Coop-Zentrale Schafisheim

Vier Klimazonen für unsere Nahrung – die grösste private Baustelle der Schweiz

Die grösste Bäckerei der Schweiz, riesige Hochregallager, ein eigener Güterbahnhof. Coop investiert in Schafisheim 600 Millionen Franken. Am 22.Juni ist Einweihung.

Der letzte der maximal 12 Baukrane, die im Herbst 2013 rund um die grösste private Baustelle des Landes ein veritables Ballett aufführten, ist demontiert. Sukzessive verschwinden rund um die Coop-Verteilzentrale in Schafisheim die letzten Gerüste. Der Einweihungstermin rückt näher. Was verbirgt sich hinter den riesigen Fassaden, an denen zwischen Lenzburg und Aarau jeden Tag Tausende Auto- und Zugfahrer vorbeirauschen? Während aussen Strassen- und Platzbeläge geteert werden und letzte Arbeiten anstehen, geht es im Innern immer emsiger zu.

Die rundum erneuerte Verteilzentrale blieb während der ganzen Bauzeit immer in Betrieb und wird jetzt etappenweise immer stärker ausgelastet. Im Neubau auf der andern Seite der Rupperswilerstrasse wird nicht nur die grösste Bäckerei und Konditorei der Schweiz installiert, sondern ein Kühllager, eine Entsorgungsstation und eine Parkhalle mit 1300 Plätzen in Betrieb genommen.

Umweltfreundliche Energie

Auf einem Baustellen-Rundgang mit Rudolf Frei, dem Leiter Betrieb der Coop-Verteilzentrale Schafisheim, ist überall eine gewisse Aufbruchstimmung zu spüren. Von Nervosität jedoch keine Spur: «Die ganze Hochlaufphase dauert über ein Jahr», sagt Frei.

Die neue Regionalzentrale des Grossverteilers ist in drei Hauptgebäude aufgeteilt. Das kleinste ist die Biomassenzentrale, die sich neben dem Produktionsneubau äusserst bescheiden ausnimmt. Von hier aus wird das ganze Coop-Areal mit klimafreundlicher Wärme versorgt. Als Brennstoff wird eine Mischung aus Holzschnitzeln und Kornschrot, Müllereinachprodukte der Coop-eigenen Zürcher Swissmill, verwendet. «Dazu musste eine neue Technologie entwickelt werden», so Rudolf Frei.

Die neue Coop-Drehscheibe in Schafisheim soll nicht nur die Betriebsabläufe effizienter machen, sondern auch dazu mithelfen, das Unternehmen dem selbst gesteckten Ziel, dereinst Kohlendioxid-neutral zu werden, ein deutliches Stück näherbringen. Dazu trägt hier nicht nur die umweltfreundliche Energiezentrale bei, sondern auch die Nähe der Bäckerei-Öfen und der gekühlten Lager.

Verschiedene Klimazonen

In nicht weniger als vier Temperaturzonen werden die Waren gelagert, bevor sie via Last- oder Bahnwagen an die verschiedenen Filialen gefahren werden. «Dies macht das Ganze sehr komplex», hält Betriebsleiter Frei fest. Und führte die Besucher zuerst in den Kälteautomaten. In fröstelnder Atmosphäre werden hier etwa Milchprodukte angeliefert, auf rollstrassengängige Gebinde verteilt, gelagert und danach gemäss den Bestellungen der einzelnen Läden konditioniert.

Das Management der einzelnen Gebinde wird natürlich elektronisch gesteuert. Eingriffe von Mitarbeitern sind auf ein Minimum beschränkt. «Mit dem ‹Anlagebetreuer› ist hier eine neue Berufsgattung entstanden», so Frei. Eine Aufgabe ist das Beheben von einfachen Störfällen.

Die versucht man tunlichst zu vermeiden. Dazu wird der ganze Kühlautomat in fünf Tranchen hochgefahren. Im laufenden Monat wurde die Verteilzentrale Basel hierher verlegt, von Juni bis Ende 2016 folgt Dietikon. Die Zentralisierung soll Ende Jahr abgeschlossen werden.

Ein eigener Güter-Bahnhof

Spürbar wärmer, 13 bis 15 Grad Celsius, wird es im Bereich für Früchte und Gemüse. Auch dieser Bereich hat seine Spitzenzeiten innerhalb des Tagesablaufs: Von 13 bis 20 Uhr liefern Lastwagen die Ware an; anschliessend folgt in der Nacht die Konditionierung, hier noch mehrheitlich in Handarbeit, ehe am frühen Morgen die Lastwagen beladen werden.

Noch weiter nördlich im Verteilzentrum folgt der Umschlagplatz für weniger verderbliche Güter. Die Branche spricht von «Superschnelldrehern» und meint beispielsweise Getränke in PET-Flaschen oder Haushaltpapier. Das zugehörige neue Hochregallager mit 4550 Palettenplätzen liegt oberhalb des Bahnanschlusses. Der Güterbahnhof ist zweigeteilt: SBB Cargo und die das Coop-eigene Eisenbahnverkehrsunternehmen railCare sorgen für eine Reduktion der Strassentransporte.

Passerelle als Verbindung

So faszinierend die Logistik im umfassend sanierten alten Verteilzentrum ist, so imposant sind die Dimensionen im neuen Produktionsbau: Im zweiten Obergeschoss ist die Einrichtung der grössten Bäckerei des Landes schon so weit fortgeschritten, dass ein Besuch nicht mehr gestattet wird. Ein Stockwerk darunter wird die Konditorei eingerichtet. Gäste ohne Haarnetz steigern die Nervosität der Verantwortlichen. Sicherheit wird auch später grossgeschrieben: Am Ende der Produktionsstrassen kontrolliert beispielsweise ein Metalldetektor, dass kein Splitter in der Cremeschnitte steckt.

Die beiden Hauptgebäude – A Verteilzentrum und B Produktion – sind über eine 162 Meter lange, zweistöckige Passerelle verbunden. Unten zirkulieren Personen; der Zugang zur ganzen Anlage wird aus Sicherheitsgründen hier konzentriert. Oben werden auf drei Gleisen Paletten hin und her geschoben. Noch herrscht aber hier die Ruhe vor dem Sturm.

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