Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzt sich die Wettinger GLP-Einwohnerrätin Yvonne Hiller ein. Deshalb reichte sie im Oktober zwei Motionen beim Gemeinderat ein. In der einen forderte sie diesen dazu auf, ein bedarfsgerechtes Angebot an familienergänzender Betreuung umzusetzen; in der anderen das Anmeldeprozedere für die Kinderbetreuung zu verbessern.

Darüber hinaus lancierte sie im Januar auf der Online-Plattform petitio.ch eine Petition, die am Ende 236 Unterstützer fand: «Die hohe Zustimmung auf petitio.ch macht deutlich, dass das aktuelle Kinderbetreuungsangebot in Wettingen für viele nicht zufriedenstellend ist», sagte Hiller im Januar zur AZ.

Inzwischen hat der Gemeinderat die Motionen beantwortet, aber nicht im Sinne der Motionärin. Die Exekutive empfiehlt den Einwohnerräten, an der nächsten Sitzung vom 14. März eine der Motionen abzulehnen und diejenige zum Anmeldeverfahren in ein Postulat umzuwandeln. Der Gemeinderat hält die Stossrichtung von Letzterer zwar für berechtigt, aber: «Unter den aktuellen Gegebenheiten ist das aktuell entwickelte Anmeldeprozedere das effizienteste.»

In Wettingen sei inzwischen ein Weg gefunden worden, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten. Da widerspricht Hiller: «Nein, familienfreundlich ist die aktuelle Betreuungssituation in Wettingen wirklich nicht», schreibt sie in einer Stellungnahme im Namen der «IG familienfreundliches Wettingen».

Dem habe auch die zahlreiche Beteiligung an der Petition Nachdruck verliehen. «Es gab auch 2018 mehrere Kindergartenkinder, die anfangs Juli noch nicht wussten, ob sie einen Platz haben werden», hielt Hiller in ihrer Motion fest. Ein bedarfsgerechtes Angebot bedeute, dass der Nachfrage entsprechend genügend Angebote vorhanden sind.

Der Gemeinderat geht davon aus, dass die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in den nächsten Jahren weiter ansteigen wird. Deshalb sind künftig auch einige Erweiterungen für Tagesstrukturen, insbesondere für Kindergartenkinder, geplant.

Ineffiziente Anmeldeverfahren

Hiller forderte in ihrer Motion zudem, den Anmeldetermin für Betreuungsplätze zwei bis vier Wochen früher anzusetzen. Bei einer Wartezeit von sechs Monaten störte sie sich daran, dass man bei einer Anmeldung ab Mitte Juni erst im Dezember mit Gewissheit einen Platz habe: «Es kann nicht sein, dass Mütter nicht arbeiten gehen, weil sie keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder oder viel zu spät eine Bestätigung erhalten», äusserte sie ihren Unmut in der Motion.

Der Gemeinderat hält in seiner Antwort eine frühere Ansetzung für nicht möglich, da die endgültigen Stundenpläne immer erst noch vom Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) bewilligt werden müssten. Zudem hätten die Tagesstrukturen in den vergangenen Jahren das Anmeldeprozedere immer wieder angepasst, weil sich manches als nicht effizient erwiesen hatte und einen erheblichen Verwaltungsaufwand nach sich zog. Aus Sicht der Tagesstrukturen sei das aktuelle Prozedere das effektivste und fairste. In den letzten drei Jahren sei mit allen Beteiligten ein Weg gefunden worden, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten: «Bisher gab es keine Wartelisten in den Tagesstrukturen», so der Gemeinderat.

Ein Punkt, der Hiller nervt: «Es ist doch geradewegs absurd, dass die Gemeinde davon ausgeht, dass die Nachfrage gedeckt ist, weil es keine Wartelisten gibt», schreibt sie in der Stellungnahme. Die Eltern könnten sich schlicht keine Unsicherheiten leisten, weshalb sie sich möglichst privat organisieren und nicht auf die Tagesstrukturen verlassen wollen. Alle diese Familien würden auf keiner Liste stehen.

«Die Antworten des Gemeinderats auf die Motionen lassen erkennen, dass die Gemeinde nur wenig Handlungsbedarf sieht», sagt Hiller. Immerhin zeige er sich kooperativ, wenn es darum ginge, das Anmeldeverfahren zu verbessern. Nun ruft sie im Namen der IG dazu auf, der nächsten Einwohnerratssitzung beizuwohnen, wenn die Motionen diskutiert werden.