Wettingen

Wenn der Tod einen Menschen belebt

Die Wettinger Regisseurin Rebecca Panian gibt ihrem Heimatort den Vorzug, bevor ihr Film landesweit anläuft.KEYSTONE/Peter Klaunzer

Die Wettinger Regisseurin Rebecca Panian gibt ihrem Heimatort den Vorzug, bevor ihr Film landesweit anläuft.KEYSTONE/Peter Klaunzer

«Zu Ende Leben», der Dokumentarfilm von Rebecca Panian, feiert am heutigen Donnerstagabend Premiere im Kino Orient. Ab nächster Woche läuft der Film landesweit in den Kinos.

«Es ist schön, wenn das Plakat vom eigenen Film im Heimat-Kino hängt», sagt Rebecca Panian. Mit ihrem Dokumentarfilm «Zu Ende Leben», der heute Abend im Kino Orient läuft, hat die 36-jährige Wettingerin aber nicht nur den Kinosaal ihrer Gemeinde erobern können.

Ab nächster Woche läuft der Film landesweit in den Kinos. Wettingen hat dabei die Ehre, die Schweizer Vorpremiere im kleinen Rahmen auszutragen. «Das Orient ist das Jugendstammkino meines Vaters», sagt Rebecca Panian. «Das macht es noch spezieller.»

Quelle: Youtube/Filmcoopi

Trailer «Zu Ende Leben»

Ihr Vater, Karl Panian, kommt im Film zwar nicht direkt vor. Doch die Thematik des Films beruht auf der Erfahrung, die Rebecca Panian während der 5-jährigen Krankheit ihres Vaters gemacht hat. 2006 wurde bei ihm ein unheilbarer Krebs diagnostiziert. Rebecca hatte sich damals gerade frisch in Köln eingerichtet, arbeitete als Filmproduktionsassistentin, wollte an der dortigen Filmhochschule anheuern. Nach der verheerenden Nachricht zog sie zurück in die Schweiz. «Der bevorstehende Tod meines Vaters hat unsere Familie zusammengeschweisst», sagt sie im Nachhinein und stellt ironisch fest: «Es braucht den Tod, damit Nähe entsteht? Wie grossartig.» Es sei für sie vollkommen widersprüchlich, wie sich die meisten Menschen im Leben verhalten. «Wir planen unser ganzes Leben, nur den Tod ignorieren wir, obwohl er genauso dazu gehört.»

Die Lehren, die Rebecca daraus zog, sind klar: «Es ist unsinnig, den Tod zu verdrängen.» Wenn man sich bewusst sei, dass schon morgen alles vorbei sein könnte, lebe man intensiver. Das habe sie bei ihrem Vater beobachtet. Gleichzeitig nahm sie ihre eigenen Probleme damals immer weniger schwer, ihr Leben fühlte sich leichter an. «In Anbetracht des Todes relativiert sich so manches.»

Sie lebe seitdem bewusster. «Wenn du jahrelang jemanden begleitest und ständig denkst, es könnte der letzte Tag sein, wird das irgendwann zur Gewohnheit», sagt sie. Heute frage sie sich regelmässig, ob sie mit ihrem Leben glücklich sei. «Falls nicht, muss ich meinen Mut zusammennehmen und die Dinge ändern. Ich hoffe, ich werde immer diesen Mut haben.»

«Ein Film, der vor Leben sprüht»

Diese Erkenntnis wollte Rebecca mit anderen Menschen teilen. In ihrem Dokumentarfilm begleitet sie den 51-jährigen Krebspatienten Thomas: Ein lebensfroher und sportlicher Mann, ehemaliger Motocrossfahrer und Velomechaniker, bei dem ein unheilbarer Gehirntumor festgestellt wurde (siehe Text rechts). Die Konfrontation mit dem Tod brachte frischen Wind in sein Leben. Nebst traurigen Passagen ist im Film auch für lustige Momente gesorgt. Von Beginn weg war für Rebecca klar, dass sie keinen schwermütigen, traurigen Film machen wollte, sondern einen tragisch-komischen Streifen, der vor allem lustige und lebensbejahende Momente aufzeigt. «Ein Dokumentarfilm, der vom Tod handelt, aber vor Leben sprüht», wie das Internetportal Cineman schreibt.

Dass sie dabei auf Thomas stiess, war Zufall. «Ich habe meine Filmidee bei verschiedenen Ärzten gestreut», erzählt sie. Ein Arzt habe ihr Thomas’ Kontakt angegeben. «Beim ersten Gespräch wurde rasch klar, dass er mitmachen würde», sagt sie. «Er war der perfekte Protagonist: Er redet gut und hat vor allem viel Humor.» Thomas lebt noch, der Film habe ihm gut getan. Entstanden ist der Film in den letzten drei Jahren parallel zu Rebeccas Filmstudium in Zürich und ganz ohne öffentliche Kulturbeiträge. Gleichzeitig schrieb Rebecca mit ihrer ehemaligen Studienkollegin Elena Ibello am Buch «Zu Ende Denken», in dem verschiedene Persönlichkeiten über den Tod sprechen. «Viele der Interviews, die ich für den Film gemacht habe, konnte ich nicht mehr einbauen. Deshalb haben wir sie als Buch abgedruckt.»

Film «Zu Ende Leben» CH-Vorpremiere im Kino Orient in Wettingen, heute 20.30 Uhr. Filmemacherin Rebecca Panian wird zum Gespräch mit dem Publikum anwesend sein.

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