Baden

Vor dem Cup-Knaller gegen Wacker Thun: «Städtli»-Trainer Björn Navarin im Interview

Manchmal greift STV-Baden-Trainer Björn Navarin selber noch ins Spielgeschehen ein.

Die Handballer des STV Baden empfangen heute im Cup den Titelverteidiger aus dem Berner Oberland. Der ehrgeizige Spielertrainer freut sich auf das Spiel (20 Uhr, Aue).

Seit sieben Jahren ist Björn Navarin (Spieler-)Trainer der Nationalliga-B-Handballer des STV Baden. Der ehrgeizige Deutsche freut sich auf den Cup-Achtefinal von Mittwochabend gegen den Titelverteidiger Wacker Thun. Anpfiff ist um 20 Uhr in der Aue. Obwohl die Gäste Favorit sind, will Navarin das Spiel gewinnen.

Sie sind seit 2008 in der Schweiz im Schweizer Handball tätig – vorher in Deutschland. Wie haben Sie die letzten gut zehn Jahre in der Schweiz erlebt?

Björn Navarin: Mittlerweile bin ich schon so lange hier. Die Familie ist immer noch in Deutschland, aber der Lebensmittelpunkt ist die Schweiz. Das hat mich auch verändert. Typisch deutsche Eigenschaften, wie gleich mit der Tür ins Haus fallen, habe ich abgelegt. Ich bin im Umgang zurückhaltender geworden. Die Schweiz hat mich schon geprägt und ich bin geduldiger geworden …

Geduldig? Sie machen am Spielfeldrand aber oft einen ganz anderen Eindruck?

Es geht um den Einsatz für den Sport. Ich verlange viel, das weiss ich. Vielleicht habe ich meine Mannschaft damit auch schon überfordert. Aber das ist gut so. Viele gehen hier nicht an die Grenzen. Ich will sie aus der Wohlfühloase rausholen.

Der Stellenwert des Sports und insbesondere des Handballs ist in Deutschland ein ganz anderer als hier. Wie empfinden Sie heute den Unterschied, mit dem Blickwinkel aus beiden Ländern?

Die Anerkennung hier ist gering. Das finde ich sehr schade. Der Sport könnte in der Schweiz einen ganz anderen, einen viel höheren Stellenwert bekommen. Und es wäre absolut möglich.

Sie meinen die Schweizer Sportler könnten mehr erreichen?

Definitiv! Man hat es zum Beispiel gesehen mit der Schweizer Handball-Nationalmannschaft. Seit Trainer Michael Suter konsequent auf Spieler baut, welche voll auf die Karte Handball setzen, die ins Ausland nach Deutschland oder Frankreich gehen und sich dort weiter entwickeln, hat diese Nationalmannschaft eine ganz andere Qualität bekommen.

Voll auf die Karte «Sport» setzen ist in der Schweiz mit einem ziemlichen Risiko verbunden.

Das Entgegenkommen der Wirtschaft könnte deutlich besser sein. Für viele Spieler ist es so unmöglich, dass sie alles abrufen können. Viele setzen lieber zu 100 Prozent auf den Beruf. Und bei der Stellensuche ist es in der Schweiz auch nicht gerade hilfreich, wenn im Lebenslauf ein paar Jahre «Profihandballer» steht.

Wie war das bei Ihnen in der Anfangszeit?

Ich kam 2008 in die Schweiz und habe die ersten drei Monate als Handballer gelebt. Da haben mich die Leute oft gefragt: «Geht das? Du musst doch etwas ‹schaffe›».

Tun Sie sich heute noch schwer damit, dass der Stellenwert so so gering ist?

Bei uns in der Nationalliga B ist das eine andere Sache. Da fehlen schlichtweg die finanziellen Mittel. Aber ich sehe auch bei uns einen Fortschritt. Die Spieler sehen ein Ziel und setzen sich dafür ein.

Um nochmals auf Ihre Anfangszeit bei Suhr zurückzukommen. Es gab schon einige Wechsel von Suhr nach Baden. Haben Sie immer noch gute Kontakte zu Ihrem ehemaligen Verein?

Ich kenne noch einige Leute, die damals schon dabei waren. Von den Spielern ist es wohl nur noch Patrick Strebel. Die Wechsel sind vielleicht auch ein kleines Kompliment für mich. Denn die Spieler sehen, dass sie sich hier beim STV Baden weiterentwickeln können.

Gerade jetzt sorgt der Fall des Suhr-Spielers Milan Skvaril für Schlagzeilen, weil er von einem Thun-Spieler wegen eines Fouls angezeigt wurde. Was sagen Sie dazu?

Ich glaube, das ist ein Einzelfall. Und ich kenne nicht alle Hintergründe. Jeder hat natürlich das Recht sich zu schützen. Aber in einem Spiel sind auch sehr viele Emotionen und Handball ist nun einmal ein Vollkontaktsport. Ich habe mir das Video mehrmals angesehen und es ist unglaublich schwierig, zu beurteilen.

Kommen wir zum Cup: Seit dem letzten Cup-Erfolg gegen den TV Endingen habt ihr alle Spiele gewonnen und steht an der Tabellenspitze der NLB, Endingen tut sich hingegen schwer. War das eine Weichenstellung für beide Vereine?

Ich denke, der TV Endingen hat eine extreme personelle Situation. Die Deutlichkeit des Resultates war wohl schwierig für sie. Bei uns war es genau das Gegenteil. Wir haben bereits vor der Saison gesagt, dass wir uns unter den ersten zwei Mannschaften der NLB klassieren und uns dadurch für die Aufstiegsspiele qualifizieren wollen. Der Sieg gegen Endingen tat den Spielern und uns als Verein sicherlich gut. Es war ein Meilenstein und eine Genugtuung, aber keine Wende.

Jetzt kommt mit dem Titelverteidiger Wacker Thun ein anderes Kaliber. Als Trainer können Sie von einer NLB-Mannschaft ja nicht fordern, dass sie die Thuner eben mal so schnell von der Platte putzen. Wie geht man so ein Spiel an?

Grundsätzlich wollen wir natürlich gewinnen! (lacht). Aber man muss der Mannschaft das auch glaubhaft verkaufen, dass es möglich ist. Meine Aufgabe wird es sein, den Spielern zu zeigen, wo unsere Möglichkeiten sind. Und was wir unbedingt verhindern müssen.

Wir müssen ihre Stärken einschränken, dann haben wir eine Chance. Sicherlich ist ein grosser Respekt da und wer Favorit ist, müssen wir nicht diskutieren. Aber wir haben auch Selbstbewusstsein.

Wie gehen Sie diesen Spagat an. Nur mitspielen und Spass haben wollen Sie als ehrgeiziger Trainer sicherlich nicht, aber einfach den Sieg zu verlangen, geht auch nicht. Wie ist die Stimmung im Team?

Die Spieler von Wacker Thun haben viel mehr Erfahrung und Qualitäten als wir. Natürlich hört man mal den lockeren Spruch «die hauen wir weg». Aber ich denke, die Spieler haben viel Respekt vor Wacker.

Aber wir sind nicht die, die es machen müssen. Wir dürfen. Denn manchmal ist es schwierig, mit der Favoritenrolle umzugehen. Das kennen wir selbst aus der Meisterschaft.

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