Atom-Katastrophe
Was, wenn bei uns ein AKW explodiert?

Im Aargau sind 106 Gemeinden weniger als 20 Kilometer von einem AKW entfernt. Der Kantonale Führungsstab, Kantonspolizei-Offiziere, Mitglieder der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz sind für die Gefahrenzonen zuständig.

Martin Rupf, Katja Landolt und Angelo Zambelli
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Während in Japan die nukleare Katastrophe ihren Lauf nimmt, fragt man sich: Was hätte eine solche Katastrophe in unserer Region für Konsequenzen? Wie würde die Bevölkerung evakuiert? Welche Schutzmassnahmen müssten ergriffen werden?

Der Zufall will es, dass der Kanton just gestern Dienstag Mitglieder des Kantonalen Führungsstabes (KFS), Kantonspolizei-Offiziere, Mitglieder der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz sowie Vertreter des Militärs nach Aarau zu einer Schulung zum richtigen Verhalten bei einem AKW-Unfall eingeladen hat.

Viele ergreifen von sich aus Flucht

Der rund vierstündige Kurs habe Einblicke in die Funktionsweise eines AKW oder in die Aufgaben der nationalen Alarmzentrale erlaubt, sagt René Müller, Sektionsleiter Katastrophenvorsorge bei der kantonalen Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz. Die gestrige Weiterbildung bildete gleichzeitig den Auftakt für weitere Schulungen. «In total 12 Kursen geben wir das Wissen an
Gemeinden weiter, die sich in den Gefahrenzonen befinden», so Müller. Im Kanton Aargau sind das insgesamt 106 von 220 Gemeinden.

«Ob und wohin Personen evakuiert werden, entscheidet der Bund», sagt Müller, der auch Stabschef des Kantonalen Führungsstabes ist. Der Führungsstab wird vom Regierungsrat bei Katastrophen, Notlagen und schweren Mangellagen aufgeboten, wenn die bestehenden Verwaltungsstrukturen die Ereignisse nicht mehr bewältigen können.

Auf Gemeindeebene stehen 33 Regionale Führungsorgane (RFO) für den Bevölkerungsschutz zur Verfügung. Diese Bevölkerungsschutzregionen sind geografisch deckungsgleich mit den entsprechenden Zivilschutzorganisationen.

Im Kanton Aargau leben rund 632000 Menschen 20 Kilometer oder weniger weit weg von den AKW Beznau, Leibstadt und Gösgen SO. Müller geht aber nicht davon aus, dass in einem Katastrophenfall so viele Menschen evakuiert werden müssten. «Erfahrungen anderer Länder zeigen, dass rund 50 Prozent der Bevölkerung von sich aus flüchten.»

Regionen sind nicht unvorbereitet

Trotzdem setze man alles daran, auf eine mögliche Katastrophe so gut wie möglich vorbereitet zu sein. «AKW-Unfälle gehören zu den am meisten beübten Szenarien», sagt Müller. Konkret heisst dies: Alle zwei Jahre findet im Kanton eine grosse Notfallübung statt.

Eine Umfrage zeigt: Die Regionalen Führungsorgane im Kanton sind nicht unvorbereitet: «Auf Stabsebene haben wir einen grossen Evakuierungsfall geübt, sprich einen solchen Fall einmal von A bis Z konzeptionell durchgedacht», sagt Christoph Kupper, Leiter der RFO Baden Region. Es würden ausserdem konkrete Pläne zur anschliessenden Gesundheitsversorgung in der Schublade liegen.

Bereit für eine Evakuation seines Zuständigkeitsgebietes mit den rund 17500 Einwohnern wäre auch das RFO Brugg, sagt Chef Rolf Alder: «Die vom Kanton verlangten Vorbereitungen betreffend Verhalten im Zusammenhang mit einem AKW-Vorfall sind getroffen.»