Den Prozess für die Umstellung auf die Schulstruktur 6/3 habe man in Baden frühzeitig angegangen, schickt Ruth Müri, Stadträtin und Schulvorsteherin, voraus. Das sei zwingend gewesen. Alex Grauwiler, Geschäftsleiter der Volksschule, erklärt, warum: «Baden ist mit acht Schulstandorten von der Umstellung besonders betroffen.»

Massive Veränderungen

Die Umstellung brachte sowohl räumliche als auch personelle Konsequenzen mit sich. Am stärksten betroffen war die Bezirksschule: «Mit dem Wegfall von 240 Lektionen reduzierte sich die Stellenzahl im Lehrkörper um 8,5 Vollzeitstellen», sagt Grauwiler.

Härtefälle habe man vermieden, indem in jüngerer Zeit nur noch befristete Stellen ausgeschrieben wurden. Dennoch sei die Situation für die Schule wie die betroffenen Lehrkräfte belastend gewesen. 

Beim Kindergarten und bei der Primarschule wurden vorwiegend umstellungsbedingt 30 neue Lehrpersonen angestellt. «Wir waren in der komfortablen Lage, dass es in Baden für jede ausgeschriebene Stelle mehrere Bewerbungen gab», fügt Lisa Lehner, Schulleiterin in Rütihof an. Allein an ihrem Schulstandort wurde der Lehrkörper von 29 auf 35 Personen aufgestockt. Darunter sind keine Bezirksschullehrer, die an die Primarstufe wechseln wollten – ausgenommen von einer Fachlehrerin.

Eine intensive Vorbereitungszeit erlebten diejenigen Primarlehrer, die neu eine sechste Klasse übernommen haben. Die Sechstklasslehrer hätten sich im Team eingearbeitet, erzählt Martin Küng. «Wir profitierten dabei von zwei Lehrkräften aus dem Kanton Zürich, die Erfahrungen mitbrachten», sagt Küng.

Logistische Herausforderung

Für die Schulkinder sei die Umstellung eine Chance. Sie können in derselben Zusammensetzung und bei derselben Lehrperson ein weiteres Jahr zusammenbleiben, was in diesem Alter wertvoll sei, so Küng. Als älteste Schüler auf dem Pausenplatz werde man sie im sozialen Bereich einbinden und ihnen Aufgaben übertragen wie etwa als Peacemaker (Friedensstifter). Anspruchsvoll sei es für den Lehrer darum, weil sich die Schere zwischen starken und schwachen Schüler in der sechsten Klasse weiter öffne, sagt Küng. Er geht zuversichtlich in die Umstellung: «Der Rest der Schweiz kann es ja auch.»

Wenig Veränderungen verzeichnen die Sekundar- und Realschule. Weil die Ehrendinger Oberstufe neu in Baden die Schule besucht, reduzierte sich der Klassenbestand mit 6/3 nur um eine Abteilung. Zwei Oberstufenklassen wurden von der Schulanlage Pfaffechappe ins Schulhaus Burghalde 2 umquartiert. Damit gab es Platz, sodass man zwei Primarklassen vom benachbarten Schulhaus Tannegg in die Pfaffechappe umplatzieren konnte.

Im Meierhofquartier wie in Rütihof wird mit Container-Provisorien die Zeit überbrückt, bis die geplanten neuen Schulhäuser stehen. In Dättwil musste die Spielgruppe der neuen Kindergartenabteilung weichen. «In zwei Jahren ist die Zahl der Kindergartenabteilungen von 16 auf 20 gestiegen», führt Grauwiler aus. Die Tagesschule im Schulhaus Ländli erhielt ebenfalls eine 6. Klasse. Dort wird ein Provisorium aufgebaut, das vorher in Lengnau gestanden hatte. Bis er bezugsbereit ist, findet das Mittagessen in einem Zelt statt. Keine grösseren räumlichen Massnahmen waren am Schulstandort Kappelerhof nötig.

Erste Klasse im Feuerwehrlokal

Aufwendig war auch die Umverteilung von Schulmobiliar und Lehrmitteln. Dutzende von Schulbänken und ein Mehrfaches an Stühlen wurden innerhalb der Schulstandorte gezügelt. «Wir wollten vor allem Kosten einsparen und unnötige Beschaffungen vermeiden», erklärt Grauwiler. Unter dem Strich werde die Schule im laufenden Rechnungsjahr für den Steuerzahler nicht teurer, als sie im Jahr 2015 sein werde.

Alex Grauwiler zieht ein positives Fazit zum ersten Schultag: «Alles hat geklappt, auch wenn wir da und dort kurzfristige Lösungen treffen mussten, die viel Flexibilität erforderten». Zum Beispiel am Schulstandort Rütihof, wo die Raumnot besonders akut ist. Die beiden ersten Klassen gehen die ersten vier Schulwochen im Feuerwehrlokal zur Schule, weil die Container für das Provisorium wegen Lieferschwierigkeiten erst jetzt eingerichtet werden können.

Die Lehrpersonen seien zuerst erschrocken gewesen, sagt Lisa Lehner. Und einzelne Eltern hätten auf den Informationsbrief hin sogar erbost reagiert. «Wer von diesen Eltern in den vergangenen Tagen hier vorbeispazierte und einen Augenschein nahm, zeigte sich aber angenehm überrascht darüber, wie liebevoll das Schulzimmer eingerichtet ist», so Lehner. Und den Kindern gefällt es im Feuerwehrlokal offensichtlich.