FC Baden

Versuch Nummer acht: Die Unaufsteigbaren wollen aufsteigen

Basil Gmür und der FC Baden möchten endlich auch in Aufstiegsspielen jubeln.

Basil Gmür und der FC Baden möchten endlich auch in Aufstiegsspielen jubeln.

Der FC Baden unternimmt den nächsten Anlauf, um den Sprung in die Promotion League zu schaffen

Im Schatten des FC Aarau, der in die Super League zurückkehren will, kämpft derzeit ein weiterer Aargauer Traditionsverein um den Aufstieg: Der FC Baden will den Sprung in die dritthöchste Spielklasse, die Promotion League, schaffen – wieder einmal. Seit 2011 scheiterte Baden sieben Mal in Aufstiegsspielen der 1. Liga, nach teilweise dramatischen Niederlagen. Bevor es darum geht, dass es die Fussballgötter dieses Jahr endlich wieder einmal gut mit Baden meinen könnten, zuerst ein Blick zurück auf die vergangenen Aufstiegsduelle. Sie endeten für Baden alle mit bitterer Enttäuschung, manchmal gar mit Tränen und Blut:

11. Juni 2011: «Meine Jungs weinen alle» . Baden empfängt vor 2286 Zuschauern in der Wettinger Altenburg Etoile Carouge. Es geht um den Aufstieg in die Challenge League (die Promotion League existiert noch nicht). Nach dem 0:1 in Genf dominiert Baden das Rückspiel, doch der Ball will und will nicht ins Tor. In der 90. Minute zischt der Freistoss des Badeners Papastergios nur um Zentimeter über die Latte. Es bleibt beim 0:0. Baden-Coach Sinardo kritisiert den Schiedsrichter, der in der 57. Minute statt auf Penalty nur auf Freistoss entschied. «Meine Jungs weinen alle. Sie fühlen sich betrogen.»

9. Juni 2013: rote Karte, Blut und ein verschossener Penalty . Den 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel gegen Le Mont gleicht Baden im Rückspiel im Esp vor 1300 Zuschauern schon in der 3. Minute aus. Kurz vor der Pause aber entscheidet der Schiedsrichter auf Penalty für die Gäste und Rot für Badens Torwart Vasilj. Aus Wut über den angeblichen Fehlentscheid schlägt dieser beim Garderobeneingang die Hand in eine Glastür. Blut fliesst, Vasilj muss operiert werden. Rainer Bieli verschiesst einen Penalty, Baden verliert mit 2:3.

12. Juni 2013: Niederlage in der Verlängerung. Wegen des Konkurses von Bellinzona erhält Baden eine weitere Aufstiegschance. Auf neutralem Terrain in Bulle findet ein Entscheidungsspiel gegen Terre-Sainte statt. Baden holt zweimal einen Rückstand auf, dominiert danach nach Belieben. In der Verlängerung nutzen die Westschweizer die beiden einzigen Torchancen, gewinnen 4:2 und steigen auf.

14. Juni 2014: Sieg gegen Xamax reicht nicht. Ligadominator Neuchâtel Xamax reist mit einem 2:0-Polster aus dem Hinspiel nach Baden. Doch Herger und Antic schiessen Baden im Esp vor 2050 Zuschauern überraschend in die Verlängerung. In der 108. Minute gelingt dem haushohen Favoriten der 1:2-Anschlusstreffer. Bitter: Trotz Sieg und toller Leistung verpasst Baden den Aufstieg.

6. Juni 2015: Cham erteilt Baden eine Lektion. Baden schafft am letzten Spieltag der Qualifikation den Sprung in die Aufstiegsrunde, scheitert dort aber bereits in der 1. Runde deutlich an Cham. Auf die 0:4-Niederlage zu Hause im Stadion Esp folgt eine 0:5-Klatsche.

11. Juni 2016: Unnötige Heimniederlage. Für einmal eine Saison, in der es die Fussballgötter gut mit Baden meinen: Im Halbfinal der Aufstiegsspiele schoss Captain Luca Ladner in der 112. Minute das 2:1 gegen Delémont. Im Finalduell um den Aufstieg wartet Bavois. Nach dem torlosen Unentschieden in der Waadt geht Baden als Favorit ins Heimspiel, schiesst aber erneut kein Tor und verliert mit 0:1.

16. Juni 2016: Zusätzliche Chance vertan. Wie schon drei Jahre zuvor bietet sich Baden eine weitere Aufstiegschance auf neutralem Terrain, diesmal wegen des Konkurses von Biel. Das Duell gegen United Zürich findet in Düdingen statt, Baden gilt nach den zwei Siegen in der Qualifikation als Favorit. Diesmal aber setzten sich die Zürcher mit 2:0 durch. Wieder verpasst Baden den Aufstieg auf der Zielgeraden.

Zurück zur Aktualität: Baden hat sich als Sieger der 1. Liga – Gruppe 3 souverän für die Aufstiegsspiele qualifiziert, muss nun aber zwei Gegner jeweils in einem Hin- und Rückspiel eliminieren, um den Aufstieg zu schaffen. In der ersten Runde findet das Duell mit Martigny-Sports statt. «Vielleicht ist es ein gutes Omen, gegen diese Mannschaft spielen zu dürfen», sagt eine Person mit wichtiger Funktion beim FC Baden, will aber nicht namentlich zitiert werden. «Könnte Unglück bringen», so die Begründung. Martigny ist ein besonderer Gegner, verbunden mit Badens grösstem Erfolg in der Klub-Historie: Den ersten und bisher einzigen Aufstieg in die Super League (damals Nationalliga A) sicherte man sich am 19. Juni 1985 mit einem 4:1-Heimsieg gegen die Unterwalliser. Klar ist: Will Baden den Aufstiegsfluch besiegen, müsste nach Martigny ein weiterer Gegner überwunden werden, der Sieger aus dem Duell zwischen den Black Stars und Eschen/Mauren.

Von alten Geschichten oder einem Aufstiegsfluch natürlich überhaupt nichts wissen will Badens Trainer Ranko Jakovljevic. «Statistiken interessieren mich nicht», sagt er. «Wir befassen uns allein mit der Gegenwart und der Zukunft. Unser Ziel ist klar: Wir wollen aufsteigen.» Mit der bisherigen Saison sei er sehr zufrieden: «Es läuft hervorragend. Niemand hat damit gerechnet, dass wir uns so souverän für die Aufstiegsspiele qualifizieren. Dass wir mehr als doppelt so viele Punkte holen wie letzte Saison, damit habe ich selbst nicht gerechnet», fügt er an. Glücklich sei er mit der Art und Weise, wie die Mannschaft auftrete. «Wir spielen nach vorne, nur ein Team in der 1. Liga hat mehr Tore geschossen. Gleichzeitig arbeiten wir auch defensiv sehr gut», lobt Jakovljevic seine Spieler. Selbstverständlich habe man sich mit Martigny befasst, «wichtiger aber wird sein, dass wir unser Spiel durchziehen».

In Martigny herrscht seit dem 2:1-Heimsieg gegen Gruppensieger Carouge von letztem Wochenende Euphorie. Die Aufstiegsspiele sind Tatsache. «Von einem Traum, der in Erfüllung geht», spricht der Präsident. Seit Monaten ist der Verein zu Hause ungeschlagen. Und natürlich glauben auch die Unterwalliser, die Fussballgötter auf ihrer Seite zu haben. Der 2:1-Siegestreffer gegen Carouge – ein Eigentor – sei wohl Schicksal gewesen, schrieb «Le Nouvelliste» gestern.

1.-Liga-Aufstiegsspiele 1. Runde: Martigny - Baden: Mittwoch, 29. Mai, 20 Uhr, Stade d’Octodure. Baden - Martigny, 1. Juni, 16 Uhr, Stadion Esp.

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