Ehrendingen

Weder Tricks noch Hellseherei: Mentalist Tobias Heinemann lässt sein Publikum staunen

Mit verbundenen Augen errät Tobias Heinemann Gegenstände. Bild: ub

Mit verbundenen Augen errät Tobias Heinemann Gegenstände. Bild: ub

Der Mentalist Tobias Heinemann versetzte das Publikum in der ausverkauften Bühne Heimat mit seiner Show «Journey» ins Staunen.

Tobias Heinemann steht mit verbundenen Augen auf der Bühne Heimat in Ehrendingen und hält das Handgelenk einer Zuschauerin. Sie hat kurz zuvor aus dem Publikum spontan vier Gegenstände eingesammelt.

Der Mentalist und Gedankenleser errät sie alle. Sogar den zusammengeklappten Blindenstock. Ebenfalls mit Augenbinde beendet er einen Rubikonwürfel in Windeseile. Die Schweissperlen auf seiner Stirn zeugen davon, dass er hoch konzentriert ist.

Die Anwesenden verzeihen ihm den Patzer

«Die Hitze im Raum hat mir zu schaffen gemacht», gesteht er nach der Show. Deshalb muss der erfahrene Bühnenprofi auch eine Dame unverrichteter Dinge ins Publikum zurückschicken und wieder neu ansetzen. Die Anwesenden verzeihen ihm den Patzer schnell, denn kurz darauf werden sie vom kahlköpfigen Protagonisten mit dem eindringlichen Blick erneut in Bann gezogen. Er errät die unausgesprochenen Träume und vergangenen Erlebnisse seiner Zuschauer. Zum Beispiel ein Unfall im Wald, ein Bad mit Delfinen oder eine Nacht am Lagerfeuer in Zimbabwe.

Um sich alle 52 Karten eines frisch gemischten Kartenspiels zu merken, braucht er bloss 30 Sekunden. «Das ist reines Gedächtnistraining», meint Heinemann, «ich verbinde jede Karte mit einer Persönlichkeit und einer Aktion oder einem Gegenstand. Alles Dinge, die ich mir leicht vorstellen kann.» Herz Sieben ist für ihn beispielsweise 007 James Bond, Herz Acht Ursula Andress, die als Bond-Girl im Bikini aus dem Wasser steigt.

Tipps zur Gedächtnis-Optimierung gibt Heinemann in seinem Buch «Entfessle Dein Potenzial». Darin erfahren die Leser auch, wie man erkennt, ob jemand lügt. Oder seine eigenen Ziele beim Gegenüber besser durchsetzen kann. Die Schlussnummer, in der Heinemann seine Manipulationskünste auf die Spitze treibt, ist für «Normalsterbliche» schlicht nicht nachvollziehbar. Trotzdem fehlt es im abendfüllenden Soloprogramm «Journey» zeitweilig etwas an Drive und einem dramaturgischen Bogen. Vom Können her ist der Mann aber unschlagbar.

Unbewusste Mikro-Signale lesen

Heinemann gibt sich nach seinem Auftritt völlig unprätentiös. Hat er einen Trick, um herauszufinden, was sich in den Köpfen des Publikums abspielt? «Nein, absolut nicht. Was ich mache, hat auch nichts mit Übersinnlichem oder Hellseherei zu tun. Aber ich kann die Körpersprache lesen, auch wenn es nur unbewusste Mikro-Signale sind. Dazu stelle ich gezielte Fragen und ziehe dann aufgrund meiner Erfahrungen und Menschenkenntnisse die Schlussfolgerungen.»

Klingt einfach. Ist es aber nicht. Eindeutige Zeichen, dass jemand lügt, gibt es beispielsweise keine. Pauschalurteile funktionieren nicht. «Jeder Auftritt ist anders. Ich präge mir mit meinem fotografischen Gedächtnis alle noch so winzigen Details ein. Bei Manipulationsnummern muss ich meinem Gegenüber wie ein guter Schachspieler immer mehrere Züge voraus sein.»

Seit 20 Jahren reist Heinemann als Künstler und Speaker durch die Welt. Coacht in Workshops Führungskräfte in Kommunikation und Verhandlungsführung. Und schult die Teilnehmer darauf, Bluffs jeglicher Art schneller zu erkennen. Privat sei er allerdings wegen seiner besonderen Fähigkeiten nicht erfolgreicher als andere Menschen. «Wenn ich nicht auf der Bühne bin, schalte ich ab. Für meine Bekannten bin ich nicht Tobias, der Mentalist, sondern einfach Tobias, der Freund.»

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