Das Quartier am Fusse des Martinsbergs, das mit dem Haselfeld bis an die Bahnlinie nach Brugg reicht, war lange Zeit nur sehr dünn besiedelt. In der Römerzeit diente es als Landwirtschaftsland. Viele hundert Jahre später, im Hochmittelalter, stand unterhalb des Felsenkopfs beim heutigen Nordportal die St. Erhard-Kapelle. Von ihr ist nicht mehr erhalten als das Wissen um den Standort.

Der Martinsberg selbst hiess früher auch Schäflisberg oder Wylerberg, weil er über dem Weiler Oberwyl (mit der Kapelle Mariawil) im Kappelerhof liegt. Dort, wo heute das Känzeli steht, stand spätestens im 18. Jahrhundert ein Gipfelkreuz. Noch auf der Michaeliskarte von 1837 gibt es im gesamten Quartier nur sehr wenige Gebäude: Die St. Ursus-Kapelle (1845 abgebrochen), das prägende Bauerngut, den Stadtfriedhof von 1821 (der heute als auch als Quartierpark dient) und einige wenige Häuser an der Bruggerstrasse, im Gstühl und am Hahnrainweg.

Das BBC-Gemeinschaftshaus (ganz hinten) ist noch im Bau. In der Mitte die imposante Halle 30.

Blick vom Lägerngrat auf Martinsberg und BBC-Areal (1952).

Das BBC-Gemeinschaftshaus (ganz hinten) ist noch im Bau. In der Mitte die imposante Halle 30.

Erst um 1900 wurde der alte Feldweg entlang der Hangkante zur Martinsbergstrasse ausgebaut, wie es in der neuen Badener Stadtgeschichte heisst. Bereits um 1920 war schon fast das ganze Haselfeld mit Fabrik- und Wohnhäusern bebaut. Die BBC-Schmiede war dabei lange das «hinterste Haus» des Industriequartiers vor der Engstelle Richtung Kappelerhof.

Das Bauerngut war ein herrschaftliches Landgut, von dem aus das ganze Haselfeld bestellt wurde. 1903 kaufte es die BBC, am Rande der Fabrikstadt geriet es zunehmend in Vergessenheit. Der Konzern richtete hier 1966 eine Kinderkrippe ein, die bis heute besteht. 2012 kaufte die Stadt das Gut und verwandelte den vernachlässigten Garten in einen kleinen, feinen Park neben der neuen Hochhaussiedlung Belétage.

Fast das ganze Quartier zeugt heute von der reichen Industriegeschichte. Das BBC-Glockenhaus am Kreuzweg mit der Jahrzahl 1891 ist eines von nur zwei erhaltenen Gebäuden aus dem Gründungsjahr der Brown, Boveri & Cie. Das Mittagsglöcklein läutet immer noch um Punkt 12 Uhr. Das Industriegebiet, das einst eine «verbotene Stadt» hinter hohen Mauern und mit einem pompösen Eingangsportal an der Haselstrasse war, hat sich seit der Fusion von BBC und Asea im Jahr 1988 stark verändert.  

Einmalige Zeitzeugen

Die Halle 30, «Königin der Badener Fabrikhallen» und grösste Industriehalle der Schweiz, wurde nach langem Ringen um eine Unterschutzstellung 1997 abgerissen. Übrig geblieben sind unter anderem das Kesselhaus, das Hochspannungslabor (heute Trafo), das Zentrallabor (heute Ansaldo), die Schmiede, der Hochbau und die Schreinerei an der Bruggerstrasse sowie das BBC-Gemeinschaftshaus am Abhang des Martinsbergs aus der Feder des Architekten Armin Meili. Der heutige Berufsschulstandort gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Schweizer Nachkriegsmoderne.

An der Stelle der alten Buchdruckerei Wanner wuchs ab 1960 an der Stadtturmstrasse das 15-stöckige BT-Hochhaus in die Höhe. Das sorgfältig sanierte «Gelbe Viereck» des Merker-Areals, die Brauerei Müller und zahlreiche weitere Bauten von Baumeister Louis Mäder sind ebenfalls wichtige Zeitzeugen.

Strassennamen die Schleudergasse und Fabrikstrasse deuten auf die Industrie hin, während die Barbarastrasse, die St. Christophstrasse, die St. Georgstrasse, die St. Ursusstrasse und auch der Damianweg – der bis zur Erstellung der gleichnamigen Siedlung Friedhofweg hiess – auf die reiche katholische Tradition der Stadt Baden verweisen.