Verkehr

Weniger Unfälle, mehr Raser – wie sich das Coronavirus auf das Fahrverhalten im Aargau auswirkt

Die Freiheiten, die sich auf den Strassen nun bieten, werden vermehrt genutzt. (Symbolbild)

Die Freiheiten, die sich auf den Strassen nun bieten, werden vermehrt genutzt. (Symbolbild)

Die Anzahl Autos auf Aargauer Strassen ist seit Ausbruch der Coronavirus-Krise um rund 30 Prozent gesunken. Die Folge: Weniger Stau und freie Fahrt auch morgens und abends zu den sogenannten Spitzenzeiten. Manche nutzen die freien Strassen zum Rasen.

Hermann Blaser, stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei Baden: «Es ist deutlich erkennbar, dass auf den Strassen zunehmend schneller gefahren wird, und zwar überall dort, wo es Platz hat, weil nun weniger Autos unterwegs sind.» Es handle sich dabei zwar nur um eine Beobachtung, um seinen subjektiven Eindruck, denn mit exakten Zahlen lasse sich die Aussage nicht belegen; «aber es ist schon auffällig: Die Freiheiten, die sich auf den Strassen nun bieten, werden vermehrt genutzt», sagt Blaser.

Ähnlich tönt es bei der Kantonspolizei Aargau: In wieweit sich die geringere Verkehrsdichte auf die gefahrenen Geschwindigkeiten auswirke, könne nicht objektiv nachgewiesen werden. «Grundsätzlich liegen aber die gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeiten bei praktisch leeren Strassen höher als bei grosser Verkehrsdichte.» Die gute Nachricht: «Wir stellen fest, dass in den letzten beiden Wochen die Anzahl Verkehrs­unfälle stark rückläufig war.»

Zunehmend, laut einer AZ-Leserin aus Baden: Bewusst verursachter Verkehrslärm. «Ab Mittag bis in die Nacht rasen die Autofahrer täglich mit teilweise grossem Tempo und laut dröhnenden Fahrzeugen über die Gstühl-Kreuzung.» Dazu sagt Hermann Blaser von der Stadtpolizei: «Die Situation bezüglich bewusst verursachtem Verkehrslärm ist nicht dramatisch; mir ist in den vergangenen Tagen aber auch aufgefallen, dass Autofahrer ihre Motoren aufheulen lassen, beispielsweise beim Lindenplatz.» Man müsse aber beachten, dass momentan viele Menschen zu Hause seien und darum vermehrt Feststellungen machen können, die den Verkehr betreffen.

Psychologin: «Da bietet es sich an, davonzurasen»

Charlotte Wunsch, Verkehrspsychologin aus Baden: «Im Moment kann man sich wegen der Vorgaben von Bund und Kanton draussen nicht so zeigen wie sonst – Auto zu fahren hingegen ist möglich wie immer: Gerade für Menschen, die ausser ihrem Auto nicht viel haben, eine Option, um sich zu präsentieren beziehungsweise zu posen.» Dass es zu Tempoexzessen kommt, überrascht die Psychologin nicht: «Bei Menschen, die in beengenden Verhältnissen wohnen, können sich momentan viele Emotionen aufstauen. Dampf abzulassen, ist aufgrund der vielen Einschränkungen momentan nicht einfach für junge Leute. Da bietet es sich an, ins Auto zu sitzen und davonzurasen.» Hinzu kommt: Eine freie Strasse könne dazu animieren, schneller zu fahren. «Sie weckt das Gefühl der Sicherheit. Das zeigt sich nachts um 3 Uhr auf Autobahnen – da sind auch verhältnismässig viele Leute zu schnell unterwegs.»

Der Lockdown könne auch das Gegenteil bewirken: Dass die Menschen entspannt unterwegs sind. «Man muss ja nicht mehr pressieren, die Tage sind weniger getaktet.»

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