Wettingen
142 Personen kämpfen im Wettinger Parlament um 50 Sitze

Sechs Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte treten am 26. September nicht mehr zu den Erneuerungswahlen in Wettingen an. Eine Partei fällt ganz weg. Was sich die anderen sieben Parteien erhoffen.

Claudia Laube
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Während der laufenden Legislaturperiode wurden im Wettinger Einwohnerrat 25 Rücktritte verzeichnet.

Während der laufenden Legislaturperiode wurden im Wettinger Einwohnerrat 25 Rücktritte verzeichnet.

Sandra Ardizzone (22. Juni 2020)

142 Kandidatinnen und Kandidaten aus sieben Parteien wollen einen der 50 Sitze im Wettinger Einwohnerrat erobern. Während die Mitte CVP (12 Sitze), die SVP (11), die FDP (7) und die GLP (4) eigene Fraktionen bilden, gab es bisher mit SP (9) und WettiGrüen (2) sowie der EVP (3) und dem Forum 5430 (2) auch zwei Allianzen.

Das wird sich auf die neue Legislaturperiode hin ändern: Forum 5430 hat bereits im April angekündigt, bei den Gesamterneuerungswahlen vom 26. September nicht mehr anzutreten. Das bringt die EVP in Zugzwang. Welche Ziele streben die sieben Parteien bei den Wahlen an?

Mitte CVP: Seit Jahren die Partei Nummer Eins

Die Mitte CVP ist seit Jahrzehnten federführend im inzwischen auf über 21'000 Einwohnerinnen und Einwohner angewachsenen Dorf. Seit 1961 besetzte immer ein Mann aus der Mitte die Spitzenposition im Gemeinderat. Mit zwölf Sitzen ist die Partei dementsprechend am besten im Parlament vertreten. Bis Ende 2013 hatte sie noch 14 Sitze inne, verlor bei den vorgängigen Wahlen aber zwei und sah sich plötzlich mit der SVP gleichauf.

Vier Jahre später konnte die Partei ihre zwölf Sitze bestätigen, während die SVP einen verlor. Nun will die Mitte einen weiteren Sitz hinzugewinnen. Insgesamt stehen 24 Personen zur Wahl, 2017 waren es noch 30. Fast alle Bisherigen treten wieder an – mit einer Ausnahme: Fiko-Präsident François Chapuis zieht sich nach sieben Jahren aus dem Parlament zurück.

SVP: Zweitgrösste Partei ohne Gemeinderat

Während die Mitte CVP zweimal im Gemeinderat vertreten ist, ist ihre grösste Konkurrentin, die SVP, seit vier Jahren nicht mehr in der Exekutive dabei. Einwohnerrat Daniel Notter war 2017 gegen den FDP-Kandidaten Markus Haas unterlegen. Mit Markus Bader, seit 14 Jahren im Einwohnerrat, will die SVP wieder zurück ins Gremium. Parallel stellt sich Bader auch wieder als Einwohnerrat zur Verfügung.

Gemeinsam mit acht anderen Bisherigen, darunter die aus familiären Gründen als Grossrätin zurückgetretene Michaela Huser. Thomas Wolf und Stefan Meier-Keller hingegen scheiden freiwillig aus dem Parlament aus. Insgesamt kandidieren 17 Personen für die SVP, die zwölf Sitze im Einwohnerrat anstrebt.

SP: Drittgrösste Partei will weiteren Sitz

Mit neun Personen im Einwohnerrat ist die SP die drittgrösste Partei in Wettingen. Acht Bisherige treten dieses Jahr zur Wiederwahl an, Alexandra Wernli hört auf. Die SP will einen weiteren Sitz hinzugewinnen. Wie sie dies auch bereits vor vier Jahren tat, auch wenn damals die Ausgangslage etwas unglücklich war, hatte sie doch 2014 noch 9 Sitze inne. Einer der ihrigen war jedoch mitten in der Legislaturperiode zur BDP gewechselt, weshalb der SP ein Sitz weggefallen war. Diesen gewannen sie 2017 wieder zurück.

Und nun streben sie einen weiteren an. Insgesamt 15 Personen kandidieren für die SP für einen Sitz im Parlament. Die Partei hat mit Vizeammann Markus Maibach und Gemeinderätin Kirsten Ernst zwei Mitglieder in der Exekutive. Beide stellen sich zur Wiederwahl.

FDP will Anzahl Sitze halten

Der Wunsch der FDP nach einem achten Sitz war vor vier Jahren nicht in Erfüllung gegangen. Das lässt die Partei wohl vorsichtiger werden, ihr Ziel für dieses Jahr lautet, die sieben Sitze halten zu können. Diese Anzahl hält sie seit Jahren konstant. Alle Bisherigen treten wieder zur Wahl an, insgesamt sind es 23 Kandidatinnen und Kandidaten. Mit Markus Haas und Martin Egloff ist auch die FDP zweimal im Gemeinderat vertreten. Auch sie treten zur Wiederwahl an.

GLP: Das mit Abstand grösste Kandidatenfeld

Die grosse Gewinnerin der vergangenen Wahlen in Wettingen war die GLP. Sie verdoppelte damals ihre Sitzanzahl und ist deshalb in der aktuellen Legislaturperiode mit vier Personen vertreten, die auch alle wieder antreten. Bereits 2017 hatte die Partei mit beachtlichen 20 Kandidatinnen und Kandidaten auf sich aufmerksam gemacht. Nun toppen das die Grünliberalen mit einem Kandidatenfeld von 40 Personen.

Die Partei gibt nicht an, wie viele Sitze für die neue Amtsperiode angestrebt werden, sondern wünscht sich einfach mehr Sitze. Die GLP will auch in den Gemeinderat und stellt mit Einwohnerrätin Ruth Jo. Scheier eine eigene Kandidatin.

EVP benötigt zwingend einen Sitzgewinn

Weil das Forum 5430 wegfällt, ist es für die EVP wichtig, einen vierten Sitz zu gewinnen, da drei Personen keine eigene Fraktion bilden können. Insgesamt zehn Personen stehen dafür zur Auswahl, darunter neben den Bisherigen mit Helen Suter und Margrit Wahrstätter auch zwei Alt-Einwohnerrätinnen. Wahrstätter hatte 2000 und 2001 als bisher einzige Frau das Einwohnerrats-Präsidium inne und war damit als erste Frau überhaupt die höchste Wettingerin.

WettiGrüen stellt die jüngsten Kandidaten

Die Kleinpartei überrascht mit den jüngsten Kandidierenden an der Spitze der Liste: Die 18-jährigen Kantischüler Thomas Ruckli und Ema Savic sind beide Klimaaktivisten. Die zwei bisherigen Einwohnerräte, darunter der seit 1990 dem Rat angehörige Leo Scherer, treten auch wieder an. Insgesamt sind es 13 Kandidierende. WettiGrüen strebt mehr Sitze an, teilt aber keine konkrete Zahl mit.

In einer früheren Version wurde die Anzahl Kandidierenden bei der Mitte und WettiGrüen falsch angegeben. Diese sind nun korrekt. Wir entschuldigen uns für die Fehler.

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