Kleine und grosse Figuren stehen dicht nebeneinander. Durch ihre Materialität, ihren Blick und die Körperhaltung entfalten sie eine ungeheuer starke physische Präsenz im Raum. Dazu kommt das ganz spezielle Nordlicht, dass durch die Atelierfenster auf die Skulpturen fällt. Die Stimmung ist magisch. Der Werkzeugschrank sieht aus, als ob der Künstler mal eben kurz weggegangen ist.

Ein Sammelsurium an Bildhauerutensilien wie Schwämme, Benzinwachsbehälter, Meissel und Spachtel türmen sich in den Regalen. Auch das Klavier steht noch in der Ecke, auf dem der 1981 verstorbene Wettinger Bildhauer Walter Huser abendelang gespielt hat. «Musik diente ihm als wichtige Inspirationsquelle für sein Schaffen», erinnert sich Sohn Walter, der mit seiner Frau seit 41 Jahren im Welschland lebt.

Auf Wunsch der Kulturkommission wurde ab 2010 die väterliche Werkstatt in Wettingen an zwei Tagen im Monat für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seither lassen sich viele Besucherinnen und Besucher von der unvergänglichen Schönheit des bildhauerischen Œuvres berühren. «Unser Vater war immer zu Hause, das war für uns vier Kinder wunderbar», erinnert sich der Künstlersohn, «wenn wir ihm beim Modellieren zusahen, fühlten wir uns geborgen.»

Bis nach Schanghai

Der 1903 in Wettingen geborene Walter Huser machte seine Lehre beim Vater von Eduard Spörri und heiratete später dessen Tochter Anna. Bevor er seinen Hausstand einrichtete, begab er sich auf Auslandsreisen, um seinen künstlerischen Horizont zu erweitern. Die kreative Leidenschaft trug ihn über schwierige Zeiten hinweg. Zeitlebens vermisste er seine Mutter; sie starb, als er eineinhalb Jahre alt war. Hart geprüft wurde die Familie auch durch den Tod eines ihrer Kinder, das – gerade mal fünf Monate alt – dahinschied.

Immer wieder widmete sich Huser in seinem Schaffen Mutter-Kind-Darstellungen. Vor allem mit Aufträgen für Grabbildhauerei und Porträtköpfe brachte der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Bildhauer seine Familie über die Runden. Zahlreiche seiner Statuen – vorwiegend weibliche Akte – schmücken öffentliche Pärke und Plätze; zum Beispiel in Divonne les Bains, Glarus, Ascona und Gais. Beim Aufstieg zum Friedhof Wettingen findet sich die «Träumende» und den Eingang zum Bäderquartier säumt die «Sinnende».

Sogar bis nach Schanghai haben es eine Tierplastik und zwei Reliefs geschafft. «Mein Vater hat mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, das Wesen des Schönen zu erschliessen und in eine Form zu bannen», beschreibt Walter Huser die Antriebsfeder seines bildhauenden Papas. Zeitgenössische Einflüsse oder Provokation interessierten den passionierten Skulpteur nie.

Er suchte nach Harmonie und einer klassischen Ästhetik. Anmutig und wie beseelt wirken die Bronze- und Gipsfiguren im Wettinger Atelier. Sie strahlen eine Ruhe und Kraft aus, die sich unwillkürlich auf den Besucher überträgt. Walter Huser junior will das Andenken an seinen Vater weiterhin wahren. Als Nächstes steht die Umgestaltung des Gartens rund um die Wettinger Künstlerwerkstatt auf dem Plan, damit noch mehr Figuren darin gezeigt werden können.

Atelier Walter Huser, Bifangstrasse 15, ist in nächster Zeit an folgenden Daten geöffnet: 28. 2./1. 3., 28. 3./29. 3., 25. 4./
26. 4., 30. 5./31. 5., 27. 6./28. 6.; samstags 15 bis 18 Uhr und sonntags 11 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung 076 443 19 41.