Das Resultat ist eindeutig: «Nur gerade 16 Prozent der Wettinger Bevölkerung favorisiert einen Zusammenschluss mit anderen Gemeinden», lautet das Ergebnis einer Umfrage. Roland Kuster (CVP), Gemeindeammann von Wettingen, sieht sich in seinen Aussagen bestätigt, die er vor einem Jahr zu dieser Zeitung machte: «Der Wille für eine Fusion müsste aus der Bevölkerung kommen, und diesen Willen spüre ich im Moment nicht», sagte er.

Die neusten Zahlen kommentiert er nun folgendermassen: «Wir haben damit gerechnet, dass sich eine klare Mehrheit für die Eigenständigkeit ausspricht. Die Deutlichkeit des Ergebnisses ist aber schon frappant.»

Vor fünf Jahren noch herrschte in der Region Fusionsfieber: Offen wurde von Zusammenschlüssen Badens mit umliegenden Gemeinden geträumt – darunter auch Wettingen. Von einer Stadt mit 70 000 Einwohnern war die Rede, die es in die Rangliste der zehn grössten Schweizer Städte hätte schaffen können.

55 Prozent der Badener Bevölkerung hätte damals eine Fusion mit Wettingen befürwortet, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag dieser Zeitung zeigte. Doch die Euphorie wich Ernüchterung, als die Gespräche zwischen Baden und Ennetbaden ins Stocken gerieten und spätestens, als der Wettinger Einwohnerrat einen Vorstoss ablehnte, der Zusammenschlussgespräche mit Baden forderte.

Dass Wettingen Nein zu einem Hochzeitsantrag aus Baden sagen würde, überrascht somit nicht. Und doch ist das Umfrageergebnis ein Dämpfer für jene, die hoffen, dass aus den Nachbarn eines Tages Partner werden könnten.

Marco Kaufmann, Präsident des Vereins Traktandum 1, der sich für eine engere Zusammenarbeit der Gemeinden in der Region bis hin zu Fusionen einsetzt, zeigt sich vom deutlichen Ergebnis überrascht. «Dass in Wettingen eine Mehrheit die Eigenständigkeit bevorzugt, damit war zu rechnen. Allerdings ging ich von rund zwei Dritteln bis gut die Hälfte aus. Nur 16 Prozent Befürworter von Fusionen, das ist schon eine enttäuschend tiefe Zahl», sagt Kaufmann, der selber in Wettingen wohnt.

Er äussert leise Zweifel an der Methodik der Umfrage: «Je nach dem, wie die Frage gestellt wurde, kann auch die durch den Gemeinderat gewünschte Antwort provoziert werden.» Und bezogen auf die Gesamtbevölkerung hätten sich lediglich 2,2 Prozent geäussert.

Wettingens Standortmarketingleiterin Sandra Thut stellt klar: «Man kann von einer repräsentativen Umfrage sprechen.» Diese sei in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule St. Gallen durchgeführt worden. 1000 Fragebögen sind laut einer Medienmitteilung nach dem Zufallsprinzip verschickt worden; die Rücklaufquote betrug 46,6 Prozent. Die konkrete Frage lautete: «Soll die Gemeinde Wettingen eigenständig bleiben?»

Auch junge Generation sagt Nein

Auffällig: Auch die jüngere Generation antwortete darauf mehrheitlich mit Nein. Sandra Thut: «Es darf die Aussage gemacht werden, dass es zwischen den Generationen nur marginale Unterschiede bei dieser Frage gibt.» Eine weitere Erkenntnis der Umfrage: Die Wettingerinnen und Wettinger sehen ihre Gemeinde in einer Führungsrolle. Drei Viertel der Befragten gaben an, «die regionale Lösung von spezifischen Aufgaben zu unterstützen», wobei eine Mehrheit findet, Wettingen solle eine «führende Rolle» einnehmen.

Dazu passt die Aussage von Roland Kuster, der vor einiger Zeit verlauten liess, dass Wettingen bis 2040 ein Leuchtturm im Limmattal sein wolle. Marco Kaufmann: «Die Annäherung ans Limmattal ist vielleicht eine Art Trotzreaktion. Im Schatten von Baden zu stehen und höchstens gleichberechtigt zu sein, ist manchen zu wenig. In Wettingen gibt es durchaus einen Lokalstolz.» Von einer Machtgier Wettingens will Roland Kuster derweil nichts wissen. «Aber Tatsache ist, dass wir aufgrund unserer Grösse in vielen Bereichen eine gewisse Professionalität anbieten können, von der auch andere Gemeinden profitieren können.»

Während Wettingen ein klares Bekenntnis zur Eigenständigkeit abgegeben hat, entspannt sich eine andere Beziehung derzeit laut Kaufmann wieder: Diejenige zwischen Baden und Ennetbaden, die in der zweiten Hälfte der Amtszeit des Badener Stadtammanns Geri Müller abgekühlt war.

Dies bestätigt Erich Obrist (parteilos), Badener Stadtrat und ebenfalls Mitglied beim Verein Traktandum 1. «Diese Woche fand ein Treffen zwischen dem Badener Stadtrat und dem Ennetbadener Gemeinderat statt. Der Austausch war sehr gut, man versteht sich.»

Und bekanntlich steht ein Zusammenschluss zwischen Turgi und Baden im Raum. In einigen Wochen wird die Meinung der Turgemer Bevölkerung an einem Workshop eingeholt. Nicht mittels einer repräsentativen Umfrage, sondern anhand einer unverbindlichen Abstimmung, die allerdings mehr als nur symbolischen Charakter haben wird.

Diese Abstimmung soll dem Gemeinderat einen Anhaltspunkt zur Frage geben, wie populär ein Zusammenschluss mit Baden oder allenfalls weiteren Gemeinden im Volk wäre.