Was wäre, wenn «Züri Tirggel» in Baden «Badener Tirggel» hiessen? «Skandal!», würden die Zürcher rufen. Und genau so rief vermutlich der eine oder andere Badener aus, als er erfuhr, dass der «Badener Stein» in Zürich «Züri Stei» heisst.

Doch eigentlich dürfte es den «Züri Stei» gar nicht mehr geben. Längst müsste er «Badener Stein» heissen, zumindest wenn es nach den Aussagen von Guido Moser, Inhaber und Geschäftsführer von Moser’s Backparadies, geht.

Denn bereits vor sechs Jahren erklärte Moser: Ein Zürcher Konzern sei von den Steinen angetan gewesen, habe diese aber nicht als Präsent aus dem Aargau verschenken können.

Kurzum bot Moser Hand dazu, eine Serie an Verpackungen mit dem Aufdruck «Züri Stei» zu produzieren. Sobald diese aufgebraucht seien, werde es auch in Zürich nur noch ‹Badener Steine› geben, sagte Moser 2009 gegenüber der «Schweiz am Sonntag».

«Züri Stei» macht zu wenig Umsatz

Auf Anfrage erklärt Guido Moser, warum man bis heute in Zürich vergebens nach dem «Badener Stein» sucht: «Wir haben tatsächlich immer noch ‹Züri-Verpackungen› von damals.»

Das habe mehrere Gründe. «Zum einen mussten wir eine sehr hohe Zahl an Verpackungen drucken lassen, damit sich das überhaupt lohnt. Zum anderen macht der ‹Züri Stei› nur 0,25 Prozent des Umsatzes vom ‹Badener Stein› aus.»

Dies, weil Moser’s im Raum Zürich noch stärker als in Baden für seine Sandwichs und sonstigen Take-away-Produkte bekannt sei und nicht für Schokolade. Da sei die Confiserie Sprüngli gefragter und das sei auch in Ordnung so. «Daher macht es für uns wenig Sinn, den ‹Züri Stei› zu bewerben.»

«Züri Stei» bleibt geschützt

An seiner Aussage, den «Badener Stein» auch in Zürich zu verkaufen, sobald die Zürcher Kopie aufgebraucht ist, hält Moser fest.

Wann es so weit ist, kann er nicht sagen, «ich werde aber keine ‹Züri-Verpackungen› wegschmeissen, nur damit es schneller geht. Dafür denke ich zu ökologisch.»

Und Moser bestätigt auch gleich, dass er den bis 2017 gültigen Schutz des Marken-Namens «Züri Stei» beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum verlängern werde.

Aus der Not heraus geboren

Im Gegensatz zur Kopie hat das Original eine bewegte Vergangenheit: Der «Badener Stein» wurde 1937 aus der Not heraus geboren. Die Bäcker in Baden litten unter der weltweiten Wirtschaftskrise.

Der Bäcker-Konditor Karl Herzog wollte sich mit einem neuen Produkt von seinen Konkurrenten abheben und kreierte den «Badener Stein». Ein Volltreffer.

Das fanden auch die Badener Bezirksschüler. Nach Schulschluss stellten sich manche von ihnen in den Gang zur Backstube und baten den Konditormeister um missglückte Schoko-Steine.

1955 übergab Herzog die Lizenz in die Hände von Hans Disler, der kurze Zeit später beim Stadtturm eine Konditorei mit Tea Room führte. Mit den Jahren erlangte der Stein internationale Bekanntheit und wurde in alle Welt verschickt, heisst es in der Datenbank «Kulinarisches Erbe der Schweiz».

Anfang der 1990er-Jahre übernahm die Familie Moser den Disler’schen Betrieb samt Geheimrezept. Anfang der 2000er-Jahre kopierte ein ehemaliger Disler-Angestellter den Stein und verkaufte ihn als «Badener Würfel». Das Geschäft mit dem Würfel musste er allerdings schnell wieder einstellen.

Heute besitzt der «Badener Stein» sogar einen Eintrag auf «Schwyzerdütsch» in der alemannischen Wikipedia: «En Badener Stei hät d Form vo eme quadratische Quader und erinneret so an d Stei vom Schloss Stei, em Wahrzeiche vo de Stadt Bade», schreibt dort ein Autor, der sich schlicht Badener nennt.