Gut zwei Monate hat der Mellinger Gemeinderat Beat Gomes (parteilos) geschwiegen. Nun geht er in die Offensive: Anfang Woche hat er dem Gemeinderat einen fünfseitigen eingeschriebenen Brief geschickt, wie der «Reussbote» berichtet. Im Schreiben fordert Gomes die Exekutive zum einen auf, den Ressortentzug aufzuheben und die Ressorts wie vorher oder neu zu verteilen.

Zum anderen verlangt er vom Gemeinderat, dass dieser öffentlich die passenden Worte findet, um Gomes’ Ruf und seine Ehre wiederherzustellen. Doch von vorn: Mitte August hatte der Gemeinderat seinem Mitglied Beat Gomes einen Teil seiner Ressorts entzogen. Zu diesem Entscheid habe unter anderem mehrfaches Fehlverhalten, Missachtung des Kollegialitätsprinzips und Gomes’ Verhalten gegenüber Mitarbeitenden und Behörden- sowie Kommissionsmitgliedern geführt, teilte die Exekutive mit.

Auf Details ging sie aufgrund des Amtsgeheimnisses nicht näher ein. Gomes seinerseits sagte, dass der Ressortentzug unter anderem mit seiner Doppelrolle als Journalist und Gemeinderat zu tun habe, sprich, dass er dem «Reussboten», für den er heute noch als freier Mitarbeiter schreibt, zu nahe stehe. An der ausserordentlichen Gemeindeversammlung Ende September informierte der Gemeinderat, dass er erwäge, eine externe Person beizuziehen, um die bestehenden Differenzen zu bereinigen. «Statt einen Mediator beizuziehen, wäre es mir lieber, man würde mir mitteilen, was man mir konkret vorwirft», sagte Beat Gomes damals der «Schweiz am Wochenende».

20 Tage Zeit für Begründung

Doch: Bis heute hat er keine richtige Begründung erhalten, weshalb ihm Ressorts entzogen wurden – weder schriftlich noch mündlich. «Die Vorwürfe sind unhaltbar und nicht nachvollziehbar. Die Anschuldigungen akzeptiere ich in keiner Weise», sagt Gomes auf Anfrage der SaW. Es werde viel geredet in Mellingen, nun habe er genug. «Ich fordere den Gemeinderat auf, dass er mir anhand von beweisbaren Beispielen aufzeigt und begründet, wann ich das Kollegialitätsprinzip verletzt habe.»

Der Gemeinderat solle ihm diejenigen Mitarbeitenden nennen, die im amtlichen Umgang mit ihm Grund zur Beschwerde gehabt hätten. «Mein Ruf ist ramponiert und meine Ehre verletzt. Deshalb verlange ich, dass sich die Exekutive öffentlich äussert. Mit geeigneten Worten sollen mein Ruf und meine Ehre wiederhergestellt werden.» Nicht zuletzt will Gomes seine Ämter zurück – oder zumindest, dass die Ressorts neu verteilt werden. Hält der Gemeinderat hingegen an seinem Entschluss, dem Ressortentzug, fest, so fordert Gomes ihn auf, innert 20 Tagen nach Eingang des Schreibens eine beschwerdefähige Begründung zu seinem Entscheid zu liefern.

«Ich habe ein reines Gewissen», sagt Gomes. Es liege jetzt am Gemeinderat, ihm aufzuzeigen, dass der Eklat nicht nur aus «Jux und Tollerei» geschehen sei. Eine Schlichtung in dieser Auseinandersetzung durch eine unabhängige Person halte Gomes für nicht zielführend.
Wie entgegnet Gemeindeammann Bruno Gretener (FDP) den Forderungen? «Ich kann und will heute noch nichts sagen», sagt er. Denn: Noch hätte er mit den restlichen Gemeinderatsmitgliedern nicht über die Angelegenheit sprechen können.
Man darf gespannt sein auf den nächsten öffentlichen Auftritt des Gemeinderats: Dieser findet am 20. November bei der Gemeindeversammlung statt.