In der Ferne rauscht das Meer, das Kreischen von Möwen ist zu vernehmen. Die Besatzung des Kreuzfahrtschiffes «MS Fantasia» steht an der Reling und blickt in das bis auf den letzten Platz besetzte Theater im Kornhaus. «Tägliche Ausflüge an die wahnsinnigsten Orte dieser Welt» verspricht die Werbung, da kommen auch schon die ersten Passagiere mit riesigen Koffern und flauschigen Stofftieren im Gepäck an Bord. In der folgenden Stunde präsentieren die zwischen sechs und sechzehn Jahre jungen Darstellerinnen und Darsteller unter der Leitung von Simona Hofmann ein abwechslungsreiches Theater zwischen Artistik, Comedy und Tanzeinlagen.

Meerjungfrauen und Piraten

Bereits Homer beschrieb in seinem Epos der Odyssee mystische Kreaturen, die mit ihren betörenden Gesängen unwissende Seefahrer verführen konnten. Genauso ergeht es dem geneigten Publikum in «MS Fantasia». Eine gebrechliche Fischerin verwandelt sich in eine Balletttänzerin – mit ihren geschmeidigen Bewegungen scheint sie fast über die Bühne zu schweben. Dann gibt sie ihre wahre Identität preis: Sie ist die Verlockung. Man würde ihr gnadenlos verfallen, wäre da nicht dieses Mädchen, das immer wieder mit Fragen an die Zuschauer zur Reflexion aufruft. Und so führt einem die Reise hinaus auf das Meer – wir begegnen Meerjungfrauen und Piraten, tauchen weit hinab in das tänzerisch inszenierte Reich der Königin Neptunia.

Humor und Ernsthaftigkeit

Die kurzen Episoden ermöglichen dem Publikum einen tiefen Einblick ins Land der Fantasie. Einige der Darstellungen erinnern mit ihrem Slapstick an Stummfilme im Stil von Buster Keaton oder Charlie Chaplin. Dann wieder werden mystische Unterwasserwelten erschaffen. Aus der Dunkelheit erscheinen Quallen mit langen Tentakeln und tanzen auf der nur mit Schwarzlicht ausgeleuchteten Bühne. Immer wieder werden verschiedenste Narrative aus der Literatur und Popkultur aufgegriffen. Anspielungen auf Hemingways «The Old Man and the Sea» sind ebenso zu finden wie eine ironische Auseinandersetzung mit der «Generation Selfie». Die Kreativität kennt bei «MS Fantasia» keine Grenzen – so zeigen die Nachwuchskünstlerinnen auch was gewesen wäre, wenn die Hardrock-Legenden AC/DC als Schweine geboren wären. Und wie Fredy Mercury in der Bohemian Rhapsody stellt man sich abermals die Frage: «Is this the real life? Is this just fantasy?»