Wettingen
Wenn Dieth gewählt werden würde? «Dann würde sich jeder Kandidatur überlegen»

Roland Kuster will Ammann werden, falls Markus Dieth Regierungsrat wird. Und seine Gemeinderatskollegen?

Carla Stampfli
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Roland Kuster und Markus Dieth, Wettingen.

Roland Kuster und Markus Dieth, Wettingen.

zvg

Die Exekutive Wettingens wird bereits ein Jahr vor den Gesamterneuerungswahlen erneuert: teilweise jedenfalls. Mit dem vorzeitigen Rücktritt von Gemeinderätin Yvonne Feri (SP) müssen die Stimmberechtigten am 25. September über ihre Nachfolge befinden. Zur Wahl stellen sich Kirsten Ernst (SP) und Franz-Beat Schwere (SVP). Doch dabei könnte es nicht bleiben: Wird Gemeindeammann Markus Dieth am 23. Oktober in den Regierungsrat gewählt, muss sowohl eine Nachfolge für den Gemeinderatssitz als auch für das Ammann-Amt gefunden werden (siehe Text rechts).

Für Letzteres steht bereits Roland Kuster (CVP) in den Startlöchern. Anfang Juli gab er dem «Badener Tagblatt» zu Protokoll: «Ja, ich will Gemeindeammann von Wettingen werden.» Der 57-Jährige ist Kadermitlied der SBB Cargo, in zahlreichen Ausschüssen sowie Kommissionen tätig und sitzt seit 2008 in der Exekutive. «Mich reizt es, an der Weiterentwicklung Wettingens als Gemeindeammann beteiligt zu sein», sagt Kuster. Die Gemeinde sei nicht nur lebenswert, sondern ihr stehen auch einige Herausforderungen bevor. Als Beispiel nennt er die Erweiterung und Sanierung des «Tägi», die Umsetzung der beschlossenen Rechtsform im Elektrizitäts- und Wasserwerk Wettingen (EWW) sowie die bevorstehende Zusammenarbeit der Zivilschutzorganisationen im Regionalplanungsverband Baden Regio. Die leistungsorientierte Verwaltungsanalyse (LOVA) werde zudem vom Gemeinderat und den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung einiges abverlangen, sagt Kuster. «Die Ansprüche an die Gemeinde werden wachsen.» Deshalb müsse Wettingen fit für die Zukunft gemacht werden. «Mit meiner beruflichen Erfahrung kann ich dazu beitragen», ist er überzeugt.

Zweimal nein, zweimal vielleicht

Und wie sieht es bei Kusters Gemeinderatskollegen aus? Auf die Frage, ob sie es sich vorstellen könnte, Nachfolgerin von Markus Dieth zu werden, sagt Frau Vizeammann Antoinette Eckert (FDP) ohne Wenn und Aber: «Nein.» Sie habe derzeit keine Ambitionen und werde nicht gegen Roland Kuster antreten. Ausserdem entspreche ihr das Vizeammann-Amt. «Damit bin ich im Moment zufrieden», sagt Eckert.

Ähnlich sieht es Daniel Huser (SVP). Er fände das Amt zwar «interessant». «Doch aufgrund meiner beruflichen Situation würde es sich nur schlecht vereinbaren lassen», sagt Huser. Zur Erinnerung: Der Gemeinderat leitet das Spenglerei- und Sanitärunternehmen, die Huser Gebäudetechnik AG. Zudem amtet er als Präsident des Schweizerisch-Lichtensteinischer Gebäudetechnik und Gebäudehüllenverbands, Swisstec. «Mir liegt die Firma zu sehr am Herzen. Deshalb würde ich nicht als Gemeindeammann kandidieren.»

Termine fixiert für Nachfolgeregelung

Am 23. Oktober tritt Gemeindeammann Markus Dieth (CVP) zu den Regierungsratswahlen an: Er soll den Sitz des nicht mehr antretenden Finanzministers Roland Brogli erben. Ein allfälliger zweiter Wahlgang findet am 27. November statt. Sollten die Stimmberechtigten Dieth in den Regierungsrat wählen, muss seine Nachfolge geregelt werden. Es gilt zu bestimmen, wer in den Gemeinderat rutscht und wer neuer Gemeindeammann wird. Folgende Termine wurden fixiert: Sollte Dieth am 23. Oktober gewählt werden, würde ein erster Wahlgang am 18. Dezember erfolgen; ein möglicher zweiter Wahlgang am 12. Februar 2017. Tritt letzterer Fall ein, würde Frau Vizeammann Antoinette Eckert (FDP) das Ammann-Amt vorübergehend übernehmen. Denn: Die Regierungsräte werden ab 1. Januar 2017 ins Amt gewählt. Der vakante Gemeinderatssitz hingegen würde bis zur Wahl nicht besetzt, die Exekutive also aus sechs statt sieben Mitgliedern bestehen. Würde Dieth erst am 27. November gewählt, verlängert sich die Vakanz. (ces)

Spannend macht es hingegen SP-Gemeinderat Markus Maibach. Er sagt, dass die Nachfolgeregelung von Gemeinderätin Yvonne Feri erste Priorität geniesse: «Wichtig für mich und die Partei ist, dass wir unseren Sitz im Gemeinderat verteidigen können. Unser Ziel ist, dass wir in der Exekutive das politische Gleichgewicht beibehalten können.» Natürlich habe auch er sich Gedanken gemacht über ein mögliches Ammann-Amt. «Ich werde mich aber erst entscheiden, wenn Markus Dieth tatsächlich gewählt ist», sagt Maibach.

Auch Gemeinderat Philippe Rey (parteilos) will die Katze noch nicht so richtig aus dem Sack lassen: Derzeit möchte er die Frage nicht beantworten, ob er als Nachfolger kandidieren würde. Wie Maibach sagt er: «Ich äussere mich erst, wenn klar ist, dass Markus Dieth als Regierungsrat gewählt ist», und schiebt mit einem Schmunzeln nach: «Das macht die Ausgangslage auch spannender.» Obwohl sich Rey nicht festlegen will, lässt sich ihm doch etwas entlocken. Er sei zwar zurzeit intensiv mit der Arbeit an wichtigen Themen wie LOVA, Dreifachturnhalle, Budget, «Tägi» und Bildungsfragen beschäftigt. «Aber das Amt des Gemeindeammanns ist ein interessantes Amt. Ich glaube, jeder würde sich eine Kandidatur überlegen», sagt Rey.

Eine Auswahl wäre wichtig

Roland Kuster ist derzeit also der Einzige, der seine Ambitionen öffentlich kundtut. «Für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger würde ich mir aber wünschen, dass sie bei einer allfälligen Ammannwahl eine Auswahl hätten», sagt Kuster. Doch er habe Verständnis, wenn sich Parteien und Kolleginnen und Kollegen aus dem Gemeinderat zu diesem Thema noch nicht äussern möchten.