Es ist ein spezieller Ort geblieben bis heute. Da änderte auch die freundliche Farbgebung nichts daran, die zur Aufhellung des düsteren Schlauches vor rund 15 Jahren von der Stadt initiiert wurde. Die Tunnelgarage ist zeitlebens ein Rohbau geblieben mit unverkleideten Leitungen und rohen Betonwänden. Doch nur für Nichtwissende stellt die Tunnelgarage einen Unort dar. Bahnfahrende Fussgänger schätzen die schnelle und direkte Verbindung zum Bahnhof, und – mit Verlaub – auch diejenigen Velofahrer, die pressant sind und diese Route benutzt haben, trotz Verbot, was übrigens ein jahrelanger Streitpunkt zwischen Stadt und Velo-Gilde war. Doch das ist nur ein Bruchteil der Mythologie dieses Ortes im Schlossberg.

Die Tunnelgarage war in den 60er-Jahren letzter Bestandteil der damals geplanten riesigen Zivilschutzanlage Stein. 27 Millionen Franken – damals eine Riesensumme – sollten in dieser Grossanlage für über 5000 Personen verbaut werden. Sie ging auf eine Idee der Nachkriegszeit zurück, einen bomben- und atomsicheren Ort in der Innenstadt zu schaffen. Ein erstes Projekt mit einem Notspital tauchte bereits 1956 auf. Dann wurde das Vorhaben mit der grossen Verkehrssanierung verknüpft. Den alten Eisenbahntunnel hätte man als Hohlraum genutzt und quer zu ihm Kavernen angelegt. Eine davon ist die heutige Tunnelgarage.

Konkrete Festungspläne

Im Jahr 1960 verlangte der Fachausschuss des Eidgenössischen Militärdepartements für solche Anlagen eine Felsüberdeckung. Drei Jahre lange arbeiteten die Planer und präsentierten der Gemeindeversammlung in der Sporthalle Aue 1964 das bereinigte Bauprojekt, dem die Stimmberechtigten vorbehaltlos zustimmten. Das Projekt umfasste vier runde Kavernen mit einer Breite von 17,5 Metern, zwei waren 40, zwei 50 Meter lang. 19,5 Meter betrug die Höhe, sodass man den Raum in Keller-, drei Ober- und ein Saalgeschoss unterteilen konnte. So hätte man Stadtverwaltung, Zivilschutzleitung und Sanitätshilfsstelle neben den öffentlichen Schutzräumen unterbringen können.

Es war auch eine Bäckerei vorgesehen, die im 24-Stunden-Betrieb täglich je 300 Gramm Brot für 5000 Menschen hätte backen können. Des Weiteren waren für 80 Kubikmeter Kühl- und für 50 Kubikmeter Tiefkühlräume vorgesehen. Den Kavernen waren Wasserreservoirs zugeordnet. Für die Versorgung mit elektrischem Strom hätte man auf ein Notstromaggregat zurückgreifen können. Ein 14-tätiger Vollbetrieb der Anlage wäre ohne Hilfe oder Nachschub von aussen möglich gewesen. Die kriegsmässige Ausrüstung hatte Entgiftungsräume und anderes umfasst.

Die Kaverne 4 war als Saalkaverne geplant, die in Friedenszeiten für Konzerte und Feste gedient hätte. Sie wäre Ersatz für den damaligen «Lindensaal» gewesen, welcher der Verkehrssanierung zum Opfer fiel. Doch 1965 machte der Kanton einen Strich durch alle Pläne. Als das Einführungsgesetz für den Zivilschutz im Kanton abgelehnt wurde, zogen Bund und Kanton ihre Zusagen für Subventionen zurück. Alle Planungsarbeiten wurden umgehend eingestellt. Im Oktober 1978 rechnete der Einwohnerrat Kosten von 8 Millionen Franken ab. 2,5 Mio. Franken erhielt die Stadt an Subventionen von Bund und Kanton. Die heutige Tunnelgarage ging am 1. Juni 1966, ein Jahr nach dem Schlossbergtunnel, in Betrieb.

Viele Badener verbinden prägende Erlebnisse mit der Tunnelgarage. Während der Bauarbeiten lockte die «Höhlen» mutige Knaben im Primarschulalter zu abenteuerlichen Expeditionen bis weit in den Schlossberg oder bis zum Stollenausgang unterhalb des Theaterplatzes.

Reiz der Tunnelgarage entdeckt

Im Jahre 1967 eroberte an der Badenfahrt die Beatmusik die Herzen der jungen Leute in der Stadt und in der Region. Die jugendliche Band «Angels» aus der Region und andere brachten auf einer Bühne in der Tunnelgarage den Schlossberg zum Beben und das Publikum in Fahrt. Übrigens wurde die Tunnelgarage später auch in den kalten Nächten des Millenniumsfestes (1999/2000) zum Bühnenort für heisse Rockmusik gemacht.

Die Tunnelgarage und die verwinkelten Gänge, in denen Ortsunkundige nicht wussten, wohin sie führen würden, übten auf viele Menschen einen besondern Reiz aus. Kulturschaffende nahmen gerne die Tunnelgarage in Anspruch. Oft tönten aus der «Schnecke», dem Abgang, der plötzlich endet, Saxofontöne, zum Beispiel von Horst Kriese. Die Faszination der Tunnelgarage hatte vor 25 Jahren Stephan Rinderknecht, einen bekannten Musiker aus der Region, zu einer besonderen Klang-Intervention veranlasst.

Roland Wunderli, damals Präsident des FC Baden, erinnert sich noch bestens an die NLA-Aufstiegsfeier im Juni 1984. «Nach dem Nachtessen im Säli des Restaurants Paradies gingen wir mit der ersten Mannschaft in die Tunnelgarage, wo die Feuerwehr ein Volksfest organisiert hatte.»

Im Jahre 2004 doppelte die frisch aus der Taufe gehobene «Kultour» nach. Mit mehreren Klang-Installationen schufen Künstler einmalige Klangerlebnisse. Sie nutzten die speziellen akustischen Raumverhältnisse.

Wer die Tunnelgarage in all diesen Facetten erlebt hat, fragt sich nun, ob sie ihren Charme als Kultort, ihre mythentragende Eigenart nach dem Umbau beibehalten wird. Ein Stadtfest 2022 oder die Badenfahrt 2027 werden es weisen.