Projekt Oase

«Vertrauen in Kanton ist verloren»: Ammann ist enttäuscht von Aargauer Verkehrspolitik

Beim ehemaligen Schlachthof in Wettingen soll eine Autobrücke nach Baden entstehen. Derweil fühlt sich Obersiggenthal bei Verkehrsthemen im Stich gelassen.

Beim ehemaligen Schlachthof in Wettingen soll eine Autobrücke nach Baden entstehen. Derweil fühlt sich Obersiggenthal bei Verkehrsthemen im Stich gelassen.

Während Baden vom Durchgangsverkehr entlastet wird, sieht sich Obersiggenthal als Verliererin der Ostaargauer Strassenentwicklung (Oase).

Eine neue Autobrücke von Baden nach Wettingen, ein neuer Tunnel durch den Kreuzliberg und eine autofreie Hochbrücke: Am Montag gab der Kanton Aargau bekannt, wie und wo der Verkehr in der Region Baden in den kommenden Jahrzehnten fliessen soll. Rund eine halbe Milliarde Franken sollen in Bauwerke und Massnahmen zur Verkehrssteuerung investiert werden.

Der Badener Stadtrat und der Wettinger Gemeinderat unterstützten das Konzept der Ostaargauer Strassenentwicklung (Oase) im Grundsatz, teilte das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) mit. Vorbehalte haben beide gegenüber der neuen Autobrücke über die Limmat. Warum, wollte der Wettinger Gemeinderat mit Verweis auf das «laufende Verfahren» nicht sagen, auch der Badener Stadtrat verwies auf den Wortlaut in der Medienmitteilung.

Umso grösser war das Mitteilungsbedürfnis am Dienstag in Obersiggenthal – der Gemeinde, die sich als Verliererin der kantonalen Verkehrspolitik betrachtet. Gemeindeammann Dieter Martin (FDP) sagt auf Anfrage: «Der Gemeinderat Obersiggenthal befürchtet, dass die Entlastung des Zentrums von Baden zu einer Verlagerung des Verkehrs auf die angrenzenden Gemeinden führt.» Die Landstrasse in Nussbaumen gehöre bereits heute zu den am stärksten belasteten Strassen in der Region Baden. «Auf dieser Achse kann nicht noch mehr Verkehr aufgenommen werden.» Wenn durch den geplanten Tunnel eine schnellere Zufahrt zur Autobahn ermöglicht werde, ziehe dies unweigerlich zusätzlichen Verkehr via Siggenthaler Brücke und Nussbaumen an.

Der Obersiggenthaler Ammann sagt weiter: «Unsere Bevölkerung ist desillusioniert, seit die Prognosen der Planer zur Verkehrsbelastung nach der Eröffnung der Siggenthaler Brücke im Jahr 2002 derart daneben lagen. Deshalb vertraut sie auch den heutigen Versprechungen des Kantons bezüglich der zukünftigen Verkehrsentwicklung im Siggenthal nicht.»

In der Mitteilung des BVU von Montag wird auch Obersiggenthal erwähnt: «Insbesondere im Siggenthal soll die ungleiche Verteilung des Wachstums auf die beiden Teilachsen Untersiggenthal–Obersiggenthal beziehungsweise Turgi–Kappelerhof so weit wie möglich korrigiert werden.»

«Versprechen nie umgesetzt»

Auf die Frage, ob dieser Vorschlag zufriedenstellend sei, antwortet Dieter Martin wiederum mit klaren Worten: «Der Obersiggenthaler Gemeinderat ist der Meinung, dass das hin- und herschieben von Verkehrsbelastungen innerhalb der Region nicht zielführend ist.» Stattdessen sollten Massnahmen zur allgemeinen Verkehrsreduktion ergriffen werden. Die gleichmässige Verteilung des Verkehrs auf den beiden Limmatseiten sei bereits zur Eröffnung der Siggenthaler Brücke 2002 in Aussicht gestellt, aber nie umgesetzt worden. Dieter Martin: «Gemäss Angaben des Kantons fahren auf der rechten Limmatseite im Siggenthal täglich rund 10'000 Fahrzeuge mehr als auf der linken Limmatseite.» Die gleichmässige Verteilung auf beide Achsen würde im Siggenthal zu einer Entlastung von rund 5000 Fahrzeugen pro Tag führen und deshalb vom Gemeinderat begrüsst. «Auch in dieser Hinsicht ist aber der Glaube an die Möglichkeiten des Verkehrsmanagements nur beschränkt vorhanden.»

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