Freienwil

Weiterhin Konzerte im «Weissen Wind»: Orientalische Klänge auf der Guckkastenbühne

Im Saal des Restaurants «Weissen Wind» in Freienwil wähnte man sich in einem arabischen Lokal, im Tessin und auch in einem Jazzkeller - dank der Band Arbazar.

Die Guckkastenbühne des Saals im «Weissen Wind» in Freienwil ist eine Rarität: Um 1910 herum gebaut, findet man solche Bühnen mit Portalrahmen nur noch selten. «Eingerahmt» waren am Freitagabend die fünf Musiker der Band Arbazar. Für Bandleader Petrin Töndury war es ein Heimspiel: Er kommt aus Freienwil und war schon «etwas nervös, das halbe Dorf im Publikum zu sehen», wie er der Redaktorin nach dem Konzert erzählte. Die vier weiteren Musiker kommen aus den Regionen Baden, Brugg und Zürich.

Petrin Töndury spielt Oud, eine arabische Laute, Miguel Oliveira portugiesische Mandoline, Pascal Piller Gitarre, Pascal Ammann Kontrabass und Eduardo Bichili Perkussion. «Heute spielen wir für euch Longas, das ist eine arabische Liedform, Klezmer, Tessiner Volksmusik und eigene Stücke», so Bandleader Töndury. Zu fast jedem der klingenden Stücke erzählte er etwas zur Herkunft oder zum Takt. «Alle Stücke haben wir neu harmonisiert, das heisst, wir haben eigene Grooves eingebaut, deshalb klingen sie anders als im Original.»

Rasch wippte das Publikum jeglichen Alters mit den Füssen und nickte mit dem Kopf, denn die orientalische Musik riss mit. Die fünf Musiker, vier davon sind ausgebildete Gitarristen, kommunizierten wortlos, nur mit Blicken, spielten ihre Instrumente virtuos und teils mit einigem Schalk in den Augen. Köstlich, dem Kontrabassisten Pascal Ammann zuzusehen, wie er sein Instrument mal mit den Händen, mal mit dem Bogen zu tiefsten Tönen brachte, die zusammen mit dem Können von Perkussionist Eduardo Bichili den Teppich schaffen für Oud, Gitarre und portugiesische Mandoline.

Musik mit einem Augenzwinkern

Auf einen Tessiner Walzer folgten jazzig angehauchte Melodien und rasante Tempiwechsel, die in einen modernen Jazzkeller genauso gut passen würden wie auf grosse Bühnen. Die Musiker von Arbazar – die Band gibt es erst seit drei Jahren – haben nicht nur Humor beim Spielen, sondern auch bei der Betitelung ihrer Stücke. So heisst eines «Swing Or Die», ein anderes lautmalerisch «Chrüschtümtüm». «Da ändert der Name immer wieder, weil wir uns noch nicht einig sind», so Töndury lachend. Das Publikum, bunt gemischt von Jung bis Alt, applaudierte so kräftig, dass die Band nochmals auf die Bühne kam und ein «schönes Bettmümpfeli zum Heigah» spielte.

Wie das Badener Tagblatt berichtete, schliesst das Res­taurant "Weisser Wind" Ende Januar. Konzerte, Lesungen und Events werden im schmucken Saal aber weiterhin stattfinden, so Tobias Suter, Präsident des Vereins Kultur im Saal: «Das Restaurant und wir arbeiten zwar zusammen, sind aber unabhängig voneinander. Somit gibt es weiterhin jeden Monat einen Anlass auf der einzigartigen Guckkastenbühne.» Platz bietet der Saal mit dem heimelig knirschenden, knackenden Holzboden für maximal 80 Personen. «Von unseren rund 50 Mitgliedern erhalten wir immer wieder Tipps, welche Künstlerinnen und Künstler wir einladen könnten. So kommt ein sehr buntes Programm zusammen, bei dem man immer wieder Neues entdeckt», so Tobias ­Suter.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1