Seit vier Jahrzehnten steht Monika Bill fast jeden Tag in ihrem Blumenladen und schaut nach ihren Pflanzen. Nur wenn sie mit ihrem Mann im Januar in die Schnorchel-Ferien fährt, übernimmt eine Aushilfe.

In all den Jahren sah sie kleine Läden wie der ihre kommen und gehen an der Bahnhofstrasse in Turgi. «Ich dachte nicht, dass mein Geschäft so lange überlebt», sagt die 65-Jährige. «Aber wenn man Freude an der Arbeit hat, dann geht alles etwas einfacher. Das merken auch meine Kunden.» Ans aufhören denkt sie noch lange nicht.

Mit 25 Jahren eröffnete sie das Blumenhaus Bill – am 25. April 1977, am ersten Geburtstag ihres ältesten Sohnes. In einem Geschäft mit einem winzigen Schaufenster fing sie an, ein paar Jahre später zog sie ins Haus neben an, wo sie noch heute Blumen verkauft – auf Wunsch auch Wurstgestecke, Rüeblisträusse oder Windeltorten.

Vieles habe sich seit der Eröffnung verändert, sagt Bill. Als sie anfing, herrschte Hochkonjunktur, Grossverteiler wie Migros oder Coop waren noch keine Konkurrenz im Blumengeschäft.

Kunden bringen "Znüni"

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr die jungen Kunden: «Mit zwei, drei Franken kamen die Mädchen vorbei, und wollten für das Mami zum Muttertag einen Strauss kaufen. Dann stellte ich für sie natürlich ein kleines Sträusschen zusammen.»

Heute sei die Konkurrenz gewachsen und die Kunden weniger spontan. «Ich bin aber zufrieden – ich habe immer Arbeit.» Vor allem dank der Stammkunden, die auch mal einen Znüni vorbeibringen.

Nur ein einziges Mal gab Bill fast auf: Vor etwa 15 Jahren, als ihre Mutter starb. «Das war ein schwerer Moment für mich. Ich fiel in ein Loch.» Sie habe aber zum Glück viel Temperament und Elan und konnte sich wieder fangen.

Die Familie ist der vierfachen Grossmutter sehr wichtig. Ihre drei Söhne besuchen sie regelmässig im Laden. «Mein Jüngster kommt mit seinem Sohn jeden Mittwochmorgen vorbei. Dann gehen wir zusammen ins Café nebenan», sagt Bill.

Auch zu ihren Lehrtöchtern hat sie eine familiäre Beziehung. 35 Floristinnen hat sie bis jetzt ausgebildet. «Jedes Jahr unternehmen wir zusammen eine Reise und verjubeln das Trinkgeld.» Im letzten Jahr fuhr sie mit ihren beiden Lehrtöchtern nach Italien und besuchte den Markt in Luino.

«Früher waren unsere Ausflüge noch etwas verrückter», sagt Bill. So flogen sie auch schon nach Nürnberg an den Christkindlesmarkt – und am selben Abend wieder zurück.

Einige der früheren Lehrtöchter sind am Samstag dabei, wenn Bill zur Jubiläumsfeier lädt. «Das mache ich alle fünf Jahre. Es ist immer ein grosses Fest – mit Polonaise und Tanzeinlagen auf der Strasse. Die Gäste wollen meist gar nicht mehr nach Hause.»

Unterstützung erhält sie vom halben Dorf: Der FC Turgi serviert und sorgt mit DJ René für musikalische Unterhaltung, ihr Vermieter rockt mit seiner Band 4YOU, der Turgemer Levi Bo spielt Gitarre, das Kinder- und Jugendtheater tritt mit den «Impro-Leck-TuEllen» auf und ihr Sohn führt als Clown Billy durchs Programm.

40 Jahre Blumen Bill: Samstag, 10 Uhr, Eröffnung mit Levi BO; 11 Uhr, Kinder- und Jugendtheater Turgi; 12.30 Uhr, Die Impro-Leck-TuEllen; 15 Uhr, 4YOU. Mit DJ René, Clown Billy, Glücksrad, Hüpfburg, Glasritzer, Grill und Festwirtschaft.