Wettingen
Waldkindergarten kommt nicht: Zu viele Hindernisse im Weg

Trotz generellem Anklang lehnt Einwohnerrat das Projekt nach Diskussionen ab

Luca Belci
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Wettingen verfügt über eine grosse Waldfläche, doch kann diese nicht für einen Kindergarten genutzt werden. (Symbolbild)

Wettingen verfügt über eine grosse Waldfläche, doch kann diese nicht für einen Kindergarten genutzt werden. (Symbolbild)

Sandra Ardizzone

Der Einwohnerrat von Wettingen hat das Projekt Waldkindergarten versenkt. Der Gemeinderat begründete seinen Antrag zur Ablehnung mit «den hohen Kosten, der ungewissen Einsparung eines Kindergartenschulzimmers und dem Nutzen für eine geringe Anzahl von Kindern» (az vom 10. 6.). Der Rat nahm diesen Antrag mit 35:0 Stimmen bei 7 Enthaltungen an. Der Waldkindergarten hätte nach den Abklärungen des Gemeinderates auf der Tödiwiese eingerichtet werden sollen. Der Wettinger Wald könne aufgrund des Lägernschutzdekrets nicht genutzt werden.

Die Finanzkommission empfahl den Waldkindergarten ebenfalls zur Ablehnung. Fiko-Mitglied Philipp Bürgler (FDP) erklärte: «Der Wald eignet sich nicht dafür und die Tödiwiese dient der Gemeinde als strategische Reserve für Schulbauten.» Diese wolle man nicht aufgeben. Weiter lasse die aktuelle finanzielle Lage ein solches Projekt nicht zu. «Der Vorstoss sah ursprünglich einen Waldkindergarten vor, der geplante Wiesenkindergarten könne nicht das gleiche bieten», sagt Bürgler.

Postulant Robin Bauer (CVP) weibelte noch für seinen Vorschlag, doch auch er sah ein, dass die Anforderungen des kantonalen Bildungsdepartements in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Neu muss die Hälfte des Unterrichts in einem geeigneten Raum stattfinden. «Bei einem Waldkindergarten ist das zwar schwierig, aber nicht unmöglich», sagte Bauer.

Chancengleichheit für alle Kinder

Das Argument des Gemeinderates, der Waldkindergarten würde die Chancengleichheit für die Kinder verfälschen, liess Bauer nicht gelten: «Das ist eine Frechheit. Wie ist die Gleichheit gewährleistet, wenn einige Kinder in einen neu gebauten Kindergarten dürfen und andere einen mehrere Jahrzehnte alten besuchen müssen?» Der kantonale Lehrplan sorge für genügend Gleichheit. Robin Bauer betonte, es sei für ihn wichtig, dass die Kinder sich in der Natur bewegen. «Meine Kinder erzählen gerne vom Wald und den Begegnungen mit dem Förster», sagt Bauer.

Die Fraktion SP/WettiGrüen stellte sich als Einzige hinter den Vorschlag Bauers: Lea Schmidmeister (SP) forderte den Gemeinderat auf, weitere Orte in Betracht zu ziehen und zu überprüfen. Die anderen Parteien lehnten den Waldkindergarten geschlossen ab. So meinte Michaela Huser (SVP), es sei die Aufgabe der Eltern, mit den Kindern in den Wald zu gehen. Thomas Benz (CVP) sagte, es sei wichtig, gute Ideen zu verfolgen, doch müsse man diese auch aufgeben können. «Ich persönlich finde es aber bedenklich, dass unser grosser Wald keinen Platz für einen kleinen Waldkindergarten bietet.» Er bedauere, dass das Recht so stark einschränke.

Der zuständige Gemeinderat Philippe Rey bedankte sich bei den vielen Romantikern im Saal und den von ihnen vorgebrachten Geschichten. «Es bricht mir das Herz», erklärte er. Die kantonalen Vorgaben seien eine grosse Hürde und Wettingen könne es sich aktuell nicht leisten, bei diesem Projekt eine Vorreiterrolle einzunehmen. «Denn seit der Verschärfung der Vorgaben ist im Aargau kein neuer Waldkindergarten mehr entstanden», bekräftigte Rey.

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