Wettingen

Wegen Coronakrise: Busflotte von Stöcklin Reisen stand fünf Monate still – Umsatz fast komplett eingebrochen

Ein Car von Stöcklin Reisen.

Ein Car von Stöcklin Reisen.

Die Coronakrise trifft das Familienunternehmens Stöcklin Reisen AG gleich doppelt. Der erste Grund hat mit Italien zu tun, der zweite mit Senioren.

Soeben hat Emil Schmid dem Schweizerischer Nutzfahrzeugverband (Astag) Zahlen für eine Umfrage geliefert. Und diese Zahlen sind ernüchternd. Die Busflotte seiner Stöcklin Reisen AG hat in diesem Jahr bis Ende August 6320 Kilometer zurückgelegt. Im letzten Jahr waren es im gleichen Zeitraum 43'800 Kilometer.

«So etwas habe ich noch nie erlebt. Das ist ein Rückgang von 86 Prozent», sagt der 83-jährige Inhaber und Geschäftsleiter. Noch schlechter sieht es beim Umsatz des Wettinger Reiseveranstalters aus. Dieser ist von 2,377 Millionen Franken auf 182'000 Franken zurückgegangen. Ein Einbruch von 92,3 Prozent.

Die Coronakrise trifft das Geschäftsmodell der Stöcklin Reisen AG gleich doppelt. Zum einen hat sich das Familienunternehmen auf Reisen nach Italien spezialisiert, das zu Beginn der Pandemie besonders hart getroffen wurde. Zum anderen spricht man mit den Kur- und Wellnessarrangements eine eher ältere Kundschaft an, die den Begriff Risikogruppe durchaus ernst nimmt.

Ganze fünf Monate stand die Busflotte der Stöcklin Reisen AG still. Anfang März, als Italien in den Lockdown ging, musste die Firma in einer Nacht- und Nebelaktion all ihre Feriengäste umgehend in die Schweiz zurückführen. Zwei Tage später wurden die Zulassungen der Cars deponiert. Erst Mitte August wurden wieder erste Reisen angeboten. «Theoretisch wäre das früher möglich gewesen, aber die Zurückhaltung der Leute ist noch immer gross», sagt Schmid.

Mit sechs Personen im Bus nach Ischia

Für die zweite Augusthälfte habe man gute Buchungszahlen gehabt, «aber drei Viertel der Italienurlauber bekommen vor Antritt der Reise kalte Füsse, obwohl Italien die Pandemie im Vergleich mit anderen Mittelmeerländern gut gemeistert hat», sagt Schmid.

Letzten Freitag fuhr erstmals ein Bus auf die Insel Ischia. Zehn Personen stornierten ihre Reise kurz vor dem Start, am Ende sassen noch sechs Personen im Bus. Die Rückmeldungen jener, die ihre Reise angetreten haben, seien positiv. «Die Leute fühlten sich sicher und sind froh, dass sie es gewagt haben.»

400'000 Franken an Anzahlungen hat Stöcklin Reisen vor Ausbruch der Pandemie an die Hotels bezahlt. Geld, das wohl nicht zurückgefordert werden kann. «Wir hoffen einfach, dass die Hotels nicht pleite gehen und die Anzahlungen für künftige Buchungen Gültigkeit haben», sagt der Firmeninhaber.

Die Destination Italien macht 80 Prozent des normalen Jahresumsatzes aus. Ein anderes Ziel ist der Kurort Bad Wörishofen in Bayern. «Die Reisen nach Deutschland laufen besser, die Leute haben weniger Angst. Nur etwa die Hälfte der Buchungen werden storniert», sagt Schmid.

Für die sieben Vollzeitangestellten im Büro und für die drei Buschauffeure hat die Firma seit März bis auf weiteres Kurzarbeit beantragt. Auch das Jahr 2021 wird für die Branche nicht einfach, glaubt Schmid.

Er hofft, dass 2022 alles wieder normal wird. «Vieles wird von der medizinischen Entwicklung und der Verfügbarkeit eines Impfstoffes anhängen.» Bis dann sei es das Ziel, die Belegschaft zu halten und irgendwie über die Runden zu kommen.

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