Niederweningen

Vom Züribiet in die USA: Die ehemalige FCZ-Spielerin Leandra Flury lebt in Alabama ihren Traum

Im Montagsporträt: Die Niederweningerin Leandra Flury setzt in den USA voll auf die Karte Fussball – und kann trotzdem studieren.

Mit fünf Jahren kickte sie zum ersten Mal für den FC Niederweningen. Jetzt spielt Leandra Flury in den USA – dank eines Sportstipendiums. Anfang August packte die 20-Jährige ihre Fussballschuhe ein und reiste an die Universität in Mobile, der grössten Hafenstadt des Südstaates Alabama.

Dass die ehemalige Spielerin des FC Zürich einmal voll auf die Karte Fussball setzen würde, das konnte sie sich lange nicht vorstellen. «Zwar sagen alle hier, dass Schule wichtig sei. Aber wer dann wegen des Lernens ein Training verpasst, spielt nicht», sagte die Niederweningerin vor kurzem zum «Zürcher Unterländer». «In der Schweiz hatten die Ausbildung und die Weiterbildung oder das Studium oberste Priorität», schreibt sie per Chat aus den USA. Dies mit dem Fussball unter einen Hut zu kriegen, sei schwierig. In ihrer Ausbildung als Krippenbetreuerin hatte sie ein 100-Prozent-Pensum, Berufsschule und an vier Abenden Training mit der U-21-Mannschaft der FCZ-Frauen, wo sie mit elf Jahren begonnen hatte, zu trainieren. Vor 21.30 Uhr zuhause zu sein, war für die junge Frau unmöglich.

US-Universität übernimmt vier Jahre lang alle Kosten

In den USA hingegen sieht das anders aus. «Ich habe die Chance, den Fussball und das Studium optimal zu kombinieren», sagt Leandra Flury. Vier Jahre lang übernimmt die Uni alle Kosten. Nach dem ersten Basisjahr kann sich die 20-Jährige entscheiden, ob sie weitere drei Jahre weiterstudieren möchte. Ideal, um herauszufinden, ob sie als Vollzeit-Fussballerin leben oder doch lieber auf eine Alternative setzen möchte. Beispielsweise, Lehrerin zu werden. Deshalb schrieb sie sich an der Universität Mobile auch für den Studiengang «Education» ein, der in der Schweiz etwa dem Bachelor an der Pädagogischen Hochschule gleichzusetzen ist.

Das US-Abenteuer nahm seinen Anfang vor einem Jahr. Leandra Flury hatte damals soeben ihre Lehrabschlussprüfung zur Fachfrau Betreuung absolviert, als sie über die sozialen Medien eine Anfrage einer Vermittlungsagentur erhielt. Ob sie interessiert wäre, in den USA Fussball zu spielen und zu studieren, wollten Agenten wissen, nachdem sie Leandra Flury in einem Spiel mit den FCZ-Frauen in Aktion sahen. Die Niederweningerin besprach sich mit ihren Eltern, traf sich im Beisein ihrer Eltern mit den Agenten und entschied sich nach etwas Bedenkzeit, das Angebot anzunehmen und einen Vertrag zu unterzeichnen. Gegen 50 Angebote kamen von überall her in den Vereinigten Staaten. Ihre Wahl fiel schliesslich auf das Sportstipendium an der Universität in Mobile, deren Fussballteam in der höchsten College-Liga spielt. Überzeugt hatte sie der schottische Coach des Teams.

Er schrieb Leandra Flury einen persönlichen Brief, erklärte ausführlich, weshalb er die Niederweningerin in der Mannschaft haben möchte. Ihre taktische Schulung beim FCZ, ihre Fähigkeit, sowohl als Innen- als auch als Aussenverteidigerin zu spielen, ihre gute Spielübersicht – dies alles habe ihn überzeugt, schrieb der Coach in seinem Brief. Leandra Flury hätte auch bei sportlich noch erfolgreicheren Universitäten spielen können, wollte aber nicht auf der Bank sitzen, sondern spielen.

Und das kann sie auch: Nach einer intensiven ersten Woche mit Einzug auf dem Campus und zwei Trainingseinheiten pro Tag spielte sie Mitte August im ersten Vorbereitungsspiel ihrer Mannschaft «Jags» aus South Alabama bereits 60 Minuten. Sie verloren zwar 0:3. Leandra Flury zeigt sich dennoch zufrieden. «Es war ein guter Test. Die Spielweise ist aber doch sehr anders als in der Schweiz. Daran muss ich mich noch gewöhnen.» So rücke beispielsweise die Verteidigerkette weniger weit auf. Vor wenigen Tagen startete die neue Saison. Das erste Spiel endete mit 2:2 – nach einem Zwei-Tore-Rückstand. Das zweite Spiel gewann Leandra Flurys Mannschaft überlegen mit 9:0. Der höchste Sieg der «Jags» seit 2013. «Die Tore gaben uns Selbstvertrauen. Der Zusammenhalt im Team ist sehr stark.»

Im Juli noch mit der ersten FCZ-Mannschaft trainiert

Die Niederweningerin freut sich darauf, sich in den USA jetzt intensiv dem Fussball widmen zu können. «Ich möchte mich verbessern, vor allem an meiner Physis arbeiten, aber auch das Gesamterlebnis College geniessen», sagt sie. «Das professionelle Umfeld und die Trainingsbedingungen sind hier in Mobile super.» Im Training mit der ersten Mannschaft der FCZ-Frauen und einem Teileinsatz in einem Freundschaftsspiel gegen die FC-Bayern-Frauen konnte sie sich optimal auf ihren USA-Aufenthalt vorbereiten.

Ihre früheren FCZ-Teamkolleginnen, aber auch ihre engsten Freunde und ihre Familie würde sie in den USA vermissen. «Ich freue mich jetzt schon auf meine Ferien zuhause bei meiner Familie im Dezember», sagt Leandra Flury, fügt jedoch an: «Der Fokus liegt jetzt klar auf dem Fussball und meinem Studium. Vorerst habe ich keine Zeit für Heimweh.»

Meistgesehen

Artboard 1