Der Abbruch der Villa Schnebli an der Haselstrasse bewegt die Gemüter. Das Haus der Badener Biscuit-Dynastie Schnebli aus dem Jahr 1909 – direkt neben dem Kulturhaus Royal – ist in den letzten Tagen komplett entkernt worden, die Abrissarbeiten sind schon im Gang. Statt der eleganten Jugendstil-Tür verdecken jetzt Baubretter den Hauseingang.

Gegen den Abbruch – zugunsten einer Zufahrt zur Baustelle des Postareals – haben Frank-Alexander Thoma und Damian Brunner am Dienstag eine Petition auf der Plattform Petitio.ch lanciert.

In nur 24 Stunden wurde das Ziel von 200 Unterschriften erreicht. Brunner hat die Petition und eine erste Unterschriftenliste am Mittwoch per Einschreiben an den Badener Stadtrat geschickt.

Im Petitionstext heisst es unter anderem: «Ich bitte (den Stadtrat) darum, bei der Eigentümerschaft einen sofortigen Baustopp zu erwirken und ein Moratorium zu verhängen, um die Angelegenheit zu überprüfen und alternative Lösungen zu suchen.»

Der Badener Öffentlichkeit sei das Ausmass der Sanierungsarbeiten auf dem Postareal und der Abbruch der Villa Schnebli nicht bewusst gewesen, da darüber keine offizielle Kommunikation stattfand. «Der Stadt ist und war offensichtlich nicht bewusst, welche Wichtigkeit das Gebäude an der Haselstrasse 11 für die Bevölkerung hat.»

Nicht der einzige Fall

Auf Nachfrage sagt Damian Brunner, die Petition solle auch darauf aufmerksam machen, dass die Villa Schnebli kein Einzelfall ist. «Auch wenn es vielleicht für die Villa Schnebli zu spät ist, wollen wir daraufhinweisen, dass durch den Abbruch die historische Bebauung rund um die Hasel- und die Parkstrasse aufgebrochen wird.»

Historische Bilder aus Baden: 

Auch die Betreiber des Kulturhauses Royal auf dem Nachbargrundstück sehen den Abbruch mit grosser Sorge. Die Villa Schnebli und das Royal seien von der Stadt trotz dringender Empfehlung der Denkmalpflege nicht unter Schutz gestellt worden, heisst es vonseiten des Vereins Kulturhaus Royal.

Die Royalisten gehen darum davon aus, dass die Stadt früher oder später auch für den Abriss des Royals eine Bewilligung erteilen wird. Die entsprechenden Bauabschnitte seien bereits in den Plänen für den «Annex Nord» eingezeichnet.

Zur Erinnerung: Unter dem Namen «Annex Nord» will die Zuriba zwischen dem bestehenden Postgebäude und dem «Royal» ein 22 Meter hohes Glasgebäude mit 18 Loftwohnungen erstellen. Die Pläne dazu wurden am Montag bekannt.

Das sagt der Stadtammann

Der Badener Stadtammann Markus Schneider (CVP) sagt zur Petition gegen den Abbruch: «Ich gehe davon aus, dass wir bei der Baubewilligung bleiben, so wie sie erteilt worden ist.» Im Rahmen des öffentlichen Bewilligungsverfahrens habe man Einwendungen und Bedenken geprüft.

«Es müssten schon völlig neue, gewichtige Argumente dazukommen, um an der Bewilligung etwas zu ändern.» Wie es von der Zuriba heisse, könnte das Royal durch den Abbruch der Villa Schnebli eine neue Stellung bekommen. «Meiner Meinung nach ist das der richtige Weg», so Markus Schneider.

Für eine offizielle Stellungnahme zur Petition hat der Badener Stadtrat 30 Tage Zeit. Dann allerdings dürfte die Villa Schnebli längst verschwunden sein. Die Zuriba AG sagt zur Kritik: «Grundsätzlich pflegt die Zuriba AG einen nachhaltigen Umgang mit Bestandesbauten.»

Für die Anlieferung und Entsorgung müssten LKW bis 4 Meter Höhe passieren können. «Das hat die Projektverantwortlichen dazu bewogen, zwischen der Villa Schnebli und der Postautostation eine Baute zu planen, die mit den erwähnten Fahrzeugen angefahren werden kann.»