Am 26. November wählen die Wettinger ihren neuen Vizeammann. Mit Markus Maibach (SP), Philippe Rey (parteilos) und Martin Egloff (FDP) stellen sich drei Anwärter für das Amt zur Wahl. In einem Leserbrief spricht sich die CVP klar für Markus Maibach aus und empfiehlt ihn zur Wahl. Dass die bürgerliche Partei ausgerechnet auf den SP-Kandidaten setzt, sorgt bei den übrigen Parteien für Erstaunen. Klare Worte findet etwa GLP-Parteipräsident und Einwohnerrat Orun Palit: «Mich hat die Unterstützung der CVP für den SP-Kandidaten sehr erstaunt und sie zeigt mir, dass die Wettinger CVP, wenn es um Finanzen geht, keine bürgerliche Partei ist.»

Denn bei der Wahl gehe es für ihn auch um die Frage, ob die Kandidaten eine bürgerliche Finanzpolitik unterstützen oder nicht. Selber hat sich Palit für Philippe Rey ausgesprochen. «Er hat unter anderem die Heilpädagogische Schule von einem Millionen Defizit wieder in die Gewinnzone gebracht und damit bewiesen, dass er mit Finanzen umgehen kann.» Seine Partei, die GLP, hat Stimmfreigabe beschlossen.

Dass die CVP-Unterstützung für den SP-Kandidaten bei den Freisinnigen nicht auf Begeisterung stösst, ist klar. «Ich habe von der Unterstützung erst durch den Leserbrief der Partei erfahren», sagt FDP-Parteipräsidentin Yvonne Vogel. «Uns hat die Empfehlung für den SP-Kandidaten überrascht.» Klar stosse das einigen Parteimitgliedern sauer auf. «Und wir hätten uns für unseren Kandidaten Martin Egloff eine bürgerliche Unterstützung gewünscht.» Letztlich müsse man den Entscheid der CVP aber akzeptieren, «aus welchen Gründen auch immer dieser so gefällt wurde».

In den Gesprächen tauchte auch die Frage auf, ob die CVP ihre Wahlniederlage vom Februar, als sie einen Sitz an Martin Egloff und die FDP verlor, noch nicht ganz verdaut hat.

Die Person ist der Favorit

Die Frage kommt für CVP-Parteipräsident Roland Michel nicht überraschend: «Jedoch haben wir die Wahlen vom Februar inzwischen gut verdaut. Zudem haben wir im September all unsere Ziele erreicht.» Das Vizeammannamt sei vielmehr eine Persönlichkeits- statt eine Parteiwahl. «Wir haben mit allen Kandidaten Hearings durchgeführt, wobei Markus Maibach nicht nur mit seiner Führungskompetenz für uns als klarer Favorit herausstach.» Nur weil die CVP den SP-Kandidaten unterstütze, könne man daraus nicht ableiten, dass die Partei zu wenig bürgerlich sei.

«Wir sind eine liberal-soziale Partei mit christlichen Werten und exakt in der Mitte des politischen Spektrums, das war schon immer so», sagt Michel. Komme hinzu, dass die CVP Sachpolitik betreibe und je nachdem, was die beste Lösung sei, linke oder bürgerliche Entscheide unterstütze. Auch sei man bei der Sparpolitik und den Finanzen sicherlich nicht zu nachgiebig. «Wir haben mit unseren Vorstössen zum Schuldenabbau gezeigt, dass uns gesunde Finanzen ein wichtiges Anliegen sind.» Hier müssten ohnehin alle sieben Gemeinderäte ihren Sparwillen zeigen, betont Michel. «Denn die meisten ihrer Entscheidungen haben finanzielle Folgen, da ist nicht nur Markus Maibach mit dem Ressort Finanzen in der Pflicht.»

Bürgerliche Allianz bröckelt

SP-Parteipräsident Christian Oberholzer zeigt sich erfreut über die Wahlempfehlung. «Dass Markus Maibach mit seiner Erfahrung und Führungskompetenz überzeugt, spürt man über die Parteigrenzen hinaus und nicht nur bei der CVP.» SP-Co-Fraktionspräsident Alain Burger fügt an: «Unabhängig vom Wahlgang spürt man in Wettingen, dass die bürgerliche Allianz seit den vergangenen Wahlen nicht mehr so stark ist wie früher.»

Sein Eindruck täuscht nicht und in der Tat fällt auf, dass auch die SVP keine Wahlempfehlung abgegeben hat. Parteipräsident Jürg Baumann sagt: «Der Sitzverlust in der Exekutive beschäftigt uns sicher noch.» Es sei jedoch nicht der einzige Grund, weshalb man keine Wahlempfehlung abgegeben habe. So habe sich bei der Stellenerhöhung der Sozialen Dienste und in der Budgetdebatte gezeigt, dass die FDP kein so verlässlicher bürgerlicher Partner mehr ist, wie man sich das wünsche. Und eine Empfehlung für einen SP-Kandidaten oder einen parteilosen entspreche nicht der Linie der SVP.