Es regnete zwar Bindfäden; trotzdem kamen über 60 Vespa-Fahrerinnen und -Fahrer angeknattert, um vor dem grossen Corso nach Baden, Ehrendingen und auf die Lägern Zwischenhalt auf dem Rathausplatz in Wettingen zu machen.

In einem Festzelt gab es Speis und Trank sowie reichlich Gelegenheit zu fachsimpeln. Organisiert wird das jährliche Oster-Treffen vom Vespa Club Wettingen. «Wir brachten an sonnigen Tagen schon über 270 Teilnehmer zusammen», bekundete OK-Präsident Alex Müller.

«Ich bin dem Vespa-Virus erlegen und gehe fast jedes Wochenende zu einem Treffen irgendwo in der Schweiz», verriet Daniela Senn aus Wettingen. Beat Rothacher aus Höngg schwärmte für die Wendigkeit und Lässigkeit seines Gefährts: «Es ist formschön, robust und mit rund 90 Kilogramm viel leichter als ein Motorrad. Man kommt damit überall auf der Strasse durch. Ein echter Freiheitszuwachs gegenüber dem Autofahren.»

Vespa-Treffen in Wettingen

Vespa-Treffen in Wettingen

Daniele aus dem Aargau fühlt sich wie zu alten «Töfflibueb-Zeiten», wenn er mit seiner Vespa unterwegs ist. Angereist war er wegen des schlechten Wetters aber mit dem Auto. Denn zumindest die alten Wespen aus Vollblech sind rostanfällig. Deshalb gab es auf dem Zentrumsplatz neben wenigen «Oldtimern» – wie einem Rohrlenker aus den frühen 50er-Jahren – vor allem neuere Versionen des italienischen Kultfahrzeuges zu sehen.

Die formtypischen auslandenden Seitenbacken sind geblieben, werden aber mittlerweile mit Kunststoff verschalt. Die Zweirad-Fahrzeuge gibt es heute mit Hand- und Automatikschaltung. Sogar eine E-Vespa ist in Planung. Sie befindet sich allerdings in der Entwicklungsphase und ist noch nicht serienreif.

Der ewig junge Roller

Wie aus dem Ei gepellt funkelten die mehr oder weniger aufgemotzten Roller vor sich hin. Etwa 5000 bis 6000 Franken müsse man für ein gut erhaltenes, rund 30 Jahre altes Modell rechnen, meinte Vespa-Fan Toni Widmer, dessen hellblaue PX 125 mit dem Jahrgang 1984 liebevoll mit «la macchina di Toni» angeschrieben ist.

Dass an der Wespe praktisch alles noch selber instand gestellt werden kann, erweist sich dann als grosser Vorteil, wenn man gerne mit Werkzeugen hantiert. Davide hat auf seiner Reise in die Toskana so ziemlich alles eigenhändig repariert, was es zu reparieren gab.

Wer das Fahrzeug so gut im Griff hat, fühlt sich unabhängig. Spätestens seit Audrey Hepburn mit Gregory Peck 1953 im Film «Ein Herz und eine Krone» auf einer Vespa durch Rom tuckerte, ist der alte und doch ewig junge Roller zum Kultmobil geworden und wird es wohl auch für immer bleiben.