuen Logo unterwegs.

Zvg

Der 1962 gegründete Samariterverein Lägern Wettingen hat im letzten Mai einstimmig beschlossen, seine Dachorganisation, den Schweizerischen Samariterbund (SSB), zu verlassen, und seinen Namen zu ändern. Dieser Entscheid kam damals nicht überraschend. Schon seit mehreren Jahren häuften sich die Diskussionen, ob ein Alleingang ohne Dachverband nicht mehr Vorteile und eine Qualitätssteigerung mit sich bringen könnte.

Das Korsett, in welches die aktiven Vereine gezwängt werden, und die tiefe Qualität der vom SSB zur Verfügung gestellten Kursinhalte bewegte den Vorstand dazu, sich intensiv mit neuen Möglichkeiten auseinander zu setzen. Nach einer umfassenden Risikoanalyse, diversen Gespräche mit Fachgremien und Partnerorganisationen beschloss die letztjährige Vereinsversammlung den Alleingang und die Namensänderung zu «Sanität Wettingen-Limmattal».

Noch nicht ganz ein Jahr nach diesem mutigen Entscheid scheint die Rechnung bisher aufgegangen zu sein. Der junge Verein entwickelt sich in allen Bereichen prächtig und sprüht vor Tatendrang. Mag sein, dass die neu gewonnene Selbstständigkeit, der neue Auftritt mit Namen und Logo einiges an zusätzlichem Enthusiasmus beim Verein mit einem Durchschnittsalter von 38 Jahren ausgelöst hat.

Corona als Herausforderung

Natürlich hat Corona auch in diesem Verein einiges auf den Kopf gestellt. So waren besonders im Bereich der Erste-Hilfe-Kurse und internen Weiterbildungen einschneidende Auflagen umzusetzen und die Gesundheit der Kursteilnehmer, Patienten und Mitglieder zu schützen. So waren in Kursen und bei den Sanitätsdiensten überdurchschnittliche Schutzmassnahmen notwendig und Kurse mussten mit weniger Teilnehmenden als üblich durchgeführt werden.

Weniger Teilnehmende pro Kurs und kaum Grossveranstaltungen, an welchen der Verein Sanitätsdienst leisten konnte, waren absehbare Herausforderungen für das vergangene Vereinsjahr. Infolge dessen, war die Vereinsführung äusserst zurückhaltend mit dem Jahresbudget und den Ausgaben. Denn weiterhin ist der gemeinnützige Verein eine Non-Profit-Organisation und als solche darauf angewiesen, seine finanziellen Reserven im Griff zu behalten.

Jahresabschluss besser als erwartet

Glücklicherweise konnte das Jahresbudget eingehalten werden und der Jahresabschluss gar ein klein wenig positiver abgeschlossen werden als erwartet. Geld, das der Verein weiter in die Bildung und soziale Projekte sowie in den unentgeltlichen First Responder Dienst in Wettingen investieren wird.

Nicht zuletzt dank der Abspaltung von ihren Dachverbänden erwirtschaftete die Sanität Wettingen-Limmattal kein Defizit. Waren es doch mehrere zehntausend Franken, welche der damalige Samariterverein jährlich an den Kantonalverband und den Samariterbund ablieferte. Die Dienstleistungen wie Kursunterlagen und Zertifizierungen usw., welche der Verein damals für diese Beträge bei seinen vorgesetzten Stellen einkaufte, erbringt der Verein nun günstiger und schneller in den eigenen Reihen.

Bereits im Jahr 2020 hat der damalige Verein vorgesorgt und seinen Tochterverein die Rescue Academy gegründet. Die Rescue Academy hat den Zweck, alle Kurse nach Schweizer First Aid Standards zu konzipieren, durch die Fachgremien prüfen und zertifizieren zu lassen. So konnte ein qualitativ hochwertiges Kursangebot erarbeitet werden, welches nun eigenständig den neusten Anforderungen angepasst werden kann.

Zusätzliche Kurse entwickelt und angeboten

Dieser Vorteil half dem neuen Verein nun auch während Corona. Es konnten zusätzliche Kursformate entwickelt und angeboten werden. Mit neuen zielgruppenorientierten Erste-Hilfe-Kursen konnte eine breitere Öffentlichkeit angesprochen werden und neue Partnerschaften in der Ausbildung lanciert werden. So bildete die Sanität Wettingen-Limmattal im vergangenen Jahr 668 Kursteilnehmende aus. Auch wenn das im Vergleich zum Vorjahr mit 632 Teilnehmerinnen und Teilnehmern nur eine kleine Steigerung ist, so ist diese in Corona-Zeiten dennoch von grosser Bedeutung.

Für den Verein war das letzte Jahr vergleichbar damit, wenn ein Teenager sein Zuhause verlässt und flügge wird. Auch die Sanität Wettingen-Limmattal musste zum ersten Mal ganz alleine auf eigenen Beinen stehen und sich – sinnbildlich gesprochen – überlegen, wie sie ihr neues eigenes Heim einrichten möchte. Dies begann schon mit dem Namen des Vereins. «Sanität» sagt klar aus, was die Tätigkeit ist und wofür der Verein steht. Mit «Wettingen» im Namen macht der Verein ein klares Bekenntnis zu seiner Herkunft. Mit Blick zu weiteren Horizonten ist «Limmattal» im Namen hinzugekommen. Schon viele Jahre ist die Sanität Wettingen-Limmattal auch für die Feuerwehr Neuenhof tätig und trägt dieser freundschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Namenszusatz nun Rechnung. Ebenso fügt sich die Sanität Wettingen-Limmattal nun auch verbal in die Reihe der regionalen Bevölkerungsschutzpartner ein. «Der neue Name soll neue Möglichkeiten eröffnen, aber niemanden bedrohen», hält der Verein fest.

Auch der nächste Schritt ist bereits getan. In den letzten Wochen hat der Vereinsvorstand mit den Mitgliedern das neue Leitbild erarbeitet. Es soll dabei helfen, sich selbst als Verein, aber auch als Vereinsmitglied zu definieren. Bis anhin ging man im Verein dem «Samaritergedanken» nach. Nun sind die eigenen Gedanken formuliert und auch physisch vor Augen. «Jeder Mensch in medizinischen Notlagen erhält eine adäquate Erste Hilfe», ist nun die Vision des Vereins.

Vorbereitungen für das Kantonalturnfest in Wettingen

Ebenso wurden die Mission und die Werte des Vereins definiert. Nun geht es darum, diesen Worten Taten folgen zu lassen. Dies sollte im neuen Jahr nun möglich sein. Die Sanität Wettingen-Limmattal ist bereits aktiv an den Vorbereitungen für das Grossevent des Jahres, dem Aargauer Kantonalturnfest vom 15. bis 26. Juni in Wettingen, an welchem sie die sanitätsdienstliche Versorgung sicherstellt und im OK vertreten ist. Dort werden nicht nur die lokalen Turnvereine ein Heimspiel haben, sondern auch die angehörigen Sanitäterinnen und Sanitäter. Für diesen Anlass wurde sogar der Fahrzeugpark erweitert und wartet mit einer weiteren Überraschung.

Auch in der Bildung hat man bereits einen weiteren Schritt gemacht und das Kursprogramm noch weiter ausgebaut. Neu bieten die Sanität Wettingen-Limmattal und die Rescue Academy gemeinsam spezifische und themenorientierte Weiterbildungen für Sanitäter, Samariter, Betriebssanitäter und viele mehr an. Weitere Pläne für 2022 sind bereits in der Umsetzung. (az)