Anfang dieser Woche meldete diese Zeitung den Tod des Zürcher Architekten Theo Hotz (1928–2018), gestern wurde über sein Wirken in der Region Zürich berichtet. Doch Theo Hotz hat auch in der Region Baden und im Aargau Meilensteine gesetzt, zuletzt mit dem Bahnhof Aarau.

Doch zuerst zurück zu seinem ersten Wurf in dieser Region, genauer in Wettingen. Die Gemeinde Wettingen führte Anfang der 1950er-Jahre einen Projektwettbewerb für ein eigenes Bezirksschulhaus mit Turnhallen durch. Die Bezirksschule in Baden, die auch von den Schülerinnen und Schülern aus Wettingen besucht wurde, platzte nämlich aus allen Nähten.

Auch ein junger Hochbauzeichner, der sich als Autodidakt das Basiswissen des Architekten erworben hatte und im Alter von 21 Jahren keck sein Architekturbüro eröffnet hatte, nahm daran teil: Theo Hotz. Sein Vorschlag, um einen grossen Lichthof herum alle Schulzimmer im ersten Geschoss so anzuordnen, dass sie doppelseitig beleuchtet waren, beeindruckte. Die Spezialräume sowie Lehrerzimmer platzierte er im Erdgeschoss.

Das Bezirksschulhaus Wettingen, ein Frühwerk aus dem Jahr 1956.

Das Bezirksschulhaus Wettingen, ein Frühwerk aus dem Jahr 1956.

Im April 1955 genehmigte die Gemeindeversammlung den Baukredit von 3,5 Mio. Franken – damals für Wettingen eine Rekordsumme. Die unter Zeit- und finanziellem Druck realisierte Anlage wurde im Bauzustand bereits am 30. April 1956 eröffnet, wobei der geordnete Schulbetrieb erst am 8. Mai aufgenommen wurde.

Fensterloser Migros-Neubau

Nur wenige Jahre später wurde Theo Hotz in Baden tätig. Er realisierte den Neubau für einen der ersten Migros-Markt-Läden mit Restaurant an der Badstrasse 17 (später Coop, heute H&M), wo sich vorher der Bazar Lang befand. Als Krux erwies sich die Fassade des ersten Geschosses, hatte doch die Migros ihren Laden als Black Box und damit fensterlos konzipiert. Obschon dies der Bauordnung widersprochen hatte, wurde der Bau so realisiert und 1962 eröffnet. An der fensterlosen Fassade im ersten Stock wurde nachträglich ein Kunstwerk von Otto Kuhn angebracht.

An der Badener Badstrasse baute Hotz 1962 für die Migros.

An der Badener Badstrasse baute Hotz 1962 für die Migros.

Das imposanteste der Bauwerke von Hotz in der Region ist der «Konnex» auf dem ABB-Areal. Der 150 Millionen Franken teure Bau bedeutete für das Industrieareal nach der Fusion von BBC und Asea das Startsignal für den Aufbruch und eine moderne Entwicklung. Mit den Pufferzonen rundherum für die innere Erschliessung schuf Hotz ein Vorzeigeobjekt, was energiesparende Bauweise anbetrifft. Die Winterthur Versicherung war mit anderen Pensionskassen Investorin, ABB Immobilien AG initiierte das Projekt für 2100 Arbeitsplätze.

Badener Nachfolger

Der «Konnex» ging aus einem Wettbewerb hervor, als der Entwicklungsrichtplan und die Bau- und Nutzungsvorschriften für das Areal Baden Nord noch nicht rechtskräftig vorlagen. Vom Wettbewerb bis zur Realisierung und Bezug (1996) dauerte es lediglich drei Jahre. Der damalige Stadtplaner Hans Wanner hat Theo Hotz als kooperativen Architekten in Erinnerung, der seinen Standpunkt zu vertreten wusste, aber ebenso am Austausch – auch mit den Badener Architekten – interessiert gewesen sei. Hotz hätte einige Jahre später gerne auch das neue Gebäude an der Bruggerstrasse realisiert. Er scheiterte jedoch im Wettbewerb in der Schlussrunde am Basler Architekturbüro Diener & Diener.

Der «Konnex» der ABB, heute Hauptsitz von GE Switzerland.

Der «Konnex» der ABB, heute Hauptsitz von GE Switzerland.

Der Zürcher Architekt hatte im Badener Kollegen Peter Berger, langjähriges Mitglied der städtischen Baukommission und heute Einwohnerrat der GLP, während 30 Jahren einen von drei Partnern, die seit dem Rückzug von Hotz 2011 gemeinsam das Architekturbüro weiterführen.

Theo Hotz erfuhr zahlreiche Ehrungen, erhielt die Ehrendoktorwürde der ETH Zürich, einen internationalen Award vom American Institute of Architects (für das Paketverteilzentrum Mülligen), den europäischen «Constructa-Preis» für Industriebauten mit zwei Auszeichnungen, um nur die wichtigsten zu nennen.