Kommenden Mittwoch wird der Zürcher Gesamtstadtrat mit Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) nach Baden reisen und in der Stadt übernachten. Anlass ist die traditionelle Hirsebreibootsfahrt von Zürich nach Strassburg, die erstmals 1456 durchgeführt wurde.

Damals ging es um eine Wette: Die Zürcher behaupteten, ihren Strassburger Bündnispartnern im Falle von Kriegswirren innerhalb eines Tages zu Hilfe eilen zu können. Den Beweis erbrachten die Zürcher Zünfter und Schützen mit einer Bootsfahrt zu einem Strassburger Schützenfest, wobei der mitgebrachte Hirsebrei bei der Ankunft immer noch warm war, die Fahrt also nicht lange gedauert haben konnte.

Seit 1946 wird die Fahrt alle zehn Jahre wiederholt (Ausnahme: 1966), organisiert wird sie vom Limmat-Club Zürich. Die Zürcher Delegation macht traditionellerweise Halt in Baden, weil die Langschiffe beim Stauwehr Aue aus der Limmat gehoben werden müssen. Bei dieser Gelegenheit führt der Badener Stadtrat jeweils zusammen mit der Zunft zur St. Cordula einen offiziellen Empfang durch.

Dieses Jahr kommt es zu einer Premiere: Die Zürcher Stadtregierung macht nicht bloss einen kurzen Zwischenstopp in Baden, sondern übernachtet sogar in der Stadt, im Hotel Du Parc.

Politiker in historischem Gewand

Nach der Ankunft um 17.30 Uhr beim Stauwehr Aue und der Begrüssung durch die Badener Zunft zur St. Cordula findet um 18.15 Uhr ein Apéro auf dem Cordulaplatz statt, bei dem Badens Stadtammann Geri Müller (team/Grüne) und Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) – beide wie alle anderen Beteiligten in mittelalterlichem Gewand gekleidet – eine Begrüssungsrede halten werden.

Zu diesem Apéro ist auch die Bevölkerung eingeladen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit verbringen Zünftler und Politiker anschliessend den Abend im Bäderquartier. Bei der Zusammenkunft geht es üblicherweise nicht bierernst zu und her. Die Stadtpräsidenten werden versuchen, mit Reden und Gegenreden die Stadt des anderen auf die Schippe zu nehmen. Auch die Zunftmeister legen sich für ihre Stadt ins Zeug. «Für unsere Zunft ist es natürlich eine grosse Ehre, dass wir den Zürcher Stadtrat begrüssen dürfen», sagt
St.-Cordula-Zunftmeister Mario Delvecchio.

Auch der Badener Stadtrat wird komplett anwesend sein. Wird beim Zusammentreffen mit Zürichs Stadtregierung denn auch Ernsthaftes besprochen? Badens Stadtammann Geri Müller sagt: «Wir haben sehr gute Beziehungen zur Stadt Zürich. Es wird ein lockeres Aufeinandertreffen. Politisch wichtige Gespräche werden wir an diesem Abend wohl kaum führen.

Am Donnerstag früh, nachdem die beiden Langschiffe und die zwei kürzeren Übersetzboote per Kahntransportanlage das Wehr passiert haben, geht die Hirsebreifahrt weiter – aber weit gemächlicher als vor 560 Jahren. Am Samstag erst kommt die Delegation in Strassburg an. Innerhalb eines Tages per Flussfahrt im Elsass anzukommen wie damals, ist heute nicht mehr möglich. Die Fliessgeschwindigkeiten von Limmat, Aare, Rhein und Ill waren damals zwei- bis viermal höher, zudem gab es noch keine Hindernisse in Form von Wehren, Kraftwerken und Schleusen. Sie werden teils auch mittels Kran oder Rollenbahn passiert.

Und der Hirsebrei? Anders als im 15. Jahrhundert wird er nur noch auf dem allerletzten Abschnitt auf einem Langschiff mitgeführt. Zuvor wird der Hirsebrei von der Konditorei Sprüngli auf dem Landweg bis ins deutsche Kehl geliefert, der deutschen Nachbargemeinde von Strassburg.