Seit gut zwei Jahren gibt es einen Verband von europäischen Thermalbädern, die ihren Ursprung in der Römerzeit haben. Dazu zählen etwa Badenweiler im Markgräflerland, das französische Dax, die ungarische Hauptstadt Budapest, das griechische Edipsos oder das rumänische Herkulesbad.

Mit finanzieller Starthilfe der Europäischen Union wurde das Netzwerk «Roman Thermal Spas of Europe» im Dezember 2015 in Budapest gegründet. Seit 2016 ist es eine unabhängige Marketing-Organisation, die die Geschichte der römischen Badekurorte vermitteln und vermarkten will. Das Projekt wird vom Europäischen Heilbäderverband in Brüssel koordiniert. In einer Mitteilung schreibt der Verband: «Die neue Organisation ist offen für alle europäischen Thermalorte römischen Ursprungs.»

Da drängt sich die Frage auf, warum ausgerechnet Baden mit seiner reichen römischen Bädergeschichte bei dem Projekt nicht mitmacht. Seit letzter Woche laufen im Bäderquartier die Vorarbeiten für den Neubau des Thermalbades, schon länger laufen die Vorbereitungen für die Vermittlung des kulturellen Erbes.

Ohne Legionäre kein Baden

Und dieses Erbe ist im europäischen Kontext nicht zu unterschätzen: Das antike Baden (Aquae Helveticae) war eines von sieben grossen Heilbädern in der Provinz Obergermanien, die vom heutigen Wiesbaden (Aquae Mattiacorum) bis nach Yverdon-les-Bains (Eburodunum) und darüber hinaus bis zum Genfersee reichte. Die Heilbäder Wiesbaden, Baden-Baden, Badenweiler und Baden haben eine ähnliche Geschichte, die mit den nahen Legionslagern in Windisch, Strassburg und Mainz zusammenhängt. Ohne erholungssuchende Soldaten keine Badeorte, könnte man sagen.

Andrea Schaer, die bis 2016 für die Kantonsarchäologie und seither als selbstständige Archäologin die Grabungen im Bäderquartier und deren Auswertung leitet, sagt zum Projekt der römischen Thermalbäder Europas: «Alle Mitgliederstädte haben römische Thermen und da auch etwas zu bieten. Mir scheint die Zusammensetzung und das Programm aber etwas oberflächlich.»

Sie habe sich nicht vertieft damit auseinandergesetzt und sei sich deshalb nicht sicher, ob es sich für Baden lohnen würde, mitzumachen. Man müsse sich jetzt aber auf jeden Fall überlegen, wie sich Baden nach der Erneuerung des Bäderquartiers im Markt positioniere. «Die Zeit drängt», sagt Schaer. Es gebe aber andere Verbünde, die sich aus ihrer Sicht besser eignen würden. «Baden sollte sich mit den ganz grossen Bädern Europas wie Aachen, Baden-Baden und Bath messen», sagt Schaer.

Enger Austausch mit Baden-Baden

Andrea Schaer würde Baden deshalb eher als Teil des Bündnisses «Great Spas of Europe» sehen. Darin haben sich elf traditionsreiche Kurstädte zusammengeschlossen, um einen Eintrag in die Welterbeliste der Unesco zu erreichen. Dazu zählen Vichy, Bath, das italienische Montecatini, die deutschen Bäder Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen, die drei tschechischen Bäder Franzensbad, Karlsbad und Marienbad sowie Baden bei Wien und das belgische Spa.

Allerdings sei «Great Spas of Europe» ein politisch motiviertes Projekt und daher auch nicht ganz unproblematisch. Gerade mit Baden-Baden gebe es aber schon jetzt einen engen Austausch, was die Kultur- und Geschichtsvermittlung angeht. «Unser Baden kann sich zwar nicht mit dem Baden-Baden des 19. Jahrhunderts messen», sagt Schaer. «Aber im Mittelalter und in der Renaissance spielte es in der allerobersten Liga.»

So soll das neue Botta-Bad in Baden aussehen: