Am 15. Mai 2011 hat das Aargauer Stimmvolk der Vorlage für eine Umfahrung Mellingen an der Urne deutlich zugestimmt. Dennoch sind bisher keine Bagger aufgefahren. Dies, weil die zwei Umweltverbände VCS und WWF vor Verwaltungsgericht Beschwerde führen.

Das Gericht verlangte schliesslich ein Gutachten. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission hat dieses längst erstellt. Zu dessen Inhalt äusserte sich bislang allerdings keine der involvierten Parteien, da das Verfahren noch läuft.

Jetzt aber hat Irène Kälin, VCS-Vorstandsmitglied und Co-Präsidentin der grünen Fraktion im Grossen Rat, im «Reussboten» einen kleinen Einblick gegeben. Das Gutachten komme zum Schluss, so Kälin, dass das Umfahrungsprojekt eine massive Beeinträchtigung des Schutzgebiets an der Reuss zur Folge habe. Es erfordere daher wesentliche Korrekturen am Projekt. Welche Korrekturen das sein könnten, sagt Kälin nicht, auch nicht zur az.

Als sich der «Reussbote» meldete, war VCS-Geschäftsführer Micha Siegrist in den Ferien. Siegrist ist nicht glücklich, dass in seiner Ferienabwesenheit eine Medienanfrage zur Umfahrung Mellingen positiv beantwortet worden ist. Er sagt denn auch materiell nichts zum Stand der Dinge, da das Verfahren noch läuft.

Nur so viel: Nach einem Schriftenwechsel-Hin-und-Her zwischen dem Kanton und den zwei beschwerdeführenden Verbänden VCS und WWF komme das Gericht bald zum Zug. Er hofft, dass bald ein Entscheid fallen kann. Siegrist: «Wenn etwas so lange dauert, wird uns ja immer wieder unterstellt, dass wir Verzögerungstaktik betreiben. Das ist aber nicht so, solche Verfahren belasten auch uns, wir sind an raschen Entscheiden interessiert.»

Die Anfrage sei während der Ferienabwesenheit des Geschäftsführers an sie gekommen, sagt Kälin dazu. Der VCS-Vorstand habe es richtig gefunden, sich zu äussern. «Allerdings», so Kälin zur az, «habe ich zum Gutachten nicht materiell Stellung bezogen, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.» Sie gebe vor allem ihrem Unmut über die «Verzögerungstaktik des Kantons» Ausdruck. Hätte der Kanton dieses Gutachten schon von Anbeginn eingeholt, wäre es gar nie so weit gekommen. «Jetzt liegt der Ball beim Gericht.»

Gretener im Gespräch mit Kanton

Seit dem Artikel im «Reussboten» wird der Mellinger Gemeindeammann Bruno Gretener öfters darauf angesprochen, ob das stimme und wie es jetzt weitergehe. Er hält sich aber weiterhin daran, während des laufenden Verfahrens materiell keine Stellung zu nehmen.

Bezüglich Kommunikation über den aktuellen Stand und die geplanten weiteren Schritte sei er im Gespräch mit dem Kanton, sagt er zur az. Beim zuständigen Baudepartement bleibt auch Sprecher Benno Schmid dabei: «Der Kanton ist in diesem Verfahren Partei. Er kann nichts sagen, solange kein rechtsgültiges Urteil vorliegt.»

So ist weiter warten auf den Gerichtsentscheid angesagt. Erst mit dem Urteil dürfte klar werden, welche Änderungen nötig sind, damit die Umfahrung an die Hand genommen werden kann.