«Auch nach 40 Jahren präsentiert sich die Kirche in einem einwandfreien Zustand», sagt Josef Monn, während er das Gotteshaus betritt. Nur einige wenige Reparaturarbeiten habe man seit der Einweihung 1977 ausführen müssen, fügt er an. Monn begleitete das Neubauprojekt eng: Er war von 1972 bis 1977 Kirchenpflegepräsident. Mit einem Festgottesdienst, musikalisch gestaltet von den Kirchenchören Bellikon, Künten und Stetten sowie einem Apéro, wird nun am 22. Oktober das 40-Jahr-Jubiläum gefeiert.

Die neue Kirche Bellikon blickt auf eine bewegte Entstehungsgeschichte zurück. «Die Bausubstanz des Kirchturms der alten Kirche war schlecht», erinnert sich Josef Monn. So schlecht, dass man in den 1960er-Jahren begann, sich mit dem Zustand der im Jahr 1855 gebauten Kirche zu beschäftigen. Beispielsweise rostete die Blechverkleidung des Turmes vor sich hin. Auch die Holzstruktur wies prekäre Stellen auf. Bald zeigte sich, dass eine Reparatur nicht mehr möglich war und der Turm ersetzt werden müsste. «Zudem wurde die Kirche für die damals rund 500 Einwohner Bellikons allmählich zu klein.» An der Kirchgemeindeversammlung 1968 wurde beschlossen, die alte Kirche durch einen Neubau zu ersetzen. In den folgenden Jahren zelebrierte das Dorf zwei Kirchenbasare, deren Erlös in den inzwischen gebildeten Kirchenbaufonds floss. «Die Basare waren ein Erfolg. Der Bau einer neuen Kirche beflügelte die Bevölkerung.»

Doch 1974 kam die Kirchgemeindeversammlung auf ihren Entscheid zurück. Sie wollte nochmals prüfen lassen, ob es doch nicht sinnvoller wäre, die alte Kirche zu renovieren und allenfalls mit einem Saalbau zu erweitern. So wurde ein zweiteiliger Projektwettbewerb ausgeschrieben, bei dem der Zürcher Architekt Willi Egli für den Neubau sowie Architekt Hannes Helle aus Bellikon für die Restaurierung und Erweiterung als Sieger hervorgingen. Ein Jahr später wurde an der Kirchgemeindeversammlung zusätzlich ein dritter Antrag eingereicht: Die bestehende Kirche soll nur einer farblichen Auffrischung unterzogen werden. Bei der entscheidenden Abstimmung, als sich nur noch Anstrich und Neubau gegenüberstanden, entschied man sich mit einem klaren Ja für den Bau einer neuen Kirche. Kostenpunkt: rund 1,8 Millionen Franken. Die Baubewilligung wurde im Frühjahr 1976 erteilt – dem Bau der neuen Kirche stand nichts mehr im Weg.

Sprengung wurde nicht goutiert

«Der Bauprozess war intensiv und nicht immer einfach, vor allem in Bezug auf die Baukosten. Wir führten zahlreiche Sitzungen mit dem Architekten durch, der Baukommission und den Bauleuten», blickt Monn zurück. Auch, dass die alte Kirche aus Kostengründen im September 1976 gesprengt und nicht wie vorgesehen rückgebaut wurde, sei von einigen Bellikern nicht goutiert worden: «Viele haben Vorfahren, die geholfen hatten, die alte Kirche zu bauen.» Von der Sprengung selber habe man am gleichen Tag erfahren. «Die Kirchenpflege hätte gar nicht mehr intervenieren können. Dennoch gab es Personen, die erst Jahre später wieder mit mir redeten.»

Wurde gesprengt: die alte Kirche mit dem Pfarrhaus, Foto aus den 1960er-Jahren. zvg

Wurde gesprengt: die alte Kirche mit dem Pfarrhaus, Foto aus den 1960er-Jahren. zvg

Die Bauarbeiten verliefen nach Plan: Die neue Kirche konnte innerhalb eines Jahres realisiert werden. Die Gottesdienste selber fanden zwischenzeitlich im Saal der Rehaklinik statt. Am 30. Oktober 1977 weihte Bischof Otto Wüst von Solothurn die neue Kirche ein. «Zu Beginn vermissten viele das alte Dorfbild», sagt der ehemalige Kirchenpflegepräsident. Doch schon bald sei das neue Kirchenzentrum der Gemeinde dank der optimalen Funktion und dem stimmungsvollen Kirchenraum ans Herz gewachsen.

Ganz von der Bildfläche verschwunden ist die alte Kirche aber nicht: Vier alte Glocken, der Taufstein, die Josefsstatue, der Kern der Rosette, die den Kirchenturm zierte, sowie das mechanische Schlagwerk der Turmuhr erinnern an das alte Bauwerk des damaligen Architekten Josef Jeuch aus Baden.

Patricia Fragnito, welche die Kirchenpflege heute präsidiert, freut sich auf die Feierlichkeiten zum 40-Jahr-Jubiläum: «Das gemütliche Beisammensein nach dem Festgottesdienst wird dabei im Fokus stehen.»

Festgottesdienst: Sonntag, 22. Oktober, mit Generalvikar Markus Thürig ab 10.30 Uhr, Neue Kirche Bellikon, Dorfstrasse.